Salzwedel l Hunderte tot aufgefundene Wildvögel in Schleswig-Holstein und weitere Nachweise der Geflügelpest an der Nord- und Ostseeküste sowie in den Niederlanden sind für die Amtstierärzte ein Alarmsignal. Sie bedeuten eine erhöhte Gefährdungslage, weil der Vogelzug noch in vollem Gange ist. Deshalb stuft auch das Friedrich-Löffler-Institut das Risiko für eine weitere Ausbreitung der Tierseuche in Deutschland und einen Eintrag in Hausgeflügelbestände als hoch ein. Im Altmarkkreis gab es 2016 zuletzt einen Ausbruch bei Wildvögeln.

Die Mitarbeiter des Veterinäramtes raten Geflügel- und Vogelhaltern zu erhöhter Vorsicht und Vorsorge, informiert Kreissprecherin Birgit Eurich. Auch in Kleinsthaltungen sollten die Biosicherheitsmaßnahmen geprüft und dringend eingehalten werden. Dazu gehört, die Tiere nicht mit Oberflächenwasser zu versorgen. Futter und Einstreu sowie Gerätschaften müssen so gelagert werden, dass sie für Wildvögel unzugänglich sind. Geflügelställe sollten nur mit sauberem Schuhwerk betreten werden, zudem sei die Personalhygiene einzuhalten.

Risiko in Rastgebieten

Insbesondere für die als Risikobereiche eingestuften Wildvogelrastgebiete um den Arendsee und im Drömling empfehlen die Veterinäre, das Geflügel ausschließlich im Stall zu halten. Wildvögel übernachten vorrangig auf Seen oder in Feuchtgebieten, deshalb ist die Gefahr dort besonders hoch.

Ein Ausbruch der Tierseuche in einem Geflügelbestand hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen, wie die Kreissprecherin auf Anfrage mitteilt. So müsste beim Befall eines Wildvogels nach der Geflügelpest-Verordnung und dem Tiergesundheitsgesetz ein Sperrbezirk von einem Kilometer und ein Beobachtungsgebiet von drei Kilometern um den Fundort eingerichtet werden. In Hausgeflügelbeständen stünden klinische Untersuchungen an. Beim Nachweis Erregers würden alle Tiere dieses Bestandes getötet, unschädlich entsorgt und ebenfalls Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet um den Betrieb ausgewiesen. Die Folge wären zudem umfangreiche Auflagen und Handelseinschränkungen für Geflügelhalter in den betroffenen Gebieten.

Tiere registrieren lassen

In der Westaltmark gibt es derzeit 3105 Haltungen mit insgesamt etwa 952  042 Stück Geflügel. Nach aktuellem Stand halten 31 Landwirte mehr als 1000 Tiere. Im Einzelnen handelt es sich um einen Enten-, einen Gänse-, 9 Hühner- und 20 Putenhaltende Betriebe. Geflügelbesitzer, die ihre Tiere bislang nicht registrieren ließen, sollten sich umgehend beim Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt melden. Wer verendete Wild- und Greifvögel findet, wird gebeten, sich ebenfalls dorthin zu wenden.

Die aktuell grassierenden Virustypen H5N8 und H5N5 seien bisher nicht beim Menschen nachgewiesen worden.