Kuhfelde l Die Trockenheit vom Frühjahr bis zum Herbst des vergangenen Jahres und ihre Folgen – das war zwar während der Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes Westliche Altmark des Naturschutzbundes (Nabu) kein ausdrücklicher Tagesordnungspunkt. Sie kam aber mit ihren Auswirkungen auf Flora und Fauna sowie die ehrenamtliche Arbeit der Naturschützer immer wieder zur Sprache.

So berichtete Michael Arens von der Ortsgruppe Vienau, der seit Jahren die Weißstorchpopulation im Raum Kalbe beobachtet, dass wegen der Trockenheit zahlreiche Jungstörche im vergangenen Jahr verhungerten. Die Elterntiere fanden keine Nahrung für den Nachwuchs. „Die Regenwürmer hatten sich wohl in sehr tiefe Erdschichten zurückgezogen, die Zahl der Mäuse war gering und die Teiche ausgetrocknet“, resümierte Michael Arens. Daher betrugen die Verluste bei den Jungstörchen mehr als 50 Prozent. „In guten Jahren überleben 30 Prozent der Jungstörche nicht, normal sind eigentlich Verluste um die 40 Prozent“, verglich Arens.

Intensivwirtschaft

Allerdings seien die Verluste grundsätzlich nicht allein auf trockenen Monate zurückzuführen. Auch die intensive Landbewirtschaftung reduziere das Nahrungsangebot. „Auf jeder grünen Wiese ist nicht immer Nahrung zu finden“, so Michael Arens.

Als Erfolg konnte Arens dagegen den Nachweis eines baumbrütenden Wanderfalken in der Region vermelden. Davon gebe es insgesamt sechs Brutpaare in Sachsen-Anhalt. „Wanderfalken, die auf Bäumen brüten, waren eigentlich in den 1970er Jahren ausgestorben“, erinnerte der Vienauer. Später seien dann wieder Jungvögel ausgewildert worden. Des Weiteren seien 2018 50 junge Brachvögel großgezogen worden, so Michael Arens, der auch an den Kartierungsarbeiten beteiligt ist. Von diesen geschützten Vögeln leben derzeit etwa 40 Brutpaare in Sachsen-Anhalt, davon etwa die Hälfte in der Altmark.

Abschuss

Jedoch seien zwei in der Region beringte Brachvögel an der französischen Atlantikküste abgeschossen worden. „Auf der einen Seite gibt man in Europa Geld für ihren Schutz aus, auf der anderen Seite sind sie zum Abschuss freigegeben“, so Arens kopfschüttelnd.

Da es aufgrund der Trockenheit im vergangenen Jahr keine Pilze gab, mussten die Vienauer Naturschützer auch ihre beliebte Pilzausstellung ausfallen lassen. Da sie für dieses Jahr auf eine günstigere Witterung hoffen, haben sie Sonnabend, 12. Oktober, ihre Ausstellung eingeplant. Auch die Wanderung am Karfreitag, die regelmäßig zwischen 200 und 300 Teilnehmer anlockt, wird vorbereitet. Treffpunkt am 19. April ist um 9.30 Uhr in Vienau.

Die Trockenheit machte auch den Nabu-Mitgliedern in Salzwedel mitunter einen Strich durch ihre Pläne. Günter Brennenstuhl hatte eigentlich für seine Exkursion im Mai das Thema Ackerwildkräuter und ein bestimmtes Flurstück ausgewählt. Dieses sei zum Termin jedoch schon umgepflügt gewesen. Und beim nächsten Termin sei wegen der großen Hitze von den angekündigten mehrjährigen Ackerwildkräutern nichts mehr zu sehen gewesen.

Botanische Einwanderer

Günter Brennenstuhl machte darauf aufmerksam, dass die Saatgutmischungen für Wildkräuter oft Arten enthalten, die eigentlich in der Region nicht beheimatet seien. Oft würden diese Mischungen in Süd- oder Südosteuropa zusammengestellt werden. Sie enthalten Pflanzen, die bereits an höhere Temperaturen angepasst sind und die dann hierzulande die einheimische Flora verdrängen. Günter Brennenstuhl nannte in diesem Zusammenhang die Flockenblume, die es bereits bis in den Bördekreis geschafft hatte, bislang jedoch in der Altmark noch nicht vertreten war. Bei Dürre wachsen der Flockenblume einfach kürzere Äste, so dass die Pflanze mehr Energie in die Blüte stecken kann, erklärte der Botanik-Experte. In diesem Jahr solle die Rote Liste der gefährdeten Arten erscheinen, kündigte Brennenstuhl an. Diese zeige, dass inzwischen viele Fundorte verloren gegangen seien.