Salzwedel/Gardelegen l Das Baby schreit viel, findet keinen Schlaf oder Beruf und Kleinkind lassen sich nicht mehr in Einklang bringen. Mit der Geburt eines Babys werden junge Familien vor viele Fragen und Aufgaben gestellt. Nicht immer ist die Mutter oder Großmutter greifbar, um unterstützend tätig zu werden. „Man merkt deutlich, dass familiäre Strukturen in der Gesellschaft wegbrechen“, sagt Matthias Lauterbach, Geschäftsführer der Salus Altmark Holding, Dachgesellschaft des Altmark-Klinikums.

Mit einem neuen Angebot wendet sich deshalb der Altmarkkreis Salzwedel über das Netzwerk „Frühe Hilfen“ an werdende und junge Eltern im gesamten Kreisgebiet. Jeden ersten Mittwoch im Monat, beginnend mit dem 6. März, gibt es zunächst im Altmark-Klinikum Salzwedel ein kostenfreies Beratungsangebot unter dem Titel „Mütterberatung“. Zwischen 8.30 und 14.30 Uhr können Mütter und Väter dort Hilfestellungen bei Alltagsfragen rund ums Kind bekommen.

Das Angebot richtet sich an alle Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren. In naher Zukunft soll die Beratung auch in Räumen der Hansestadt Gardelegen ermöglicht werden. Vorgestellt wurde das Projekt am Mittwoch von den beteiligten Akteuren in einem Konferenzraum des Salzwedeler Krankenhauses.

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Familienhebammen beraten

Im Mittelpunkt stehen dabei die Familienhebammen Babett Gerke und Cornelia Striewski. Resultierend aus ihren Erfahrungen, auch im Netzwerk „Frühe Hilfen“, und ihrer Ausbildung werden sie die Eltern und deren Probleme aufnehmen und entsprechend beraten. „Ernährung, Pflege, Erziehungsfragen...“, zählte Babett Gerke diverse Beratungsthemen auf. Viele Probleme blieben auch häufig über das erste Lebensjahr hinaus bestehen. So berichtete Gerke, dass viele betreute Mütter auch nach der Hebammenzeit (bis neun Monate) manchmal noch anrufen und sich Rat holen.

Wichtig sei bei dem neuen Angebot, dass die Eltern einfach vorbeikommen können. Es muss kein fester Termin vereinbart werden. „Eine Mindestanforderung gibt es allerdings“, warf Susann Meinecke vom Jugendamt des Altmarkkreises ein: „Die Vorlage des Untersuchungsheftes, kurz U-Heft genannt, für Kinder ist erforderlich.“ Die Hebammen brauchen für die Beratung ein paar Mindestinformationen zur Geburt des Kindes, erklärte Meinecke dazu. Im Zusammenhang mit der Beratungstätigkeit verwies Babett Gerke auf ein Thema, dass viele Eltern im Raum Salzwedel derzeit besonders beschäftigt.

Kinderärzte sind überlaufen

„Die Kinderärzte sind überlaufen. Wir wissen von Fällen, wo derzeit nur noch Geschwisterkinder angenommen werden. Andere werden abgewiesen“, berichtete Gerke. „Da hören wir leider von der Kassenärztlichen Vereinigung anderes. Nach deren Zahlen sind wir in der Region gut aufgestellt“, warf Landrat Michael Ziche etwas süffisant ein. Gerke hofft nun, dass mit dem Zusatzangebot der Mütterberatung einige Eltern dort ihre Fragen loswerden können. „Einen Kinderarzt können wir aber natürlich nicht ersetzen“, ergänzte sie.

Neben der Hilfestellung bei Alltagsfragen können die Kinder bei der Mütterberatung auch gemessen und gewogen werden. Weitere Beratungsangebote können dort, wenn nötig, auch vermittelt werden.

„Jedes Kind, egal welcher Herkunft, hat das Recht auf ein liebevolles und behütetes Aufwachsen“, stellte Landrat Michael Ziche fest und meinte weiter: „Ich kann nur hoffen, dass das neue kostenlose Beratungsangebot der ‚Mütterberatung‘ junge Eltern auch erreicht und von ihnen angenommen wird.“ Dies hofft auch Matthias Lauterbach von der Salus Altmark Holding. „Wenn es uns gelingt, nur ein Kind aus einer kritischen Situation zu holen, dann hat es sich gelohnt“, meinte der Geschäftsführer.

Tasche mit nützlichem Inhalt

Jede Mutter, die das Angebot wahrnimmt, erhält übrigens ein kleines Täschchen mit nützlichem Inhalt. Unterstützt von der DAK in Salzwedel ist darin unter anderem ein Fieberthermometer, ein Lätzchen sowie der Gutschein für einen Babykalender enthalten. Interessiert begutachteten die Anwesenden auch den Zahnpflegefingerling, mit dem das Zahnfleisch und die ersten Zähne beim Baby gereinigt werden können. „Ich bin froh, dass wir das Projekt unterstützen können“, erklärte Diana Sode, Leiterin der Geschäftsstelle der Krankenkasse.