Volksstimme-Serie "Mein Büro und ich" / Teil 9 Amtsgerichtsdirektor Klaus Hüttermann

Neuer Anstrich für historische Räume

Von Lion Grote

Jeder kennt es, und fast jeder hat eines - ein Büro. Mal unaufgeräumt, mal ordentlich, aber immer einzigartig und oft ganz persönlich. Die Volksstimme stellt in der Serie "Mein Büro und ich" in loser Folge Arbeitszimmer der Stadt vor.

Salzwedel l Dicke Wände, lange Flure - so sieht das 1509 als Altstädter Rathaus errichtete Amtsgerichtsgebäude von innen aus. Direktor Klaus Hüttermann hat seinem Büro bei der Amtsübernahme im Juli 2011 erstmal einen neuen Anstrich verpassen lassen. Auch wenn Hüttermann die ersten Monate in seinem neuen Amt nun hinter sich hat, der Prozess des Einlebens ist noch nicht ganz abgeschlossen. "Es gibt immer noch einiges zu entdecken und zu tun", erklärt er. Dazu gehört auch die Geschichte des Gebäudes. Mit dem Salzwedeler Glockenexperten Gerhard Ruff tauscht er sich beispielsweise über die Historie der ehemaligen Rathausglocken aus und auch das teilweise historische Mobiliar verrät einiges über die Vergangenheit. "Wir arbeiten fast in einem Museum", sagt Hüttermann. Doch an erster Stelle steht die Arbeit. Die, verrät er, sei allerdings nicht immer lustig. Gerade wenn es im Gerichtssaal um Vergewaltigungen, Körperverletzungen oder Totschlag geht. Und wenn der Arbeitstag mal wieder besonders lang wird, hört Klaus Hüttermann auch mal Musik zur Entspannung. Dafür hat er sich extra eine Musikanlage aufgebaut. Doch eigentlich versucht er, "so wenig Zeit wie möglich" in seinem Büro zu verbringen. Auch wenn das als Amtsgerichtsdirektor oft gar nicht einfach ist.

Sitzgruppe: "Tisch und Stühle kommen noch von meinem Vorgänger Andreas Wüstenhagen. Das sind die einzigen Möbel, die ich übernommen habe. An diesem Tisch machen wir Versammlungen und auch mit Schöffen ziehe ich mich hierhin zurück, wenn wir etwas mehr Zeit brauchen."

Gesetze: "Das sind die wichtigsten Bücher für mich als Strafrichter. Vor allem das Strafgesetzbuch und die Strafprozessordnung. Natürlich muss ich nicht alles auswendig wissen, aber wissen, wo es steht."

Bücher: "Das sind meine privaten Bücher. Eines von Gustav Radbruch, dem bekannten Rechtsphilosophen, eines über Juden in Salzwedel und ein Buch über die Geschichte der Gerichte in Sachsen-Anhalt. Gerade wenn man hier in der Region arbeitet und lebt, sollte man sich damit beschäftigen."

Alte Bücher: "Das Bürgerliche Gesetzbuch trat im Jahre 1900 in Kraft und ungefähr so alt sind auch diese Bücher. Natürlich arbeite ich mit denen nicht mehr, aber es sind tolle und interessante Ausstellungsstücke."

Kerze: "Die Kerze hat eine Kollegin vom Osterburger Amtsgericht gefertigt, anlässlich der Schließung des Gerichts am 31. Dezember 2007. Als letzter Direktor des Gerichts sollte ich die Kerze behalten und seitdem begleitet sie mich."

Musikanlage: "Gerade wenn ich bis spät abends arbeite, höre ich gerne mal etwas Musik. Am Tage gar nicht. Oft ist die Anlage aber nicht in Betrieb, muss ich gestehen."

Bild: "Das Bild ist eine Ansicht von Rostock, wo ich für neun Monate bei der Staatsanwaltschaft gearbeitet habe. Kollegen haben mir dieses Bild dann zum Abschied geschenkt. Eine schöne Zeit war das dort."

Mappen: "Das sind Strafakten, Prozessakten oder Bewährungen. Die brauche ich zum Beispiel um zu sehen, ob Auflagen erfüllt sind oder um Urteile zu schreiben. Der Einfachheit halber habe ich die Akten farblich sortiert."

Foto: "Das ist ein Foto, das ich selbst vor einiger Zeit während eines Urlaubes mit meiner Frau gemacht habe. Ich bin ja ein begeisterter Hobby-Fotograf und dieses Bild habe ich noch mit einer analogen Kamera gemacht. Dadurch ist es zwar nicht ganz scharf aber die Farben sind besonders schön."

Computer: "Ich bin über das Intranet mit allen Gerichten im Land verbunden. Außerdem habe ich Zugriff auf ein riesiges digitales Archiv, in dem ich Gesetzestexte, Urteile, Zeitungsartikel oder Kommentare suchen kann. Das ist eine große Hilfe für meine Arbeit."

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