Kinderbetreuung

Sorge um einzigen Hort in Salzwedel für Kinder mit Handicap

Das Diakonische Werk Altmark West übernimmt den integrativen Hort von der Freien Schule Altmark. Eltern sorgen sich um die Betreuung.

Eltern von Kindern mit Handicap sorgen sich um den einzigen integrativen Hort in Salzwedel.
Eltern von Kindern mit Handicap sorgen sich um den einzigen integrativen Hort in Salzwedel. Symbolfoto: dpa

Von Antje MewesSalzwedel - Die Eltern der Kinder, die den integrativen Hort der Freien Schule Altmark besuchen, sind verunsichert. Sie haben vor wenigen Tagen einen Brief erhalten, in dem ihnen die Hortplätze gekündigt werden. „Wir fielen aus allen Wolken“, erklärt ein Elternteil in einem Schreiben an die Volksstimme. Zumal es der einzige Hort für Kinder mit Förderbedarf im Gebiet der Einheitsgemeinde ist. Betroffen sind sieben Jungen und Mädchen.

Erst vor einem Jahr sei es nach intensiven Bemühungen gelungen, einen Hort einzurichten, der Kinder mit Handicap betreuen kann. „Eine große Erleichterung für Eltern, nicht nur, wenn sie berufstätig sind“, betont der Vater eines Jungen, der den Hort besucht. Der Trägerverein der Freien Schule hat seinen Sitz in Depekolk, die Betreuung erfolgt in den Räumen der Schule unterm Regenbogen in Salzwedel, in die auch sein Sohn geht.

Nur vage Informationen

Außer dem Kündigungsschreiben hätten die Eltern nur vage Informationen erhalten und fragen sich nun: „Wie wird die Betreuung während der Sommerferien aussehen?“ Gerüchte gingen dahin, dass der Hort in Zukunft in anderen Räumen sein solle. „Heißt das, dass wir unsere Kinder dann von der Schule dorthin bringen müssen?“, fragt sich der Vater besorgt.

Petra Stoppel von der Freien Schule Altmark kann die Sorgen der Eltern verstehen, weist aber darauf hin, dass das Thema seit längerem bekannt ist. Bereits im November hatte die Schulleitung mitgeteilt, dass es in Sachsen-Anhalt nicht vorgesehen sei, Plätze in Horten ausschließlich mit beeinträchtigten Kindern zu belegen. Dafür gebe es keine gesetzliche Grundlage. „Daher kann unser Hort auf Dauer, so wie er zur Zeit läuft, nicht finanziert werden“, heißt es in dem Brief an die Eltern. Gespräche mit dem Jugendamt und die daraus folgenden Vereinbarungen hätten ergeben, dass der Hort bis zur Sommerschließzeit in den Händen des Trägerverein Freie Schule bleibt und ab September das Diakonische Werk Altmark West übernimmt.

Inklusion umsetzen

Hintergrund ist unter anderem, dass auch in Horten die Inklusion umgesetzt werden soll, was heißt, dass behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut werden. Wenn ein Kind Förderbedarf hat, müssten die Eltern für dessen Finanzierung Anträge stellen, damit entsprechendes Personal eingestellt werden kann. Bislang war der Kreis eingesprungen. „Eine Finanzierung des Hortes war abgesichert“, erklärt Pressesprecherin Inka Ludwig. Der Kreis habe die zusätzlichen Kosten, die bei der Betreuung von Kindern mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung anfallen und nicht über das Kinderförderungsgesetz gedeckt waren, übernommen.

Ein Konzept, das nur für den Übergang gedacht war, sowohl aus pädagogischer als auch finanzieller Sicht, sagt Petra Stoppel. Es seien Immobilien gesucht worden, um einen integrativen Hort einzurichten. „Als kleiner Verein sehen wird uns außerstande, so ein Projekt umzusetzen “, so Stoppel. Die Diakonie sei dahingehend bereits gut aufgestellt. Momentan werde das Erteilen einer Betriebserlaubnis vorbereitet.

Die Geschäftsführerin der Diakonie, Barbara Quast, ist optimistisch, dass es bis September gelingt, das offizielle Okay für einen inklusiven Hort mit verschiedenen gemischten Gruppen zu bekommen. Dann wolle sie über die Einzelheiten informieren. Eltern könnten sich aber bereits jetzt an sie wenden. Die Einrichtung wird nicht an der Regenbogenschule sein, erklärt sie. Es werde aber ein Transport der Kinder ermöglicht.