Apenburg l Früher war sowieso alles ganz anders, erzählen ältere Leute oft. So kann sich der Apenburger Eberhard Körber nicht an eine so lange Trockenzeit erinnern. Früher hätten die Wiesen um Apenburg regelmäßig unter Wasser gestanden, besonders im Winter. Auf den Bürgerwiesen, die in einer Senke lagen, wurde in der kalten Jahreszeit Eis gebrochen, das die Bauern anschließend zu dem Eiskeller am Apenburger Ziegeleiberg fuhren. Das sei ein schöner Zuverdienst für die Bauern gewesen, so die Einschätzung des Apenburgers.

Dieser Eiskeller, direkt an der Straße von Apenburg nach Beetzendorf gelegen, weckt immer noch die Aufmerksamkeit von Eberhard Körber. Er erzählt, dass dieser ehemals zur Brauerei Schulze-Kummert aus Kalbe/Milde gehörte. Die Gewölbewände sollen fast einen Meter dick sein, habe er einmal gehört. Dieses garantiere, dass im Innern die Temperaturen das ganze Jahr über immer um die 12 bis 14 Grad Celsius betragen. Dies sei ideal gewesen für die Eiseinlagerung. Später wurden dort Äpfel von den Straßenbäumen durch Mitarbeiter des Straßendienstes sortiert und gelagert, berichtete der 78-Jährige.

Weg am Forsthaus zerfahren

Immer wieder sei er mit dem Fahrrad in der Region unterwegs. Manchmal nähme er die große Runde, über Klein Apenburg, Saalfeld, Hagen und zurück nach Apenburg. Der Weg an dem Waldstück Köhe vorbei sei mittlerweile eine Katastrophe. Auch der Weg vom Apenburger Forsthaus sei, seit dieser als Umgehungsweg genutzt wurde, mit dem Zweirad oder auch zu Fuß nur noch schlecht passierbar. Aber das wäre eine andere Geschichte, fügt er an.

Denn zunächst lägen ihm der Eiskeller und seine heutige Bestimmung am Herzen. „Da ist er“, weist er mit der Hand auf ein Geflecht aus umgestürzten Bäumen, Büschen und Sträuchern. Man sieht, dass man nichts sieht. „Genau, dasselbe habe ich auch gedacht, als ich mit dem Fahrrad vorbeigekommen war“, beantwortet er den suchenden Blick. „Ich hatte erst gedacht: ,Wo ist der Eiskeller geblieben?‘ Dann bin ich vom Fahrrad abgestiegen und habe mir einen Weg durch das Gestrüpp gebahnt. Doch, er war noch da, mit allem, was dazu gehört.“

Alles zugewuchert

Auch das Schild der Unteren Naturschutzbehörde befindet sich noch an der Tür zum Eiskellergewölbe. „Geschütztes Fledermausquartier. Nach § 31 (2) Naturschutzgesetz vom 11.02.1992 Sachsen-Anhalt gelten besondere Schutzanordnungen. Untere Naturschutzbehörde“, ist darauf zu lesen. Und das ist es, was den 78-Jährigen verstimmt. „Zettel ran und fertig. Das war es. Kein Mensch kümmert sich mehr darum. Seit Jahren wuchert alles zu“, kritisiert Eberhard Körber.

Noch einmal erzählt er über die eigentliche Funktion als Eiskeller. Von oben, sozusagen durch das Dach, wurden die Eisstücke in den Keller transportiert. Doch die Öffnungen sind zu. Auch die Schadstellen, die die Zeit oberhalb des Tores in das Gemäuer gefräst hat, scheinen zu klein, als dass sie als Einflugschneisen genutzt werden könnten. Das mache ihn traurig und schon ein bisschen wütend, gesteht der Apenburger. Immer wieder lese er etwas über Fledermäuse und wie gefährdet ihre Art sei. Und hier würde ihnen der Zugang verweigert, weil er einfach nicht mehr zugänglich sei.

Gelistet beim Amt

Ein paar Pflegemaßnahmen würden dieses ändern. Das Gewölbe mit seinen rund 250 Quadratmetern böte Platz für viele dieser ganz besonderen Individuen. Alles würde angeschoben werden, aber nichts zu Ende gebracht, lautet das Resümee des agilen und zugleich enttäuschten Rentners.

„Der Eiskeller ist der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) als geschütztes Überwinterungs- und Sommerquartier für Fledermäuse bekannt“, teilt Kreissprecherin Amanda Hasenfusz auf Nachfrage der Volksstimme mit. Das Quartier werde als solches auch weiterhin bei der UNB geführt.

Substanz wird kontrolliert

Das Umweltamt betreue die Fledermausquartiere. „Dazu gehört eine regelmäßige Kontrolle der baulichen Substanz, Dokumentation der Individuenzahlen sowie die Pflege und Instandsetzung der baulichen Anlagen“, informiert die Sprecherin. Unterstützt werde das Amt von Mitarbeitern der kreiseigenen Gesellschaft ABS-Drömling.

„Bei Kontrollen ab dem Jahr 2000 wurden im Apenburger Eiskeller im Durchschnitt 10 bis 40 Tiere je Kontrolle gezählt. Die meist vertretenen Arten waren das Braune Langohr, die Fransen- und die Wasserfledermaus“, schildert Amanda Hasenfusz. Engagierte Bürger, die beim Betreuen oder Kontrollieren bestimmter Fledermausobjekte unterstützen wollen, seien willkommen. Diese werden gebeten, sich an die UNB zu wenden.