Salzwedel l Wie ist es eigentlich heutzutage um die Solidarität, um das unterstützende Miteinander bestellt? Diese Frage haben wir in der Volksstimme-Lokalredaktion in den vergangenen Wochen immer wieder diskutiert. Das Fazit aus unseren Diskussionen war zunächst wenig ermutigend. Denn jeder hatte sofort aus seinem eigenen Erleben ein oder mehrere Beispiele parat, dass es mit der Solidarität der Menschen im täglichen Umgang untereinander nicht so weit her ist.

Doch ist das wirklich so? Sind wir in einer Gesellschaft von Egoisten angekommen, denen der Nächste egal ist? Hat am Ende das Wort Solidarität durch die staatliche Verordnung zu DDR-Zeiten gelitten? Immerhin wurde sie damals groß beschworen. Beim Blättern durch alte FDGB-Mitgliedsausweise fällt auf, dass die Solidaritätsmarken doppelt so groß waren wie die eigentlichen Marken, die für den Mitgliedsbeitrag eingeklebt wurden. Schulklassen beteiligten sich damals an Solidaritätskampagnen für beispielsweise in Chile inhaftierte Kommunisten.

Zunächst ist Solidarität auch heute durchaus präsent. Seit 1991 gibt es den Solidaritätszuschlag. Bereits 1945 wurde in Dresden die Volkssolidarität als Hilfsorganisation gegründet, die heute vor allem in den neuen Bundesländern aktiv ist.

Eine Herzensangelegenheit

Und auch ohne dass ausdrücklich das Etikett Solidarität zu sehen ist, existiert sie in vielen Formen. Jede Spende ist eine Form von Solidarität, sei es die Kollekte in der Kirche oder die Aufrufe bei Naturkatastrophen. Gerade dann, wenn Wetter, Erdbeben oder Vulkanausbrüche zu Bedrohung für Menschen und ihre Siedlungen werden, zeigt sich immer wieder, dass Solidarität eine Herzensangelegenheit ist.

Viele Altmärker kamen bei der Elbeflut 2002 freiwillig, um Sandsäcke zu füllen. Menschen, die sich vorher kaum kannten, arbeiteten Hand in Hand.

Vielfältiges Engagement

Oder können Sie sich noch an den Elbefischer Gernot Quaschny erinnern? Beim Elbehochwasser 2013 verlor er sein Haus im Elb-Havel-Winkel in den Fluten, versorgte aber dennoch per Boot Menschen, die durch das Hochwasser von der Außenwelt abgeschnitten waren, mit lebensnotwendigen Dingen.

Der Katastrophenschutz stützt sich hierzulande auf ehrenamtliche Kräfte - Feuerwehrleute, Sanitätszug, Wasserwacht und viele andere mehr, die sich solidarisch mit der Gesellschaft zeigen, in dem sie ihre Freizeit investieren, um Wissen für deren Schutz zu erwerben und im Falle des Falles zur Hilfe eilen. Einrichtungen wie das Frauenhaus sind gestaltgewordene Solidarität der Gesellschaft mit Frauen in Notsituationen.

Waren wir in der Redaktion in Sachen Solidarität eher pessimistisch, zeigt doch der Rückblick auf die Wahlen zum Altmärker des Jahres und jetzt auf den Bürgerpreis des Altmarkkreises Salzwedel, dass es Menschen gibt, die Solidarität in unterschiedlichster Form leben. Sie kümmern sich um Obdachlose, betreuen geflüchtete Menschen, organisieren Treffpunkte und gesellige Veranstaltungen, um anderen Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen, engagieren sich für den Naturschutz, um unser aller Lebensgrundlage zu erhalten. Mitunter zeigen sich Menschen einem gemeinsamen Ziel gegenüber solidarisch, die sonst nicht viel gemeinsam haben, etwa wenn es um den Erhalt der Kirchen im Ort geht. Nicht zu vergessen die persönliche Form der Solidarität - die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger zu Hause.

Zuschriften sind willkommen

Schön, dass es diese Menschen gibt. Aber verlassen wir uns oft nicht zu sehr auf diesen mitunter überschaubaren Kreis von Engagierten, um uns bequem zurückzulehnen?

 

Solidarität - gibt es die noch? Welche Antworten haben Sie, liebe Leser, auf diese Frage? Schreiben Sie uns, per Mail an redaktion.salzwedel@volksstimme.de oder per Post an die Redaktion der Salzwedeler Volksstimme, Neuperverstraße 32, 29410 Salzwedel. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften.