Salzwedel l Ortstermin am Dienstagabend in der Jenny-Marx-Schule. Mitglieder von SPD und Für Salzwedel schauen sich die Räume der Einrichtung an. Die Fraktionsmitglieder sind voll des Lobes über Ausstattung und Klassenzimmer.

Schule "rappelvoll"

Der Hintergrund des Besuchs ist allerdings ein anderer: „Die Jenny-Grundschule ist rappelvoll“, wie es Hauptamtsleiter Matthias Holz ausdrückt. „Wir haben aktuell zehn Klassen, insgesamt 200 Kinder“, erklärt Leiterin Annegret Klupsch während des Rundgangs. Ausgelegt ist die Grundschule aber nur auf acht Klassen.

Die Folge: Die Kinder der 2a lernen seit Beginn des Schuljahres in einem Raum im Obergeschoss, der zwar als Unterrichtsraum eingerichtet ist, aber nicht die rechtlich geforderten Brandschutzauflagen erfüllt. Im Fall eines Feuers gibt es von hier aus nur einen Fluchtweg über die Haupttreppe nach unten. Vorgeschrieben sind aber zwei.

Entscheidung im Herbst

Für den Moment darf das so sein, sagt Matthias Holz dazu. „Wir sind nicht zu sofortigem Handeln gezwungen.“ Die Feuerwehr habe sich die Situation angeschaut und erklärt, im Notfall könnten Schüler über die Drehleiter von außen gerettet werden. Theoretisch möglich wäre der Anbau eines zweiten Fluchtweges ans Dachgeschoss, sagt Holz. Doch dafür fehlt das Geld, und fünf Jahre warten werde die für den Brandschutz zuständige Behörde auch nicht.

Die Lösung: Die Verwaltung schlägt eine Änderung der Einzugsbereiche vor. Ab dem Schuljahr 2017/18 könnten Kinder aus den Dörfern um Salzwedel statt zur Jenny-Marx-Grundschule zur wesentlich größeren Lessing-Grundschule fahren, die mit 230 Schülern noch unterhalb der Kapazitätsgrenze arbeitet. Die so entlastete Jenny-Schule könnte ihrerseits Straßenzüge von der Perver-Grundschule übernehmen, die mit rund 190 Schülern ebenfalls die Kapazitätsgrenze erreicht hat. Infrage kommen mit der Holzmarktstraße oder der Straße An der Lorenzkirche Quartiere, die ohnehin näher an der Jenny-Marx-Grundschule liegen. Damit könnten auch Elternwünsche berücksichtigt werden.

Die Mitglieder von SPD und Für Salzwedel kommen am Dienstagabend trotz des Ortstermins zu keiner abschließenden Bewertung. In den nächsten Wochen wollen sie sich auch die Perver- und die Lessing-Grundschule anschauen, sagt Norbert Hundt hinterher. Spätestens im Herbst sollte die Politik aber zu einem Standpunkt gekommen sein. Dann will die Stadt über ihre Vorschläge entscheiden lassen.