Behinderungen im Straßenverkehr

Start der Sternfahrt ist um 7 Uhr in Winterfeld im Altmarkkreis. Von dort aus geht es auf der Bundesstraße 71 in Richtung Gardelegen. Dort kommen gegen 8 Uhr weitere Teilnehmer dazu. Sammelpunkte sind in Berge und Ackendorf.

Weitergeht es durch das Gewerbegebiet nach Magdeburg.

Zwischen 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr treffen sich alle Teilnehmerzur Einfahrt nach Magdeburg. 13.30 Uhr wollen auf dem Domplatz ankommen.

Im Bereich Uelzen werden sich vermutlich mehr als 200 Landwirte mit Traktoren ab den Morgenstunden auf den Weg nach Uelzen begeben. Auf den Anfahrtsstrecken sowie im Stadtgebiet ist mit Behinderungen zu rechnen. Für die Nachmittagsstunden ist eine

Abschlusskundgebung mit symbolisch fünf Traktoren auf dem Herzogenplatz geplant.

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg wird es vormittags zwei zuerst getrennte Aktionen von Landwirten in den Städten Dannenberg und Lüchow geben. Nach Abschluss rollen die Traktoren aus Dannenberg nach Lüchow. Die Bauern wollen sich dort zur Abschlussveranstaltung gegen 12 Uhr auf einem Feld vor der Stadt treffen.

Vissum l Seit die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und ihre Kabinettskollegin Svenja Schulze (SPD) vom Umweltressort ihr Agrarpaket vorgestellt haben, brodelt es in der Bauernschaft. Und zwar an der Basis. In kürzester Zeit hat sich eine Bewegung verbreitet, in allen Regionen sichtbar an den grünen Kreuzen, die an Feldern stehen.

Mit dabei sind Familienbetriebe, genauso wie Agrargenossenschaften, Biolandwirte Winzer, Unternehmen mit und ohne Tierhaltung, berichtet Bernd Hartstock. Er organisiert gemeinsam mit Landwirtin Ulrike Marquart und Christian Schmidt, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Siedenlangenbeck und weiteren Mitstreitern die Protestaktion, an der sich heute (22. Oktober) zahlreiche Landwirte aus dem Altmarkkreis Salzwedel beteiligen wollen. Über die sozialen Netzwerke gingen zahlreiche Zusagen ein.

Kein Dialog

„Ursache ist, dass uns politische Vorgaben und gesellschaftliche Interessen ein Schrittmaß vorgeben, das wir nicht halten können“, sagt Hartstock. Das Agrarpaket sei mit wenig bis gar keinem Dialog mit dem Berufsstand geschnürt worden. Die Bauern stünden alle vor den gleichen Problemen. Deshalb habe sich ein zunächst stiller Protest gebildet, der nun in die Öffentlichkeit getragen werden soll.

Was die Landwirte am meisten aufregt, dass die Vorgaben aus ihrer Sicht zum Teil jeglicher wissenschaftlicher und fachlicher Grundlage entbehren. Ein Schlagwort dabei: Pestizide. Dahingehend habe die Polemik überhand gewonnen. Für die Bauern sind es Pflanzenschutzmittel, mit unterschiedlichen Wirkstoffen, die einen Befall der Pflanzen mit Pilzen, Schädlingen oder die Ausbreitung von Unkräutern verhindern. Wenn ein Mensch oder ein Tier krank sei, würden auch Medikamente verabreicht oder zur Vorsorge eingesetzt.

Nichts überstülpen

Ein weiterer Punkt: Die immer wieder angeprangerte Überdüngung der Böden und eine daraus resultierende Nitratbelastung des Grundwassers. Dies zu verallgemeinern und allein der Landwirtschaft anzulasten, sei der blanke Populismus, betonte Christian Schmidt. Die Auflagen der Düngeverordnung seien kaum noch zu bewältigen, hinzu komme eine überbordende Bürokratie. Kein Landwirt würde hinsichtlich Pflanzenschutz und Düngung einen höheren Aufwand betreiben, als erforderlich und wirtschaftlich. „Wir wollen, dass mit uns anständig umgegangen und uns nichts übergestülpt wird, ohne Alternativen aufzuzeigen“, betont Schmidt.

Das Mercosur-Handelsabkommen mit Südamerika schade der heimischen Landwirtschaft und dem Klimaschutz zugunsten der Auto- und Chemieindustrie und verursache ein wahres „Bauernopfer“. Das importierte Fleisch werde nicht annähernd nach deutschen Standards produziert. Mit Billigpreisen gefährde es die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region.

Darüber und über weitere Ansichten, die sich in der Gesellschaft über die Landwirtschaft verbreitet haben, wollen die Landwirte in einen offenen Diskurs treten, „der ehrlich geführt wird“. Die Bauern wollten ihren Beitrag leisten, denn es gehe um die Zukunft der Branche und den Berufsnachwuchs. Angesichts der aktuellen Situation, sei zu befürchten, dass sich immer weniger junge Leute für die Landwirtschaft entscheiden.

Verkehrte Richtung

Momentan gehe es für den Berufsstand allerdings in die verkehrte Richtung. Bernd Hartstock nannte ein Beispiel: Wenn je verkauftem Brötchen statt bisher ein Cent zwei Cent bei den Landwirten ankämen, bräuchten sie keine Beihilfezahlungen von der EU mehr. Wenn sich nichts ändere „wird es die Landwirtschaft, so wie wir sie jetzt kennen nicht geben“, mahnt Ulrike Marquardt.