Salzwedel l Zwar ist die Luftverschmutzung in den Altmarkstädten längst nicht so hoch wie in großen Ballungszentren, ein Nachdenken, wie der Stickoxid-Ausstoß im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) reduziert werden kann, erfolgt aber auch auf dem Lande. Das wurde deutlich, als Salzwedels Ex-Oberbürgermeisterin Sabine Danicke das Thema auf Kreisebene ansprach. Sie wollte wissen, wann und wie die Busse, die im Altmarkkreis unterwegs sind, auf Elektro-Mobilität umgestellt werden. Diese umweltfreundliche Variante würde dem Kreis, der mit der Grünen Wiese wirbt, gut zu Gesicht stehen, schätzte sie ein.

Darüber wird schon länger nachgedacht, erklärte Landrat Michael Ziche. Experten hätten festgestellt, dass eine Umstellung für große Busse im Linienverkehr aktuell noch zu teuer und aufwändig sei, so Ziche. Dabei gebe es momentan keine Alternativen zum Diesel, schätzte er ein. Die Betrachtungen dazu seien aber nicht abgeschlossen. Als erster Weg zur E-Mobilität im ÖPNV werde momentan nach Möglichkeiten gesucht, in Salzwedel und Gardelegen E-Busse einzusetzen. Auf den Stadtlinien fahren die kleineren Busse auf kürzeren Strecken, damit könne begonnen werden, sagte Ziche.

App für den Rufbus

Ein zweites Zukunftsprojekt wird gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt Braunschweig umgesetzt. Nachdem es mit den Forschern bereits vor knapp einem Jahr Gespräche gab, ist jetzt ein Antrag für einen Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Titel MobilWerkStadt gestellt worden, berichtet der Chef der kreiseigenen Personenverkehrsgesellschaft (PVGS), Ronald Lehnecke. Der Einsendeschluss war der 31. März.

In dem in drei Phasen angelegten Projekt geht es um eine Digitalisierung des Rufbussystems. Dabei soll der Nutzer mit einer App den Rufbus bestellen, seinen Standort und die Fahrtstrecke über GPS verfolgen und auch mit einem E-Ticket bezahlen können. Ähnlich wie es bei Taxis in Großstädten bereits alltägliche Praxis ist. Das soll zum einen für Fahrgäste bequem sein, zum anderen Leerfahrten vermindern, die Disposition und die Telefonzentrale bei der PVGS entlasten, so Lehnecke.

Bevor die App in der zweiten Phase entwickelt wird, soll das Projekt öffentlichkeitswirksam beispielsweise mit Senioren, Schülern und anderen Beteiligten besprochen werden, kündigte er an. „Es geht darum, was können sie sich vorstellen, was ist ihnen wichtig“, so Lehnecke.

In Phase drei geht es um die Anwendung und Verstetigung oder die Übertragung auf andere Gebiete. Während des gesamten Verfahrens können sich die Akteure im Kreis auf das Know-how der Experten aus Braunschweig stützen. Auf eins weist der PVGS-Geschäftsführer dabei nachdrücklich hin: „Der Rufbus kann natürlich weiterhin immer per Telefon bestellt werden.“