Salzwedel l Kein Wasser, keine Nahrung – 14 Rinder und 11 Schweine ausgehungert. Die Tiere haben vor Hunger gebrüllt. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei gegen einen 58-Jährigen aus dem Raum Dähre im Altmarkkreis Salzwedel wiegen schwer. Festgestellt wurde die Quälerei bereits am 4. April 2017. Nun musste er sich vor dem Salzwedeler Amtsgericht dafür verantworten. Um eine Haftstrafe kam er aber herum.

Unerträgliche Zustände

„Der Amtstierarzt sagte, es sind noch immer unerträgliche Zustände“, sagte Richter Klaus Hüttermann. „Wir haben abgesprochen, dass mein Mandant erwägt, die Weide zu verpachten und die Tierhaltung aufzugeben“, antwortet die Verteidigerin und erklärt, dass der Angeklagte die Vorwürfe einräumt.

Zudem meinte der Tierhalter, dass ihm die Ernte 2016 zu schaffen gemacht habe. Dadurch sei die Qualität seines Futters nicht gut gewesen. „Außerdem war der Hoftierarzt zur Routineuntersuchung im Juni 2017 bei mir – da gab es keine Probleme“, sagte der 58-Jährige. Zudem stünden seine Tiere von März bis September auf der Weide und hätten dort genug zu fressen. Im Winter, so der Landwirt, hätte er sogar Futter zugekauft. „Zwei bis drei Tiere haben das aber nicht angenommen“, erklärte er.

Die Verteidigerin wusste noch, dass am 6. April eine weitere Kontrolle des Betriebes stattgefunden hätte, der „Ernährungszustand war mäßig“, sagte sie – und damit nicht komplett schlecht.

Kein Futter, kein Wasser, nasse Liegeflächen. Richter Hüttermann ließ das so nicht stehen und suchte nach dem Grund: „Sind sie überfordert mit den Tieren gewesen“? Er sei halt viel beschäftigt und hätte sie vielleicht etwas vernachlässigt, räumte der Angeklagte ein. Das reichte dem Richter nicht: „Warum sind Sie denn überfordert“? Spätestens ab diesem Zeitpunkt kam Licht ins Dunkle. Der 58-Jährige betreue die Rinder und Schweine nämlich alleine, habe zudem einen Gemüseanbau, erklärte er. Zudem fahre er mittwochs immer nach Berlin um seine Bio-Waren zu veräußern.

Um die Größenordung der Vernachlässigung zu dokumentieren, war der Amtstierarzt als Zeuge geladen. Er habe auch schon häufiger Probleme bei den Haltungsbedingungen festgestellt, sagte er. Am 4. April fand eine futterrechtliche Kontrolle statt, die die Dimension der Tierquälerei verdeutlichte. 18 Rinder in zwei Gruppen, seien in dem Betrieb dabei angetroffen worden. „Die waren sehr verhaltensauffällig“, sagte der Amtstierarzt: „Die Mutterkühe waren lethargisch und brüllten lautstark“ – die Tiere liefen auf und ab. Bei den Schweinen ein ähnliches Bild. Eine Untersuchung des Tiermediziners brachte den Grund zum Vorschein: Die Tiere waren komplett ausgehungert und dehydriert. Tummelten sich um die leeren Gefäße für Wasser und Futter. Kurzerhand holte der Amtstierarzt den Nachbarbetrieb zur Hilfe und ließ Heuballen und 1000 Liter Wasser geben.

Pflegepflicht vernachlässigt

Dass die Tiere „den Tageserhaltungsbedarf auf einmal aufgenommen“ haben, zeigte ihm deutlich, dass sie vernachlässigt wurden. „Er kam seiner Pflegepflicht nicht nach“, brachte es der Veterinär auf den Punkt. Da ein Haltungsverbot vom Verwaltungsgericht gekippt wurde, blieb dem Amtstierarzt nur, den Betrieb genau im Auge zu behalten. Es folgten mehrere Überprüfungen. Das Ergebnis war fast durchweg negativ.

Da der Angeklagte sich geständig zeigte, nicht vorbestraft ist und die Tierhaltung zum Januar 2019 aufgibt, empfiehlt die Staatsanwaltschaft eine Strafe von 1200 Euro. Dem folgte der Richter mit der Mahnung: „Wenn sie nicht zahlen, müssen sie die Strafe absitzen".