Diesdorf l In andere Rollen schlüpfen, das macht Jung und Alt Spaß. So ist es auch beim zweiten generationenübergreifenden Theaterprojekt in Diesdorf, das von der Volkssolidaritäts-Ortsgruppe initiiert wurde und an dem Hobbyschauspieler zwischen 11 und 70 Jahren mitmachen. Eine Förderung gibt es im Rahmen des Bundesprogrammes Demokratie leben durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.

Doch wie kommt man auf die Verbindung zwischen Afrika und der Altmark? Charlotte Knappstein, die die Projektidee hatte, verweist auf den nigerianischen Autor E. C. Osondu, der in seinem Buch viele Szenen beschrieben hat. „Wir haben gemeinsam überlegt, wie wir diese in Bezug zum Leben hier setzen können“, erklärt die Künstlerin, die auch Regie führt. Jeder habe etwas für die Ideenfindung beigetragen.

Sich Wissen angeeignet

Kirsten Körting beispielsweise hat sich intensiver mit den deutschen Kolonien in Afrika beschäftigt, mehr über Namibia herausbekommen. „Das Erarbeitete habe ich in unserer Runde vorgestellt, beispielsweise dass es Lüderitz nicht nur in der Altmark, sondern auch in Namibia gibt“, beschreibt sie.

In Afrika gebe es andere Rituale, die aber auch hierzulande nicht so abwägig seien, ergänzt Angelika Scholz. Sie nennt als Beispiel, dass die Menschen nicht nur der Schulmedizin vertrauen, sondern auch der Naturheilmedizin. Sie würden zum Böten gehen oder auf Kinesiologie bauen.

Singen verbindet

„Wir wollen zeigen, dass überall gesungen und gespielt wird. Da ist es egal, auf welchem Kontinent man zu Hause ist“, schildert Andrea Leonhardt. Denn das Singen sei ein großer Teil des Lebens. Und da gebe es durchaus Gemeinsamkeiten mit der afrikanischen Kultur, auch wenn die Sprache eine andere sei, sagt Charlotte Knappstein. Die Mitspieler haben Lieder von diesem Kontinent einstudiert, die sie zu Gehör bringen wollen. Aber auch Plattdeutsches wird erklingen, macht sie auf den Besuch der Premiere am Sonntag neugierig.

Die Jüngeren bereuen es nicht, ihre Ferienzeit mit Proben in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität zu verbringen. Im Gegenteil: Sie haben viel Freude an dem Projekt. „Die Älteren sind voll lustig und nicht so streng“, sagt Rolin Mustafa lächelnd, die erst vor drei Jahren Deutsch gelernt hat. Lennart Bieber findet es spannend zu sehen, wie solch ein Theaterstück entsteht und wie er selbst dabei mitwirken kann. Arbeitsatmosphäre und gelöste Stimmung sind gleichzeitig zu spüren. Denn nach zwei Probentagen im Mai geht es seit Mittwoch sozusagen in den Endspurt, dass alles sitzt. Bei dieser Aufführung werden übrigens auch zwei Musiker dabei sein, die Djembe spielen, sagt Charlotte Knappstein. Am Sonntag, 14. Juli, wird das Stück „Geschichten zwischen Afrika und Altmark“ ab 14 Uhr unterm Dach der Alten Darre in Diesdorf aufgeführt. Die Mitglieder der Gruppe freuen sich auf viele Zuschauer, die sie davon überzeugen wollen, dass Schauspielern richtig viel Spaß machen kann.

Wer keine Zeit hat: Eine weitere Vorstellung gibt es am 17. September ab 19 Uhr im Salzwedeler Hanseat.