Salzwedel l Es besteht Handlungsbedarf in Sachen Weihnachtsmarkt. Das weiß auch die Werbegemeinschaft. Deshalb gab es Donnerstagmorgen eine Zusammenkunft, bei der Bilanz gezogen werden sollte. Die Stimmung, so verriet Jost Fischer, Chef der Werbegemeinschaft, war gedrückt angesichts der Tatsache, dass durch den Rücktritt von Otto Wüstemann die Position des Marktmeisters vakant ist. Und niemand ist dafür in Sicht. „Ich werde dafür jedenfalls nicht zur Verfügung stehen“, sagte Fischer gegenüber der Volksstimme. Nun könnten sich doch diejenigen melden, die während des Marktes an diesem und jenem herumgemeckert haben, und dann zeigen, wie es besser geht.

Sicher scheint: Die Werbegemeinschaft weiß, was schief gelaufen ist und was nicht. Dass momentan in dem Zusammenschluss der Salzwedeler Gewerbetreibenden die Stimmung nicht gerade euphorisch ist, zeigte die gestrige Sitzung. Die Art und Weise der Kritik und der Diskussion in den vergangenen Wochen war oft von Schuldzuweisungen geprägt und entbehrte jeglicher Sachlichkeit. „Wir müssen uns auch fragen, wie wir miteinander umgehen“, sagte Fischer, an dem die Streitereien nicht spurlos abgeprallt sind. Gleichzeitig gibt er sich kämpferisch. Den Vorwurf, er habe mit seinem Rücktritt gedroht, weist er entschieden von sich. „Ich drohe nicht, wenn ich zurücktrete, dann mache ich das.“

Dass es auch in 2019 einen Weihnachtsmarkt geben wird, das steht für Fischer fest. „Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen.“ Die Frage werde nur sein, in welcher Form der Markt ausgerichtet wird. Jedenfalls wird sich die Werbegemeinschaft Ende Januar erneut an einen Tisch setzen und das weitere Vorgehen besprechen.

Knüppel zwischen die Beine geworfen

Auch im Salzwedeler Stadtrat kam das Thema Weihnachtsmarkt am Dienstagabend kurz zur Sprache. Bürgermeisterin Sabine Blümel wurde besonders deutlich: „Ich dulde es nicht, dass unsere Stadt schlecht gemacht wird.“ Die Stadtchefin ärgerte sich darüber, dass „Bürgern, die sich ehrenamtlich engagieren, Knüppel zwischen die Beine geworfen werden“. Es sei Anpacken gefragt. „Mehr sage ich über den Weihnachtsmarkt nicht, wenn es ihn in Zukunft denn überhaupt noch gibt“, zweifelte Sabine Blümel.

Lothar Heiser (CDU) hatte im obersten städtischen Gremium die Diskussion eröffnet. „Ich habe viel Negatives gehört. Gibt es denn schon ein Feedback von der Stadt?“, wollte das Stadtratsmitglied wissen. „Ausrichter ist die Werbegemeinschaft“, meinte die Bürgermeisterin dazu. Karl-Heinz Schliekau (CDU) stellte in seinem Wortbeitrag sogar die finanzielle Unterstützung der Stadt in Frage. „Wir müssen dort nicht fortlaufend Geld reinschießen“, erklärte Schliekau, woraufhin Sabine Blümel ihrem Ärger Luft machte.

Burg- und Breite Straße in Markt einbeziehen

Die Meinung der Händler bewegt sich größtenteils in dieselbe Richtung. Christian Oesterling, Inhaber von Distel 2.0, hatte bereits im Vorfeld Befürchtungen, die sich bestätigten. „Dieser Dezember war schlechter als jeder andere Monat im Jahr“, sagt Oesterling. „Es waren bestimmt 80 Prozent weniger Kunden als im Vorjahr“, vergleicht er seine Bilanz und merkte bereits wieder einen größeren Zulauf an Kunden am vergangenen Montag, als der Markt abgebaut wurde.

„Die Idee war nicht schlecht“, beschwichtigt Michaela Wirth vom Bäcker Steinecke. Ihr Vorschlag für die Zukunft wäre es, die Burgstraße und Breite Straße mit einzubeziehen, damit die Neuperverstraße für den Verkehr frei bleibt. Sie schätzt, die Backstube habe in den drei Wochen zirka 15 Prozent weniger eingenommen.

Udo Schulz vom Schuhhaus Düster hält es für eine gute Idee, die Burgstraße im nächsten Jahr teilhaben zu lassen. Er kann sich sogar ein Dreieck zwischen Rathausturmplatz, Burgstraße und Marktplatz vorstellen. Dann wird die gesamte Innenstadt mit einbezogen, die Besucher können herumlaufen, und die Neuperverstraße bliebe für den Verkehr frei. „Touristen haben uns gesagt, dass sie durch das ständige Herumfahren wegen der Sperrung wieder abgehauen sind“, sagt er und fährt fort: „Man könnte über Hinweisschilder nachdenken“, um Besuchern die besten Parkmöglichkeiten aufzuzeigen. Auch Schulz sind während der Dauer des Weihnachtsmarktes fehlende Kunden aufgefallen.

„Mir hat der Weihnachtsmarkt gefallen“, entgegnet Bernd Mendala von Jeans Schapp. „Es gab gutes Essen, nur das Zustellen der Läden war ungünstig“, sagt er. Besonders den Stand der Schüler der Lessingschule fand er gelungen. Sein einziger Kritikpunkt – er könne nicht verstehen, wieso der Markt nicht auf dem Marktplatz stattfand.

Potenzial ist nicht genutzt worden

Delia Weiland vom gleichnamigen Modegeschäft stimmt dem zu: „Wir haben so viele schöne Plätze, auf denen man was machen könnte.“ Damit bezieht sie sich nicht nur auf den Marktplatz. Die gesamte Altstadt, auch im Bereich der Katharinen- oder Marienkirche, könnte genutzt werden. Weiland hätte sich ebenfalls etwas in der Burgstraße gewünscht. „Das Potenzial wurde nicht genutzt“, sagt sie und deutet vor ihr Geschäft: „Die Straße war leer.“ Wie bei Udo Schulz wurden auch bei Delia Weiland eher wenige positive Stimmen von Kunden zum Weihnachtsmarkt geäußert.