Salzwedel l Wenn im Land Sachsen-Anhalt und im Altmarkkreis Salzwedel über die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit gesprochen wird, bleibt eine Schulform meist außen vor – das Gymnasium. Auch in der aktuellen Förderperiode durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) trägt das Programm zu Sicherung der Schulsozialarbeit den Titel „Schulerfolg gemeinsam sichern“.

Und genau bei dieser Zielstellung fallen die Gymnasien in Gardelegen, Beetzendorf und Salzwedel fast automatisch hinten herunter. Denn an den Gymnasien ist die Chance geringer als an anderen Schulen, dass ein Schüler keinen Abschluss erreicht. Somit ist ein vorderer Platz in der Prioritätenliste utopisch.

Ansprechparter von außen

So war zum Beispiel der Antrag mit ausgearbeiteter Konzeption des Gymnasiums in Beetzendorf nicht von Erfolg gekrönt, berichtet dessen Leiter Hartmut Palutke. Alle drei Gymnasien im Kreis kommen also nicht in den Genuss von Schulsozialarbeit. Doch auch dort wird sie im Schulalltag benötigt, bestätigen Mitarbeiter der Netzwerkstelle Schulsozialarbeit und die Schulleiter gegenüber der Volksstimme.

„Der Fokus des Programms liegt an erster Stelle auf der Erreichung eines Schulabschlusses“, erklärt Doreen Schulz, Koordinatorin in der Netzwerkstelle, angesiedelt beim Verein zur Förderung der Bildung (VFB) in Salzwedel. Das weiß auch Ralf Hoppstock, Leiter des Salzwedeler Jahngymnasium, bei dem jüngst Elternvertreter vorsprachen und wissen wollten, warum die Schule keine Schulsozialarbeiter hat. Auf einer Elternversammlung erläuterten Mitarbeiter des VFB sowie der Schulleiter, warum das Gymnasium nicht dabei ist. „Den Eltern ist klar geworden, dass das Problem dabei nicht an der Schule liegt“, berichtet Hoppstock im Nachgang.

Bedarf auch da

Doch auch an Gymnasien gibt es einen Bedarf an der sozialen Hilfestellung. „Von Problemen möchte ich da eher ungern sprechen“, meint Doreen Schulz, denn genau damit werde die Arbeit der Schulsozialarbeiter negativ besetzt. Sie sieht deren Einsatz eher als Möglichkeit, um zum Beispiel das Schulklima zu verbessern. Ihre Kollegin von der Netzwerkstelle am Standort Gardelegen, Annemarie Schmidt, beschreibt es so: „Schulsozialarbeit öffnet die Tür der Schule nach außen.“

Genau das wünscht sich auch Ralf Hoppstock. Er sieht es als großen Vorteil, wenn Schüler einen Ansprechpartner haben, der außerhalb des Schulbetriebs steht. „Da kann es um einen simplen Streit unter Schülern gehen, an deren Ende sich Schüler sorgen, damit zu einem Lehrer zu gehen. Und das aus der meist unbegründeten Sorge, dass der Lehrer dies mit Leistungen im Unterricht verknüpfen könnte.“ Da wäre eine Ansprechpartner von außerhalb ein Idealfall. „Ich sehe daher keinen Grund, warum unsere Schüler mit diesen Problemen allein gelassen werden“, fügt Hoppstock an.

Ausweitung gefordert

Thomas Koberstein, Geschäftsführer beim VFB, sieht auch „einen enormen Leistungsdruck“ bei Gymnasiasten. „Das führt auch zu kaputten Schulbiographien“, sieht er weitere Ansatzpunkte, die Schulsozialarbeit auch an Gymnasien nötig machen würden. Dazu kämen ähnliche Problemlagen wie an anderen Schulformen wie Mobbing und Süchte aber zum Beispiel auch Hochbegabung.

„Der Bedarf besteht“, betont auch Steffi Ros, Leiterin des Scholl-Gymnasiums in Gardelegen. Sie erklärt, dass viele Aufgaben für die Lehrer neben dem Unterricht nur schwer leistbar seien. Hartmut Palutke hegt ebenfalls die Hoffnung, dass es zu einer Weiterführung von Schulsozialarbeit in den bestehenden Strukturen mit einer Ausweitung auf Gymnasien kommt. Doch eine klare Aussage, wie es nach Ende der Förderperiode 2020 weiter geht, gibt es bislang noch nicht.

Ende des vergangenen Jahres kündigte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) an, ein Konzept für die Weiterführung in 2019 vorzulegen. Für die jetzt beschäftigten Schulsozialarbeiter ein dringend benötigter Blick in ihre berufliche Zukunft. „Schulsozialarbeit muss Pflichtaufgabe werden“, betont Thomas Koberstein. Bei Willensbekundungen dürfe es nicht bleiben, mahnt der VFB-Geschäftsführer, der auch um seine Mitarbeiter bangt. „Das sind jahrelang erprobte Fachleute“, betont er.