Salzwedel l Einen Umschlag mit Geld für Flüchtlinge abgeben, das kann jeder. Doch ist es nicht wertvoller, selbst etwas anzubieten und mit den Bewohnern einer Unterkunft ins Gespräch zu kommen? Diese Idee hatten Cara Lena Slotta und Lea Bunge. Die Zehntklässlerinnen aus dem Salzwedeler Jahngymnasium dachten sofort an Flüchtlinge, als es darum ging, wem das Geld aus dem diesjährigen Schokoapfel-Basar (wir berichteten) zugutekommen soll.

„Ich habe in der Kreisverwaltung nachgefragt, ob wir einen Kindertag anbieten können. Die Behörden haben den Vorschlag gut angenommen“, erzählte Cara Lena Slotta. Die Mitschüler hätten unterschiedlich auf die Idee reagiert. „Wer nicht mit helfen wollte, der ist nicht mit einbezogen worden“, fügte sie hinzu. Am Sonnabend waren elf Jahngymnasiasten im Flüchtlingsheim im Einsatz. Lehrer Stefan Hübner freute sich über das Engagement. Vom Erlös des Schokoapfel-Verkaufs seien Fußbälle, Hüpfbälle, Fingermalfarben, Tapeten und mehr gekauft worden. Und auch die Zutaten, um weitere Schokoäpfel herzustellen. „Die Schüler geben den Flüchtlingen etwas, was kostbarer ist als Geld: ihre Zeit“, lobte er. Um die Organisation hätten sich Cara Lena Slotta und Lea Bunge ganz allein gekümmert. „Sie haben mir nur gesagt, wann ich wo zu sein habe und was ich mitbringen solle“, fügte er mit einem Lachen hinzu.

18 Kinder hauptsächlich aus Syrien und Albanien würden derzeit an der Fabrikstraße leben, sagte Jenny Albrecht von der Ausländerbehörde des Altmarkkreises Salzwedel. Auch die Flüchtlingskinder aus der Käthe-Kollwitz-Turnhalle durften an der Schüleridee teilhaben. Da wurde im Hof gebolzt, Ball gespielt. Es entstanden tolle Bilder mit Fingermalfarbe. Und auch das Vorlesen kam nicht zu kurz. Eines der Kinder kenne jetzt sogar das Wort Schneemann, freuten sich die Jahngymnasiasten.

Bilder

„Ich interessiere mich sehr dafür, wie es den Kindern geht und was sie erlebt haben“, schilderte Theresa Hack. Allerdings sei da die Sprachbarriere, die mit Händen und Füßen jedoch zu überwinden sei. Lucas Brückner erfreute sich an den fröhlichen Gesichtern der Kinder und ihrer Eltern. „Wenn jemand flüchten musste, dann ist es wichtig, wenn man liebevoll aufgenommen wird und Hilfe erhält“, sagte der Zehntklässler, der Grundschullehrer werden will.

Cara Lena Slotta schilderte, dass sie mit dieser Veranstaltung die Berührungsängste verloren habe. Die „total fröhlichen Menschen“ hätten mit dafür gesorgt, dass die Zeit wie im Flug vergangen sei.

„Ich denke, ich werde auch künftig helfen“, überlegte sie laut. Weitere Jahngymnasiasten würden ehrenamtlich mit den Bewohnern der Kollwitz-Turnhalle spielen, hat Stefan Hübner bei einem Besuch erfreut registriert.