Salzwedel l Traditionen haben für die Altmärker eine hohe Bedeutung. Und so ließen sich am Heiligabend zahlreiche Salzwedeler und ihre Gäste nicht davon abhalten, sich zum Turmplatzen im Herzen von Salzwedel zu versammeln. Und das trotz Regenwetter und stark eingegrenzter Sicht auf das Salzwedeler Wahrzeichen, dem Rathausturm. In weißen Folienplanen eingehüllt, bot einzig die Balustrade mit einem schmalen Schlitz in der Abdeckung etwas Sicht auf den Turm. Die Bläser in luftiger Höhe ließen sich optisch zwar nur erahnen, aber zumindest akustisch gut vernehmen.

Auch Familie Müller hatte erfahren, dass der Rathausturm aufgrund von Sanierungsarbeiten in Planen gehüllt sei und sich dennoch auf die Reise nach Salzwedel gemacht. Lars Müller hatte 1991 seine Heimat verlassen und dort eine neue gesucht, in der Arbeit und guter Lohn zu finden waren. Im niedersächsischen Celle hatte der ehemalige Pumpenwerker eine Familie gegründet, die Verbindung zur Altmark aber nie abreißen lassen, da hier noch Verwandte, Freunde und vor allen Dingen seine Mutter Ursula wohnen. Weihnachten ist stets ein großes Familientreffen angesagt, bei dem es immer auch zum Turmblasen geht. So hatten sich auch an diesem Heiligabend auf dem Rathausturmplatz vier Generationen Müller versammelt, um sich auf das Weihnachtsfest musikalisch einstimmen zu lassen. Jüngster Spross der Familie ist Urenkelin Amy mit zehn Jahren.

Arbeit mit Humor genommen

Inzwischen warteten auf dem Platz und den angrenzenden Straßen wieder tausende Besucher auf den Beginn des Konzertes. So manch einer nutzte vorher die Gelegenheit, um sich mit einem Glühwein oder Kinderpunsch im Café oder im angrenzenden Restaurant zu versorgen. Hier wurde gearbeitet, um alle Wünsche zu erfüllen. Doch Ina Mende und ihr Mann Bernd sowie Gina, Ina, Jonas und Lennart vom Adlerhorst nahmen ihren Einsatz mit Humor. So gab es zu den heißen Getränken auch noch einen flotten Spruch mit auf dem Weg.

Bilder

Der eingerüstete Rathausturm, der die Sicht stark einschränkte, stieß übrigens bei einigen Besuchern auf wenig Verständnis. Schlechte Planung und eine Zumutung sei es, äußerte sich ein Salzwedeler entrüstet. Auch ein anderer Besucher fand die Verhüllung nicht so toll, hatte aber zumindest einen Tipp parat: Man hätte die große weiße Fläche nutzen können, um weihnachtliche Bilder darauf zu projizieren oder ihn mit bunten Strahlern auszuleuchten.