Salzwedel l Die Lage hat sich über den Sommer weiter verschärft: Die Pegelstände sind so niedrig wie schon lange nicht. Besonders augenfällig wird das am Arendsee. Der Wasserstand sinkt stetig, es entstehen ganz neue Strandbereiche. Die Freude darüber sollte sich in Grenzen halten. Am Pegel in Zießau, der regelmäßig überwacht wird, fehlen im Moment zum Normalstand mindestens 65 Zentimeter Wasser. Bei einer Fläche von 525 Hektar entspricht das einer Wassermenge von 3,4125 Millionen Kubikmetern, die nicht mehr da ist. Zum Vergleich: Der Trinkwasserverbrauch für ein Jahr für die Stadt Arendsee beträgt 0,3285 Millionen Kubikmeter, informiert Claudia Lembke, Sachgebietsleiterin für Wasserwirtschaft im Kreis-Umweltamt. Es würde also darauf bezogen etwa eine Zehnjahres-Wassermenge benötigt, um den See wieder aufzufüllen, erklärt sie.

Für die Fließgewässer sehe es nicht viel besser aus. Dabei sind nicht so sehr die Wasserstände, sondern die Abflussmengen wichtig. So weist beispielsweise die Dumme in Salzwedel extremes Niedrigwasser mit kaum noch messbaren Durchflussmengen auf. „Am Pegel in Salzwedel, Kreuzung Südbockhorn – Neuperverstraße Gertraudenkapelle, fließen zur Zeit nur sechs Liter pro Sekunde“, betont sie. Bei mittlerem Niedrigwasser sind es ungefähr 0,15 Kubikmeter (150 Liter), bei Mittelwasser 0,68 Kubikmeter (680 Liter).

Speisung aus Quellen

„Oberflächengewässer und oberflächennahes Grundwasser stehen im Zusammenhang“, erklärt die Fachfrau. Die Speisung der Flüsse, Gräben, Teiche und Seen erfolge aus Quellen und den seitlichen Zuflüssen, wenn sandige Bereiche gequert werden. In „Normaljahren“ ist der niedrigste Grundwasserstand Ende September zu erwarten. Laut Gewässerkundlichem Landesdienst liegt er jetzt schon im Niedrigwasserbereich und kurzfristig ist keine Besserung absehbar.

Lembke: „Auch ein kurzer Regenschauer wird daran nichts ändern. Helfen würde ein schöner achtwöchiger langsamer Landregen.“ Und den gab es seit dem Frühjahr 2018 nicht mehr in ausreichendem Maß. Denn danach war es mit dem Niederschlag weitgehend vorbei. 2018 hat es in Salzwedel nur 55 Prozent soviel geregnet wie in normalen Jahren. „Günstig waren damals noch die hohen Wasserstände aus dem Jahr 2017, resultierend aus sehr hohen Niederschlagsmengen bis in den April 2018 hinein“, sagt Claudia Lembke. Das sieht in diesem Jahr ganz anders aus. Und viel mehr geregnet hat es mit bislang 280 Litern pro Quadratmeter auch nicht. Das führt zu weit aus größeren Problemen in den Oberflächengewässern und im Grundwasser, sagt sie.

Nicht mittags beregnen

Der Wunsch nach einer intakten Umwelt, die aus grünem Rasen und blühenden Gärten besteht, sei ungebrochen. Darum werden mehr und tiefere Brunnen errichtet, was zu einer weiteren Absenkung des Grundwasserstandes führt – auch teilweise in den tieferen Bereichen. Lembke: „Das Problem ist – man sieht es nicht. In der letzten Zeit hören wir vermehrt, ‚mein Brunnen ist trocken‘“. Die Ergebnisse der behördlichen Überwachung bestätigten diese Entwicklung.

Doch was kann jeder beitragen, damit die Westaltmark nicht zur Wüste wird? „Nicht den grünsten Garten haben wollen!“, betont sie. Es dürfe auf keinen Fall um jeden Preis beregnet werden, ebenso wenig wie flächendeckend oder gar in der Mittagshitze. Stattdessen sollten die Grundstückbesitzer Prioritäten setzen. Es sei unabdingbar, mit der endlichen Ressource Wasser achtsam umzugehen, erklärt sie den Ernst der Lage.