Schieben l Eigentlich hatte Theresa Schultheiß (20) aus dem 50-Einwohner-Ort Schieben im Altmarkkreis Salzwedel für das kommende Jahr ganz andere Pläne. Im Januar wollte sie mit einer Freundin nach Australien reisen. „Work and Travel“ bis Oktober war angesagt. Die Vorbereitungen für die nötigen Visa waren schon in Gange, doch in der vergangenen Woche kam alles ganz anders. Nun muss sich die junge Blondine aus der ländlichen Altmark auf die Glitzerwelt in großen Metropolen vorbereiten - Theresa Schultheiß ist Miss Sachsen-Anhalt 2020.

Just for fun beworben

„Ich habe mich Anfang 2019 einfach mal im Internet beworben. Just for fun, ohne große Erwartungen“, erzählt die sympathische junge Frau in der Küche mit Katze Elli auf dem Schoß im heimischen Schieben. Im Abiturstress hatte sie die Bewerbung lange Zeit wieder vergessen, bis im Oktober auf einmal die Einladung nach Hamburg kam. Dort befand sich Theresa plötzlich unter den 16 Finalistinnen des Landes Sachsen-Anhalt. „Doch dabei habe ich mir auch erst weiter nichts gedacht“, sagt sie. Und so geht die 20-Jährige ganz unbedarft an die Fotoshootings, Videoaufnahmen und Interviews der Miss-Germany-Corporation heran.

„Ich bin kein Profi“, sagt Theresa. Und das war es vielleicht, was ihr in Hamburg und bei der späteren Abstimmungsrunde im Internet den Weg zum Titel ihres Bundeslandes ebnete. Andere Teilnehmerinnen seien ganz professionell vorbereitet in ihre Interviews gegangen.

Bilder

Abitur war wichtiger

Theresa plauderte ohne Skript einfach drauf los. „Das war ähnlich wie beim mündlichen Abitur.“ Und fürs Fotoshooting blieb Theresa auch ganz cool. Mit Stiefeln und nicht in High Heels ließ sich die taffe 20-Jährige ablichten.

Doch ganz fern ist die Altmärkerin dem Mode- und Modelgeschäft auch nicht mehr. So posierte sie bereits als Haarmodel für eine Markenfirma und nahm 2017 an einem Casting für Heidi Klums „Germanys next Topmodel“ teil. „Die wollten mich haben, aber ich habe abgesagt. Das Abi war wichtiger“, setzte sie damals klare Prioritäten. Die Lust zu modeln blieb bei der sportlichen Schiebenerin aber erhalten.

Leben und leben lassen

Gelten dabei heute denn noch die Maße „90-60-90“? Theresa hat sie „fast“, sagt sie. Aber im Business sei das lange nicht mehr das Maß aller Dinge. „Es ist alles etwas lockerer geworden, es gibt immer mehr kurvige Models“, erklärt sie. Auch beim Sachsen-Anhalt-Finale seien viele unterschiedliche Typen unter den Teilnehmerinnen gewesen. Das aktuelle Motto für die Miss-Germany-Wahl lautet dementsprechend auch „Empowering authentic women“ (Authentische Frauen stärken, Anm. d. Redaktion).

Genau so will sich auch Theresa in den kommenden Wochen und beim Finale des Wettbewerbs am 15. Februar im Europapark Rust (Baden-Württemberg) präsentieren. Ihr Motto lautet „Leben und leben lassen“. Dazu hat sie in ihrer Schulzeit am Salzwedeler Jahngymnasium schon schmerzhafte Erfahrungen machen müssen. „Ich sage immer meine Meinung, engagiere mich für Gerechtigkeit“, betont die junge Frau, die in diesem Moment auch etwas emotional wird. Denn in der Schule wurde sie gemobbt, da sei auch viel Neid dabei gewesen, meint sie. So wechselte sie für die Oberstufe ans Gymnasium im benachbarten Lüchow (Niedersachsen). „Dort war es dann perfekt“, freut sie sich auch über die bestandene Reifeprüfung.

6000 Follower

Die eigene Mobbing-Erfahrung wappnet Theresa nun vor Sachen, wie etwa einen „Shitstorm“ im Internet. „Ich will noch selbstbewusster werden“, hat sie sich vorgenommen. Schon lange präsentiert sich die Altmärkerin in sozialen Netzwerken. Sie hat mehr als 6000 Follower auf Instagram. Und es werden täglich mehr. Auch die Medienanfragen häufen sich. Natürlich sind alle großen Namen dabei. Auch erste Anfragen für Werbe-Kooperationen gab es schon. Aber zunächst steht sie für ein Jahr bei der Miss-Germany-Corporation unter Vertrag. Vielleicht ihr Einstieg ins Model-Business?

„Kann sein“, will Theresa erstmal sehen, wie sich alles entwickelt. Eigentlicher Plan war für sie zuletzt ein Lehramtsstudium. „Sport und nach Australien vielleicht Englisch“, so ihre Überlegungen. Vor allem für Ersteres bringt sie perfekte Voraussetzungen mit. Zehn Jahre spielte sie Handball, war im Gerätetturnen aktiv. Auch Reiten gehört zu ihren Hobbys und beim Bogenschießen in Kuhfelde sammelte sie Titel bei den Landes- und Deutschen Meisterschaften.

„Stolz und überrascht“, sind die Eltern Michaela und Dirk Schultheiß. „Es war schon immer ihre Leidenschaft sich zu präsentieren“, sagt der Vater. Sorgen hat er nicht, „aber man muss wachsam sein“, behält er die Entwicklung seiner Tochter im Blick.

„Ich muss nicht gewinnen, denn eine Verliererin bin ja schon nicht mehr“, geht das Mädchen aus der Altmark unbefangen an das Finale im Februar heran. „Ich will mich natürlich anstrengen, aber dabei auch ich selbst bleiben“, meint Theresa aus Schieben.