Salzwedel/Liesten l „Privatgrundstück Betreten verboten“, heißt es auf einem Schild am Eingang zum Liestener Waldbad. Das gilt auch für die Mitglieder des Fördervereins, also jene Ehrenamtlichen, die nicht nur viel Zeit und Arbeit in die Freizeiteinrichtung investiert haben, sondern auch Kreativität und Einsatz zeigten, als es darum ging, das Bad vor dem Aus zu bewahren.

Zutritt zum Waldbad verwehrt

„Ich habe mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen müssen, dass dem Förderverein der Zutritt zum Waldbad verwehrt wird“, sagte CDU-Stadtratsmitglied Peter Fernitz am Mittwochabend im Punkt „Anfragen und Anregungen“ der Stadtratssitzung. Der Vereinsvorstand möchte auf eigene Kosten ein Gutachten in Auftrag geben, das ermittelt, wie hoch der Aufwand ist, um das Bad wieder für die Bevölkerung nutzbar zu machen, wusste er. Diese Chance sollte dem Verein gegeben werden, ehe über die Zukunft des Freibades entschieden wird, forderte Fernitz. Er stellte einen Antrag, dass die Vereinsmitglieder das Gelände betreten dürfen und auch der Gutachter sich den Zustand ansehen und beurteilen darf.

Bürgermeisterin Sabine Blümel entgegnete, dass für den 21. August ein Termin mit dem Waldbadverein anberaumt ist. „Dann können wir mit allen über alles reden“, sagte Blümel. Sie wolle mit der „neuen Zusammensetzung“ des Stadtrates das Thema angehen, betonte sie.

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Daraufhin schaltete sich Norbert Hundt (SPD) in die Diskussion ein. „Das verstehe ich nicht“, sagte er. Wenn der Verein ein Angebot unterbreite, auf eigene Kosten zu ermitteln, wie die Betriebserlaubnis für das Bad wieder zu erlangen ist und dazu Zahlen auf den Tisch kommen, sollten ihm keine Steine in den Weg gelegt werden. „Sie müssen der Verwaltung schon gestatten, dass sie ihre Hausaufgaben macht, das braucht Zeit“, wehrte sich die Bürgermeisterin. Abgemacht sei der Termin, dann könne besprochen werden, „was der Verein möchte und leisten kann“, sagte Blümel.

Keinerlei Verpflichtung

Damit wollte sich Arne Beckmann (Salzwedel Land) nicht abspeisen lassen. „Es vergibt sich doch niemand etwas“, warf er ein. Das sah auch Peter Fernitz so. „Wir verplempern so bloß Zeit“, befand er. Er könne nicht nachvollziehen, warum sich die Stadt dagegen sperre, obwohl sie keinerlei Verpflichtungen eingehe. Blümel warf ihm daraufhin vor, den zweiten Schritt vor dem erstem zu gehen. „Ich habe zweimal 80.000 Euro ausgegeben und zweimal musste das Bad wieder geschlossen werden“, begründete sie ihre Gegenwehr. Jetzt müsse die Stadt ermitteln, was zu bauen ist und wie es betrieben werden kann. Das wollten Fernitz und Hundt nicht auf sich beruhen lassen. Schließlich kam Blümel der Bitte des CDU-Stadtrates nach, das Gutachten vom Verein in Auftrag geben zu lassen.

Bausachverständiger

Liestens Ortsbürgermeister und Vorstandsmitglied im Förderverein, Ulrich Keitel, ist von der ganzen Situation nur noch genervt. „Wir machen das hier alles ehrenamtlich“, betonte er auf Anfrage der Volksstimme. Der Verein habe kaum eine andere Chance zu beweisen, dass die Sanierung keine 1,7 Millionen Euro kosten muss, wie von der Verwaltung veranschlagt. Deshalb wollen die Vereinsmitglieder einen Bausachverständigen beauftragen, den Finanzbedarf zu ermitteln. „Wir werden uns demnächst zusammensetzen und beratschlagen, wie es weitergeht“, sagte Ulrich Keitel.