Beetzendorfer Gemeinderat stimmt Umbaukonzept zu / Modernisierung soll knapp eine Million Euro kosten

Vier Bahnen, ein Steg und bequeme Einstiegstreppen

Von Walter Mogk

Jetzt herrscht Gewissheit: Das Beetzendorfer Stölpenbad wird nach Abschluss der nächsten Saison für knapp eine Million Euro umgebaut. Der Gemeinderat einigte sich am Mittwochabend auf das vorgelegte Konzept eines Hildesheimer Planungsbüros.

Beetzendorf l 80 Jahre wird das Beetzendorfer Stölpenbad in diesem Jahr alt und die sieht man der Einrichtung auch an. Um das Bad für Besucher attraktiver zu machen, aber gleichzeitig seinen Charakter als Freizeitstätte für Familien und als Standort für den Schwimmsport der Schulen zu erhalten, hat sich die Gemeinde zu einem kompletten Umbau entschlossen. Eine Million Euro sollen dafür im aktuellen Etat bereitgestellt werden. Sobald die kommende Saison abgeschlossen ist, beginnen die ersten Arbeiten. Ziel ist die Neueröffnung des Bades zum 1. Juni 2013.

Wie das modernisierte Stölpenbad aussehen wird, ist seit Mittwoch klar. Der Gemeinderat gab der von einem Hildesheimer Planungsbüro vorgestellten Konzeption mit großer Mehrheit seine Zustimmung. Lediglich Enno Marquardt votierte dagegen.

Vorgesehen ist, die bestehende Beckenform als Baugrube zu nutzen und den neuen Beckenkörper dort zu integrieren. "An die bisherigen Wassertiefen wollen wir uns halten", erklärte Jörg Stachel, Geschäftsführer des Planungsbüros. So wird der Schwimmerbereich eine Tiefe bis 1,90 Meter aufweisen, der Nichtschwimmerbereich 1,35 Meter. Letzterer wird deutlich aufgewertet. "Zur Zeit besteht zwischen beiden Bereichen ein Verhältnis von 4:1, wir verringern das auf 2:1", so Stachel.

Trotzdem kommen diejenigen, die ihre Strecke schwimmen wollen, nicht zu kurz. Vier Bahnen zu je 25 Metern sollen eingerichtet werden. Am nördlichen Ende entstehen neue Startblöcke. Der Anschlag, zum Beispiel beim Staffelschwimmen, kann an einem sieben Meter langen Steg erfolgen, der ins Wasser ragt und den Schwimmer- vom Nichtschwimmerbereich trennt. Einzige Verbindung zwischen beiden Bereichen ist die fünfte Bahn, über die zur Abgrenzung eine Signalleine gespannt wird. "Hier können Morgenschwimmer auch mal bis ins Nichtschwimmerbecken schwimmen", sagte der Planer.

Die Wasseroberfläche wird künftig das gleiche Niveau wie der Beckenrand haben. Statt wie bisher ausschließlich über Leitern steigt man auch über Treppen ins Nass, um sich langsam an die Wassertemperatur zu gewöhnen. "Das ist besonders für ältere Leute von Vorteil", betonte Stachel.

Der Beckenrand, der umlaufend eine Breite von drei Meter hat und als Sitzgelegenheit genutzt werden kann, wird mit einer armierten rutschfesten Folienoberfläche versehen. "Man hat das Gefühl, dass man auf Flies tritt", erklärte der Planer und ließ Räte und Besucher die Materialbeschaffenheit anhand einer Probe testen. Auch der Steg im Becken soll drei Meter breit sein. "Er besteht aus witterungsbeständiger, holzähnlicher Kunstfaser und kann begangen werden", so Stachel. Der Experte ist sich sicher: "Das wird ein Anziehungspunkt. Hier kann man sich auch sonnen oder seinen Liegestuhl aufstellen".

Der zwischen dem alten und dem neuen Becken entstehende Zwischenraum soll für die Unterbringung des Rohrleitungssystems benutzt werden. Zudem sind an beiden Längsseiten Duschen am Beckenrand und ein Pflanzstreifen hinter dem Umlauf geplant, um ein wenig Sichtschutz zu gewährleisten.

Die Wasseraufbereitung erfolgt nach dem gleichen Betrieb wie bisher. In Verlängerung der überdachten Minigolfanlage wird ein kleines Gebäude errichtet, in dem die Technik ihren Platz findet. Von dort zieht sich ein Rohrsystem durch die gesamte Anlage. Über Filter wird das Wasser gereinigt und leicht gechlort wieder dem Becken zugeführt. "Dabei setzen wir wie bisher ein Flockungsmittel zu, um die gelösten Stoffe filtrierbar zu machen", erläuterte Jörg Stachel.

Erstmals wird auch das separate Kleinkindbecken in der Nordwestecke des Bades in den Wasserkreislauf einbezogen und über Einströmtöpfe von unten mit frischem Nass versorgt. "Hier setzen wir auf die alte Konstruktion ein neues, farbenfrohes Becken drauf und pflastern die Fläche ringsum an", erklärte der Planer. Der Standort fernab der großen Becken sei aus Sicherheitsgründen optimal und solle deshalb beibehalten werden.

Die Gesamtkosten der Sanierung bezifferte Stachel auf 993500 Euro. "Wir haben auskömmliche Preise zur Grundlage genommen und können gern unser Honorar pauschalisieren. Nur auf die Schwankungen des Marktes haben wir leider keinen Einfluss", zeigte sich der Planer optimistisch, die Vorgabe der Gemeinde einhalten zu können. Bürgermeister Heinrich Schmauch machte denn auch klar, dass es einen Nachschlag nicht geben werde. "Eine Million Euro ist die Grenze, darauf muss sich der Gemeinderat verlassen können", betonte er.

Der Umbau in der vorgestellten Form kostet erheblich weniger als eine Sanierung des vorhandenen Beckens. Hierfür wären laut Planer 1,223 Millionen Euro notwendig gewesen. Allerdings habe man sich bei der Konzeption auch nur auf das Nötigste beschränkt, um das Finanzlimit einhalten zu können. "Es geht darum, am Ende ein benutzbares und bezahlbares Bad zu haben, das auch für den Schwimmunterricht benutzt werden kann und somit unseren Schulstandort wieder sicherer macht", betonte Heinrich Schmauch. Es nütze nichts, ein Spaßbad zu bauen und hinterher kein Geld mehr zu haben, dieses zu betreiben.

Großer Vorteil ist auch die künftige Beheizbarkeit des Wassers über die Abwärme der örtlichen Biogasanlage. Der Rat stimmte zu, dass mit dem Projekt, das eine Verlängerung der Badesaison ermöglicht, begonnen werden kann. Die ersten Reaktionen auf das Umbaukonzept fielen durchweg positiv aus. "Ich bin begeistert", meinte Schwimmmeister Claus Müller, der vor allem die optimalen Bedingungen für die Schwimmausbildung der Jüngsten lobte. Auch Doris und Irmgard Tepelmann vom Verein der Heimatfreunde Beetzendorf zeigten sich mit den Plänen zufrieden. Der Jeebener Thorsten Massel regte an, über ein Ein-Meter-Sprungbrett nachzudenken. Doch dafür müsste die Beckentiefe auf mehr als drei Meter ausgeweitet werden. Ein Vorhaben, das die Kosten erheblich erhöhen würde und deshalb schnell wieder verworfen wurde.