Altmarkkreis l Montag 10 Uhr in Altmarkkreis: Während in Klötze an der LTG-Tankstelle der Liter Super-Benzin für 1,29 Euro zu haben ist, verlangt die Aral in Salzwedel 1,38 Euro – um eine Minute später nochmals um sieben Cent zu erhöhen. An der Gardelegener Aral-Tankstelle gilt zwar um 10 Uhr der gleiche Preis, wie bei Aral in Salzwedel. Eine Preiserhöhung, kurz nach 10 Uhr, passiert allerdings dort nicht.

Wer in Arendsee zur selben Zeit an der VR Plus Tankstelle zur Super-Pistole greift, zahlt ebenfalls 1,29 Euro, ebenso in Gardelegen an der Sprint-Tankstelle.

Ein Cent bleibt an der Tankstelle

Doch wie kommen die unterschiedlichen Preise eigentlich zustande? „Darüber schweigen sich die Mineralölgesellschaften aus“, sagt Herbert Rabl vom Verein Tankstellen-Interessenverband: „Offiziell wissen wir nur, dass unsere Mitglieder im Schnitt einen Cent je verkauftem Liter als Provision erhalten, gleichgültig wie hoch der Spritpreis ist.“

Hinzu kommen Mehrwertsteuer und Mineralösteuer, die in Deutschland aktuell bei 47,04 Cent für Diesel und 65,55 Cent bei Benzin liegen. „Das bedeutet, dass der gesamte staatliche Anteil an den Kraftstoffen zum Beispiel bei 1,55 Euro für Benzin rund 90,7 Cent beträgt; bei einem fiktiven Dieselpreis von 1,36 Euro gehen 69,36 Cent an den Staat“, rechnet Rabl vor.

Warum schwanken die Preise?

Doch wie kommt es zu den teils starken Schwankungen in den Preisen? Man habe beim Tankstellen-Interessenverband die Vermutung, dass die Mineralölkonzerne ihre Technologiekompetenz ausnutzen und die Preise dort erhöhen, wo das Verkehrsaufkommen und damit die Nachfrage steige, sagt Rabl. Grundsätzlich seien die Spritpreise aber von den Preiskämpfen und Fördermengen am Erdölmarkt abhängig. „Die Preise können per Knopfdruck von den Zentralen auch in weit entfernten Tankstellen über das Kassensystem an den Tankstellen erhöht oder gesenkt werden, ohne dass die Pächter vor Ort das wissen.“

Das bestätigt auch Robert Seelig, Tankstellenpächter der Sprint in Gardelegen. Wenn sich seine Preise verändern, passiere das „immer vollautomatisch“. Erinnern kann sich Seelig aber auch noch ans „physical pricing“, sinngemäß übersetzt bedeutet das „körperliche Preisfestsetzung“. Damals sei man zum Beispiel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, um die Preise der Konkurrenz zu ermitteln, um dann darauf reagieren zu können.

Außerhalb der Stoßzeiten tanken

Zurück zu den Tankstellen im Altmarkkreis. Wenn die Preisunterschiede lediglich einige Centbeträge ausmachen, würde es lohnen, die Lage der Tankstellen zu betrachten. „Tankstellen einer Farbe, die man stützen will, weil Kunden fehlen, dürften eher die niedrigeren Preise haben und Tankstellen, die aufgrund ihrer Lage viel Aufkommen haben, eher höhere Preise“, so Rabl. Auch ein Vor-Ort-Preiskampf sei möglich. So könnte beispielsweise die Jet-Tankstelle in Salzwedel versuchen, Aral die Kunden abzujagen und deshalb die Preise senken.

Der Autofahrer selbst könne nur versuchen, außerhalb der Stoßzeiten zu tanken und so den niedrigeren Preis zu nutzen. „ADAC und Fachmedien meinen, ausgemacht zu haben, dass am frühen Abend zwischen 18 und 20 Uhr die Preise am günstigsten sind“, so Rabl. Dafür fehle dem Tankstellen-Interessenverband aber eine wissenschaftlich untermauerte Studie.

Umsatz in der Corona-Krise eingebrochen

Ein weiterer Knackpunkt an der Zapfsäule ist die Werbung für den deutlich teureren Premiumsprit bei großen Ketten, der durch Zusatz von Additiven die Laufleistung erhöhe, wie es heißt. Ob sich der teurere Kraftstoff unterm Stich bezahlt mache, liege aber auch an der Bewertung und den Neigungen der Verbraucher. „Richtig ist, dass mit Additiven versetzter Sprit etwas mehr Leistung bringt beziehungsweise den Motor schont und pflegt.“ Inwieweit diese Effekte den höheren Preis rechtfertigen, lasse sich betriebswirtschaftlich nicht exakt errechnen.

Übrigens: Seit Ausbruch der Corona-Pandemie wird deutlich weniger getankt, weil weniger gefahren wird. Rabl: „Der Einbruch lag im Spritgeschäft je nach Lage zwischen 30 und 60 Prozent.“ Der Umsatz habe zwar wieder angezogen, liege aber noch nicht auf Vorjahresniveau.