Diesdorf l Der Kreisverband Westliche Altmark des Naturschutzbundes hat das Wiesenweihen-Projekt abgegeben. Das sagte Renate Holzäpfel während der Jahreshauptversammlung am Sonnabend in der Gaststätte Am Markt in Diesdorf. „Das Stellen der Anträge ist einfach zu viel für Ehrenamtliche“, begründete sie die Entscheidung. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) habe die Aufgabe übernommen und auch schon die entsprechenden Schritte eingeleitet.

Renate Holzäpfel informierte zudem, dass die mit einem Sender ausgestattete Wiesenweihe, die zweimal bei Bandau gebrütet und dann ihr Brutgeschäft nach Polen und Tschechien verlegt hat, vor Kurzem im Niger verstorben sei. „Vielleicht gelingt es dem BUND, erneut einige Vögel zu besendern“, hoffte sie.

Etwa 100 Brutpaare

Der Kranich, ging sie auf eine weitere Vogelart ein, brüte überall dort, wo es feucht sei. Als Beispiele nannte sie den Drömling, die Purnitz und den Tangelnschen Bach. „Etwa 120 Brutplätze haben wir im Altmarkkreis Salzwedel kartiert. Aber nicht alle sind besetzt“, sagte Renate Holzäpfel. Gerechnet werde aktuell mit etwa 100 Brutpaaren. „Aber die Reproduktion nimmt ab. Es gibt immer weniger Junge, die flügge werden“, gab sie die Beobachtung der Naturschützer weiter.

Wenn die Zahl der Kraniche zunehme, würden auch störungsanfällige Brutplätze erwählt. Diese würden jedoch teilweise austrocknen oder seien gut vom Fuchs erreichbar, der es auf die Eier und die Jungvögel abgesehen habe. „Er kommt auch übers Wasser ran“, schilderte sie. Kolkraben, Waschbären und im Wald auch Wildschweine seien weitere Feinde der Kraniche. „Wir wollen die Plätze weiter kon-trollieren, um den Bestand im Auge zu behalten“, sagte Renate Holzäpfel und fügte hinzu: „In diesem Jahr sieht es gut aus. Es ist alles durch die ergiebigen Niederschläge nass.“

Aktive fehlen

Vorsitzender Hagen Wojak berichtete von knapp 200 Mitgliedern im Kreisverband. „Wir brauchen die Beitragszahler. Aber wichtig sind uns auch die Mitglieder, die aktiv mit anpacken. Da haben wir leider noch nicht genug“, bedauerte er.

Günter Brennenstuhl berichtete über die Aktivitäten der Arbeitsgruppe Salzwedel. Exkursionen seien wichtig, um den Menschen zu zeigen, was es noch gebe. Vielleicht könne der eine oder andere dadurch gewonnen werden, bei der Arbeit der Naturschützer mit zuzupacken, dachten die Anwesenden laut nach.

Günter Brennenstuhl selbst bringt sich in die Kartierung von Farn- und Blütenpflanzen ein. Bei Salzwedel gebe es noch die Schachtelblume, deren Vorkommen er überwache. Dazu habe er einige wissenschaftliche Beiträge verfasst.

Arten verschwinden

„Ich habe mir die Mühe gemacht, die Verluste an Arten im Altkreis Salzwedel mal aufzuzählen, die wohl nie wieder auftauchen“, erklärte er. Innerhalb von 50 Jahren seien 25 Arten ausgestorben, darunter vier Orchideenarten. Schuld sei bis zur Wende der Eingriff in den Wasserhaushalt durch die Melioration gewesen. „Danach sind Flächen nicht mehr interessant gewesen und liegen gelassen worden. Eine Beweidung oder regelmäßiger Schnitt fehlen, es kam zur Verbuschung, so dass Arten verschwanden“, berichtete er. Problematisch sei auch das zu frühe Mähen, ergänzte Hagen Wojak. Denn die Samen der Orchideen seien meist erst im Juli reif.