Corona-Pandemie

Nicht genügend Personal für Intensivbetten auch in den Krankenhäusern der Altmark und der Region

Von Martin Höfig
Ein Arzt und zwei Pflegerinnen versorgen einen Patienten auf einer Intensivstation. Symbolfoto: dpa

Salzwedel/Altmark

In ganz Deutschland hat sich die Zahl der Corona-Intensivpatienten in den vergangenen vier Wochen um beinahe 1800 Menschen erhöht. Von 2721 Covid-19-Intensiv-Patienten am Startpunkt der so genannten dritten Welle auf über 4500.

Diese Zahlen gab die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in der vergangenen Woche bekannt. Und es werden täglich mehr schwerstkranke Patienten mit Covid-19, obwohl die Ärzte und Pflegekräfte in den Kliniken eigentlich dringend mal eine Pause bräuchten.

Das bestätigen auch die Kliniken in der Altmark und der Region. So sagt Ivonne Bolle, Pressesprecherin des Altmark-Klinikums: „Die Coronakrise hat die ohnehin schon schwierige Personalsituation weiter verschärft. Selbst Honorarpflegekräfte, die normalerweise nur unterstützend für einen gewissen Zeitraum tätig sein sollten, werden über die Maßen eingesetzt, um den klinischen Pflegeaufwand zu bewältigen.“   

Personelle Lage überall angespannt

So seien laut Bolle im Altmark-Klinikum von insgesamt 14 Betten der interdisziplinären Intensivstation Salzwedel aktuell elf Betten belegt. „Drei Betten sind aufgrund Personalmangels gesperrt“, fügt die Pressesprecherin hinzu. Und: „An unserem Standort in Gardelegen ist die maximale Kapazitätsgrenze von intensivpflichtigen Covid-Patienten zur stationären Behandlung im Intensiv-Bereich erreicht.“

Ähnlich sieht es auch im Ameos-Klinikum in Haldensleben aus. Dort beträgt die aktuelle Auslastung der Intensivbetten zurzeit knapp 90 Prozent, drei Patienten müssen aktuell beatmet werden. Insgesamt behandelt das Ameos-Klinikum Haldensleben zurzeit zehn Corona-Patienten.

Die personelle Lage bei den Pflegekräften ist in allen angefragten Kliniken äußerst angespannt. „Erschwerend kommt hinzu, dass auch vereinzelt Mitarbeiter nach häuslichen Kontakten in Quarantäne müssen und somit über längere Zeit ausfallen“, sagt Diana Scholz vom Diakonie-Krankenhaus in Seehausen.

Viele Patienten kommen zu spät ins Krankenhaus

Auch in der Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg sei der Krankenstand unter den Mitarbeitern hoch, teilt der dortige Klinikdirektor Achim Schütz mit. „Das liegt nicht nur an der Belastung durch die pandemische Lage, sondern auch an Quarantänevorschriften und daran, dass beispielsweise bei Erkältungssymptomen die Mitarbeiter vorsorglich zu Hause bleiben“, erläutert er.

Hinzu komme, dass nach wie vor viele Menschen zu spät ins Krankenhaus kämen. Das habe zur Folge, dass diese dann oft einen schwierigeren Krankheitsverlauf hätten, der wiederum eine intensivere medizinische Betreuung bedürfe, gibt Schütz zu bedenken. „Zudem sind immer wieder Kliniken coronabedingt gesperrt und wir müssen dann auch Patienten von außerhalb unserer Versorgungsregion aufnehmen“, fügt der Klinikdirektor hinzu.

Bald 6000 Corona-Intensiv-Patienten

Im Klinikum Wolfsburg, wo zurzeit 20 Corona-Patienten versorgt werden, prüfe man alle Möglichkeiten, um den Mitarbeitern die Arbeit unter den aktuell geltenden Rahmenbedingungen zu erleichtern, sagt dessen Pressesprecher Thorsten Eckert. „Um Mitarbeiter zu entlasten, die vermehrt auch in Covid-Bereichen im Dienst sind, versuchen wir beispielsweise, die Kollegen unter Berücksichtigung aller Vorgaben in einem rotierenden System und in verschiedenen Bereichen des Klinikums einzusetzen“, ergänzt Thorsten Eckert.

Und die Belastung wird weiter steigen. So prognostiziert der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, in einer Pressemitteilung der Vereinigung einen rasanten Anstieg von Covid-Fällen: „Das Bild wird sich in einer Woche deutlicher zeichnen“, blickt er voraus und erklärt weiter: „Denn dann wird die Zahl der COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen auf die 6000 zugehen – und das wird nur schwerlich aufzuhalten sein.“

Damit wären es Ende April mehr Patienten als auf der Spitze der zweiten Welle Ende Dezember/Anfang Januar. „Durch einen harten Lockdown hätten wir schon viel eher abbiegen und damit Leid und Tod verhindern können – aber wir verpassen durch politisches Zögern jede der möglichen Ausfahrten“, wird Karagiannidis in der Mitteilung zitiert.