Salzwedel l Ein Plakat hängt nun nicht im Salzwedeler Stadtgebiet. Die Stadtverwaltung bat darum. „Ich men- struiere auf das Patriarchat“, ist über dem Foto einer Barbie-Puppe zu lesen, die eine Unterhose mit rotem Fleck im Schritt trägt. Feminismus ist hier das Thema.

Nun hängen also nur – oder eher doch – fünf Motive auf vielen Plakaten an den Straßen in Salzwedel. Gestaltet wurden sie von den Jugendlichen Nike Winkler (16), Michelle Born (17), Helene Glembocki (16), Jannik Brunke (19) und Enayatullah Mohammadi (18). Die Plakate weisen auf den „Markt der Botschaften“ am Freitag, 6. September, ab 19 Uhr auf dem Hof der Kulturnische, Radestraße 1, hin. Dort präsentieren die Jugendlichen an mehreren Ständen ihre Gedanken zu teils brisanten Themen. Dort wollen sie mit Besuchern reden, diskutieren oder auch streiten. Am selben Abend wird dort auch das Kunstfestival "Wagen und Winnen" eröffnet. 

Von Diskriminierung selbst betroffen

Über das Modellprojekt „my_responsibility“ (meine Verantwortung, Anmerkung d. Red.) des Vereins Miteinander suchten die jungen Leute nach diesen Botschaften. Diese sollten ihnen so wichtig sein, dass „wir sie in die Welt tragen wollen“, betont der älteste im Bunde, Jannik Brunke.

Bilder

Seit einem Jahr werden die Teenager und jungen Erwachsenen aus dem Altmarkkreis von Cathleen Hoffmann und Jacob Beuchel zu Beratern für ein demokratisches und diskriminierungsfreies Lernumfeld ausgebildet. Die Schüler lernen derzeit an den Berufsbildenden Schulen oder an der Jeetzeschule, Jannik Brunke absolviert ein Freiwilliges ökologisches Jahr beim BUND. Bei einer Vielzahl an Seminaren haben die jungen Menschen, die Themen herausgesucht, die sie bei der Plakatkampagne in den Mittelpunkt stellen wollen, auch weil sie bereits selbst schon einmal diskriminiert wurden.

Lange diskutiert

Entschieden haben sie sich für Botschaften zu Feminismus, Nachhaltigkeit, Anti-Rassismus, Anti-Homophobie und Solidarität. „Es ist uns zum Beispiel wichtig, Menschen in Not zu unterstützen“, nennt Jannik Brunke das Thema Seenotrettung. Die schreckliche Szenen aus dem Mittelmeer berühren die Jugendlichen.

„Lieb doch, wen du willst“, lautet die Botschaft, die die Gruppe beim Thema Homophobie in die Welt tragen will. „Über vieles haben wir lange diskutiert“, berichtet Brunke, während sich die Gruppe gerade helfend einbringt. Der Hof der Kulturnische muss für das Ereignis noch aufgeräumt werden. Alle sind da und packen kräftig mit an.

Nachhaltigkeit ist dabei ein Thema. „Wir sind wie Fische, die den See leer saufen in dem sie schwimmen“, haben die Akteure auf das entsprechende Plakat drucken lassen. Fotograf Heinrich Herbrügger half aus künstlerischer Sicht bei der Gestaltung der farbenfrohen Hingucker.

Zu allen Botschaften möchten die Jugendlichen nun mit Interessenten ins Gespräch kommen. Zum „Markt der Botschaften“ ist jeder eingeladen, der mitdiskutieren möchte.