Tylsen l „Magdeburg ist der Ort, der uns gerufen hat“, sagt Ulrike Mann. Die Familie lebte vorher in Düsseldorf, wechselte also vom Rhein an die Elbe, wo Ulrike Manns Partner Seelsorger in den Pfeifferschen Stiftungen ist.

Also Magdeburg. Aber was ist in dem Bundesland rund um die Landeshauptstadt los? Das wollte Ulrike Mann entdecken. Ihre Erlebnisse während der 40-tägigen Wanderung rund um Sachsen-Anhalt schilderte sie während einer Lesung im Tylsener Alten Kuhstall. Auf einem Podium in der Mitte des Raumes hatte sie die selbst zusammengestellten Karten ausgebreitet, so dass die Besucher ihrer Route folgen konnten.

Vorbereitung

Natürlich ist Ulrike Mann nicht einfach so losmarschiert. „Ich habe diese Wanderung lange geplant“, erzählte sie. Und dabei musste sie einige Probleme bewältigen - Stichwort einheitliches Kartenmaterial. Von einigen Regionen gibt es Wanderkarten, von anderen wiederum nicht. Schließlich lieh sie sich einen zehn Jahre alten Atlas aus der Magdeburger Bibliothek, um ihre Route zu planen. Ihre Tagesstrecken lagen zwischen 20 und 30 Kilometern, feste Ziele wurden gesteckt, täglich übernachtete sie in einem anderen Ort. „Oft habe ich mich gefragt, wo ich jetzt eigentlich bin, habe mich auch verlaufen“, erzählte Ulrike Mann. Landkarten und Kompass hatte sie im Gepäck. Ein Handy nicht. „Aber immer ist in diesen Momenten jemand gekommen.“

Sie habe viele Geschichten gehört in diesen Tagen. Geschichten über das Leben in der DDR, ältere Menschen erzählten darüber, was sie während des Krieges oder während der Flucht erlebten.

Großes Herz

Wie würde Ulrike Mann die Menschen in Sachsen-Anhalt beschreiben? „Eher zurückhaltend, mitunter auch still und wortkarg. Aber sie öffnen sich, wenn man sich selbst öffnet. Und dann zeigen sie, dass sie ein großes Herz haben“, fasst Ulrike Mann ihre Eindrücke zusammen. Übrigens seien die Menschen in Sachsen-Anhalt sehr erdverbunden. „Ich habe es noch nie erlebt, dass Menschen so häufig selbst Gemüse anbauen und Haustiere wie Hühner halten“, erzählt sie begeistert.

Ihre Wanderung begann in Marienborn im Bördekreis, wo sich die ehemalige Grenzübergangsstelle befindet. Über Huy und Harz wanderte sie in die Saale-Unstrut-Region, betrachtete staunend den Goitzsche-See bei Bitterfeld und kam über den Fläming schließlich in die Altmark. „Ab Jerichow bin ich auf dem Elbdeich gewandert, einfach zauberhaft.“ Am Grünen Band entlang ging es weiter nach Arendsee und via Salzwedel kam sie auch nach Tylsen.

Wetter

Und überall, wo sie am Ende des Wandertages rastete, zeichnete die gelernte Kunsttherapeutin eine Karte, die sie an das Magdeburger Kinderhospiz schickte. Besucher der Ausstellung können diese Karten mit Fotos in Tylsen betrachten.

Eben in dem Moment, in dem sie in Tylsen ihre alltägliche Karte zeichnete, lernte sie Sibylle Wahl und Jörg Hirsch kennen, die ihr bei dieser Gelegenheit gleich den Alten Kuhstall zeigten.

Das Wetter habe in den zwei Monaten nahezu alles für sie bereit gehalten, „außer Schnee“, blickt Ulrike Mann schmunzelnd zurück. Der Fitness-Aspekt habe bei ihrer Wanderung nicht im Vordergrund gestanden. Vielmehr sei es ihr darum gegangen, sich allein auf die Welt einzulassen.

Die Ausstellung „Sachsen-Anhalt - Umrundung zu Fuß“ ist im Alten Kuhstall am 13., 19. und 20 Mai, jeweils in der Zeit von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 20. Mai, predigt Hans Bartosch, Seelsorger in den Pfeifferschen Stiftungen, ab 10.30 Uhr in der Tylsener Dorfkirche und wird gegen 16 Uhr zum Abschluss der Ausstellung aus seinem Seelsorger-Tagebuch lesen.