Digitalisierung des Unterrichts in Salzwedel

Salzwedel: Zukunft digitales Klassenzimmer

Mit der Pandemie ist die digitale Arbeit in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Während Eltern im Homeoffice arbeiteten, mussten Schüler ihre Hausaufgaben digital abarbeiten. Aber wie sind weiterführende Schulen in Salzwedel auf einen möglichen nächsten Lockdown vorbereitet? Und wie sieht es mit Blick auf die digitale Zukunft in den Bildungseinrichtungen aus?

Von Alexander Rekow
Wenn die Corona-Pandemie eines aufzeigte, dann die Wichtigkeit von digitalen Kenntnissen für Schüler wie Lehrer. Voraussetzung für den Unterricht ist eine entsprechende Technik in den Schulen. So wie diese Tafel, denn die alten grünen, wie viele sie kennen, haben allmählich ausgedient. Doch noch immer hinken Schulen der Zukunft hinterher.
Wenn die Corona-Pandemie eines aufzeigte, dann die Wichtigkeit von digitalen Kenntnissen für Schüler wie Lehrer. Voraussetzung für den Unterricht ist eine entsprechende Technik in den Schulen. So wie diese Tafel, denn die alten grünen, wie viele sie kennen, haben allmählich ausgedient. Doch noch immer hinken Schulen der Zukunft hinterher. Foto: dpa

Salzwedel - Die Tafel hat ausgedient. Nicht generell, sondern in der Form, wie sie die meisten Erwachsenen in Erinnerung haben. Denn heute muss eine Tafel mehr können. Nicht ohne Grund setzen Schulen bundesweit vermehrt auf die digitale Variante. Sie ist Schiefertafel, Whiteboard, Flipshart und Leinwand in einem. Und im besten Fall landen die Daten, die ein Lehrer auf der digitalen Tafel visualisiert, zeitgleich auf Laptops oder Tablets der Schüler. Und ist noch eine Kamera auf die Lehrkraft gerichtet, könnte der Unterricht an jedem Ort der Welt verfolgt werden. Einige Schulen in Deutschland sind schon so weit. Andere haben noch immer einzig die alten Kreidetafeln. Doch wie sieht es in Salzwedel aus?

Sehr gut ausgestattet sieht sich beispielsweise die Lessing-Ganztags-Gemeinschaftsschule um ihre Schulleiterin Heike Herrmann. „Mit dem Ist-Zustand bin ich zufrieden.“ Und dieser heißt in Zahlen: 30 Tablets, 30 Laptops, 45 Laptops zum Leihen, zwei Computerkabinette mit 46 Rechnern, in jedem Klassenraum feste Computer und fünf große Bildschirme als Projektoren. Dazu: sechs der besagten digitalen Tafeln. Mit dieser Ausstattung dürfte die Lessing-Schule im Altmarkkreis tatsächlich zu den sehr gut ausgestatten Schulen zählen.

Wir müssen es aber noch mehr nutzen.

„Wir müssen es aber noch mehr nutzen“, gesteht die Schulleiterin. Für Kurssysteme, für selbstorientiertes Lernen. „Nur Laptop heißt noch nicht schlau.“ Daher werde derzeit über Wege und Formen nachgedacht, die digitale Arbeit stärker in das Unterrichtsgeschehen einzubinden. „Wir sind dabei, die Strukturen zu verbessern“, so Herrmann, „und das Projektlernen zu evaluieren.“ Dass sich die Schule dahingehend weiterbilde, sei aus ihrer Sicht unabdingbar. „Der nächste Lockdown kommt bestimmt.“ Deshalb bereite sie ihr Kollegium darauf vor. „Wir waren betroffen“, so Herrmann, die Coronafälle im Kollegium hatte. Allein das sei Motivation genug, sich digital besser aufzustellen.

Das technische Problem sei weniger die Schule, sondern vielmehr die unzureichende Bandbreite in der Region, erzählt Ralf Hoppstock, Leiter des Jahngymnasiums. „Einige Schüler sind schlichtweg rausgeflogen.“ Gemeint ist das Internet während Konferenzen mit den Lehrern.

Während der Lockdowns habe Salzwedels Gymnasium alle Konferenzen digital abgehalten. Die genutzten Plattformen hätten funktioniert. Nur eben nicht immer die Leitung.

Unterdessen werde seine Schule gerade verkabelt, so Hoppstock mit Blick auf die digitale Ausstattung. „Wir haben vier digitale Tafeln und vier weitere kommen hinzu.“

Wir leben im digitalen Jahrhundert und sollten die Kinder auf die Zukunft und nicht die Vergangenheit vorbereiten.

Doris Beneke, ComeniusschuleDahingehend spielte dem Jahngymnasium auch das Glück in die Hände. „Wir haben über die Volksbank Uelzen-Salzwedel 10 000 Euro bekommen“, verrät eine Kollegin. Die Schule habe sich noch vor Weihnachten um ein digitales Klassenzimmer beworben – und im Ergebnis gewonnen.

Laptops halte die Schule für benachteiligte Schüler bereit, erklärt Ralf Hoppstock weiter. Mehr als 50 seien es. Doch die Technik könne den Präsenzunterricht nicht ersetzen, so der Schulleiter aus Erfahrung. Wenn sich eine Mathematikaufgabe nicht erschließe, helfe die Technik wenig. Es brauche die Erklärung einer Lehrkraft oder mal den Tipp eines Mitschülers. Sei die Technik vorhanden, müssen Schüler auch gewillt seien, diese für die Bearbeitung der Aufgaben oder Konferenzen zu nutzen. Und letztere seien schlussendlich mit jedem Smartphone zu bewerkstelligen. „Davon hat jeder Schüler mindestens eines“, sagt der Schulleiter. Sein Fazit fällt ähnlich dem von Heike Herrmann aus: Die Schule sei technisch auf einem guten Weg, wenngleich es ausbaufähig sei.

Die Lessing-Gemeinschaftsschule sieht sich bei der technischen Ausstattung gut aufgestellt. Das ist nicht überall so.
Die Lessing-Gemeinschaftsschule sieht sich bei der technischen Ausstattung gut aufgestellt. Das ist nicht überall so.
Foto: dpa

Ausbaufähig scheint die Technik vor allem an der Comeniusschule. Dort gebe es nur eine digitale Tafel und die sei zudem noch veraltet, so Schulleiterin Doris Beneke. Eine Tafel mit Touchscreen sei der Schule aber in Aussicht gestellt worden. „Wir leben im digitalen Jahrhundert und sollen die Kinder auf die Zukunft und nicht die Vergangenheit vorbereiten“, mahnt sie. Denn unterschiedliche Ausstattungen würden unterschiedliche Chancen im Leben bedeuten.

Ihre Lehrer würden in den Sommerferien für digitale Modelle weitergebildet, erklärt Beneke. Gleiches gelte für die Schüler. Dabei gehe es auch um so banale Dinge wie Dateien hoch- oder runterzuladen. „Wir sind kein Gymnasium und müssen es unseren Schülern erklären.“

Das digitale Klassenzimmer gibt es also auch in Salzwedel, wenngleich nur selten. In Zukunft wird es ohne wohl kaum noch funktionieren. Die Zeit läuft ...