Körperverletzung

„Sie sind ein Schlägertyp“

Ein Mann musste sich vor dem Amtsgericht Salzwedel wegen Körperverletzung Beleidigung verantworten.

Von Marco Heide

Salzwedel l Elf Vorstrafen weist das Register des 34-jährigen Salzwedelers Marcus K. (Name geändert) auf. Ein Großteil sind Gewaltdelikte. Kaum vier Wochen nach seiner letzten Verurteilung im Oktober 2015, krachte es erneut.

Am frühen Morgen des 3. November soll er eine Nachbarin angespuckt, beleidigt und geschlagen haben. Während der Verhandlung Am Mittwoch vor dem Salzwedeler Amtsgericht, räumte Marcus K. zu Beginn die Vorwürfe teilweise ein. Die Beleidigungen und das Spucken treffe zu, ließ Angeklagte über seinen Verteidiger mitteilen. Zum Schlag habe sein Mandant aber nicht ausgeholt.

Der 34-Jährige schilderte die Situation, die sich kurz nach Mitternacht in einem Mehrfamilienhaus in Salzwedel abgespielt haben soll, wie folgt. Gemeinsam mit seiner Verlobten sei er in der Wohnung eines Freundes gewesen. Dort nahm er ein Bad, rutschte beim Verlassen der Wanne aus und krachte in ein Regal. Das soll der Auslöser dafür gewesen sein, dass sich die Geschädigte, die die Nachbarin des Freundes von Marcus K. ist, sich über den Lärm beschwerte. Die Folge war ein Streit, in dessen Zuge der 34-Jährige die Frau bespuckte. Kurze Zeit nach dem Vorfall klingelte der Angeklagte zwei Mal bei der Geschädigten und beleidigte sie. Aber: Die Hand habe er nicht erhoben, wie er immer wieder betonte.

Die Verlobte des Angeklagten, die den Streit durch den Türspion beobachtet haben will, bestätigte die Version ihres Freundes.

Das Opfer schilderte die Ereignisse anders. „Wir konnten nicht schlafen, weil es laut war. Das kam schon öfter vor“, erklärt die 39-Jährige. Da sje früh zur Arbeit müsse und ein kleines Kind bei ihr in der Wohnung lebt, habe sie ihren Nachbarn per Handy kontaktiert und nachgefragt, was los sei. Da der Nachbar nicht in der Wohnung gewesen sei, habe sie geklingelt. Die Freundin des Angeklagten habe ihr geöffnet. „Sie machte einen verpeilten Eindruck. Ich habe sie gebeten, die Musik leiser zu drehen. Ich war richtig sauer“, sagte die 39-Jährige aus.

Kurz nach dieser Aktion, soll Marcus K. die Wohnungstür der Geschädigten aufgetreten und ihr ins Gesicht gespuckt haben, woraufhin sie ihn auf den Flur zurückgeschubst habe. Als dort das automatische Licht erlosch, verspürte das Opfer nach eigenen Angaben den Schlag im Gesicht und stürzte mit den Knien auf die Treppe.

Die Polizisten, die von der 39-Jährigen, gerufen wurden, dokumentierten eine gerötete linke Gesichtshälfte und Abschürfungen an den Knien. Auch ein Arzt im Salzwedeler Krankenhaus dokumentierte derartige Verletzungen, allerdings auf der rechten Gesichtshälfte.

Trotzdessen, dass die einzige belastende Aussage vom Opfer kam und Marcus K. von seiner Partnerin entlastet wurde, ging die Staatsanwaltschaft von der Schuld des Angeklagten aus und beantragte für die Körperverletzung in Tateinheit mit tätlicher Beleidigung und Beleidigung eine Freiheitsstrafe von vier Monaten ohne Bewährung. „Sie sind in meinen Augen ein Schlägertyp“, erklärte der Staatsanwalt während seines Plädoyers und fügte hinzu: „Ein kurzer Freiheitsentzug wäre für Sie die beste Möglichkeit, um einmal über Ihr Handeln nachzudenken.“

Während der Urteilsverkündung sagte Strafrichter Klaus Hüttermann deutlich: „Ich glaube dem Opfer, dass es so im Treppenhaus abgelaufen ist, kann es aber nicht beweisen.“ Für die Beleidigung sowie die tätliche Beleidigung, die Marcus K. gestanden hatte, verurteilte ihn Amtsgerichtsdirektor Klaus Hüttermann zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu je 10 Euro.