Mehmke l „Wir hatten alles abgebaut und in unsere Werkstatt nach Kricheldorf gebracht“, blickt Orgelbaumeister Jörg Dutschke auf intensive Arbeitswochen zurück. Die Tonmechanik sei ebenso wie das Pfeifenwerk grundlegend überarbeitet worden. Einige der Holzpfeifen seien neu verleimt, die Pfeifenreihen ausgeglichen worden, zählt er auf. Schließlich sollen die 54 Töne sowohl in der Klangstärke als auch in ihrem Charakter gut erlebbar sein. „August Troch hat uns die Arbeit nicht ganz leicht gemacht. Er ist für enge Ventile bekannt, in denen der Ton regelrecht wegsackt“, beschreibt Jörg Dutschke. Auch dieser Fakt musste bei der Restaurierung mit bedacht werden.

Zudem sei die Klaviatur auseinandergenommen worden. Einige der sogenannten Führungsstifte seien verrostet gewesen und mussten erneuert werden. Die Pfeifen aus Metall seien ebenso genau unter die Lupe genommen worden.

Weiterhin natürliche Musik

„Wir haben keinen Synthesizer eingebaut. Das Instrument soll weiterhin natürliche Musik bieten“, sagt der Handwerker und ist gespannt auf das Urteil, das der Orgelsachverständige Christoph Noetzel fällen wird. Denn dieser besucht die Mehmker Kirche, um die überarbeitete Königin der Instrumente abzunehmen.

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Erst schaut er sich die Orgel genau von außen an. Dann gibt es den Blick hinter die Verkleidung auf den Blasebalg, der hochkant steht. Das sei schon etwas Besonderes, merkt Christoph Noetzel anerkennend an. Und nun kommt der Test: Der Orgelsachverständige spielt das Instrument. Er weiß noch genau, wie es zuvor ausgesehen hat: Knöpfe und Tasten waren kaputt, der Klang nicht angenehm für die Ohren.

Christoph Noetzel probiert die ganze Bandbreite der Töne aus. Kurze Pause. „Es spielt sich prima“, sagt er lobend zu Jörg Dutschke, der interessiert zuhört. „Hat auch ne Menge Arbeit gemacht“, entgegnet dieser und ist erleichtert. Auch der Test der Pedale ist erfolgreich. Diese seien oft etwas vernachlässigt, weiß Christoph Noetzel und fügt hinzu: „Im 19. Jahrhundert beispielsweise ist mit den Füßen nicht so virtuos gespielt worden wie es heutzutage oft zu hören ist.“

Wunsch-Choral gespielt

Peter Conzendorf, Vorsitzender des Mehmker Gemeindekirchenrates, darf sich zum Abschluss der Abnahme einen Choral wünschen: Der Orgelsachverständige spielt die bekannte Melodie „Ein feste Burg ist unser Gott“. Die Musik erfüllt die Kirche, lässt die Zuhörer innehalten.

Christoph Noetzel ist mit der Arbeit der Restauratoren sehr zu frieden. Die Orgel klinge jetzt wieder richtig gut. Der Klang sei ausgewogen. Dann schaltet er das Licht überm Spieltisch aus, stellt damit zugleich den Motor ab. Der Vorgänger musste während der Andachten extra ausgeschaltet werden, weil er so laut gewesen sei, erinnert sich Edeltraud Elmendorff vom Gemeindekirchenrat. Jetzt sei der Motor nicht mehr zu hören.

Viele Spender

Das überarbeitete Instrument wird mit Konzerten eingeweiht, blickt Peter Conzendorf voraus. Genaue Termine stehen noch nicht fest. Er hofft jedoch, dass Manuel Behre dann spielen wird. Der Mehm- ker hatte im Jahr 2014 das Restaurieren der Troch-Orgel angeregt. Doch bis das erforderliche Geld, knapp 40.000 Euro, zusammen war, hat es eine Weile gedauert. Die Kirchengemeinde sei allen Spendern sehr dankbar, die das Vorhaben finanziell unterstützt haben.

Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates blickt zufrieden auf die Pfeifen im neugotischen Prospekt: Jetzt haben sie eine Zinnschicht erhalten und glänzen. „Ich hoffe, dass viele Interessenten sich die Musik unserer Orgel anhören und den Klang genießen werden“, blickt er voraus.