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Christina Dietmann brachte fünf Amerikanische Minipferde von England mit nach Gardelegen Winzige Pferdchen mit ganz großem Charakter

Von Gesine Biermann 13.02.2012, 05:36

Es kommt nicht immer auf die Größe an. Die Gardelegerin Christina Dietmann jedenfalls liebt ganz besonders die Kleinen.

Gardelegen l "Houdini, du lässt dich heute aber wirklich ziehen", schimpft Christina Dietmann, während sie sich zu dem faulen kleinen Burschen am Ende der Leine umdreht. Houdinis Mama Blessing, ein bisschen heller, aber genauso weich und wuschelig, steckt indessen mal eben die Schnauze in den Schnee, knabbert am Gras darunter, trabt dann aber brav an ihrer Leine neben Frauchen her.

Christina Dietmann geht spazieren. Rund ums Isenschnibber Schloss stapft sie mit Houdini und Blessing durch den Schnee. Und wer nicht so genau hinschaut, könnte denken, dass sie ihre beiden großen Hunde Gassi führt. Die Tiere an ihrer Leine allerdings können nicht bellen und knurren. Wenn sie fröhlich oder aufgeregt sind, wiehern die zwei dafür. Denn Houdini und Blessing sind American Miniature Horses, damit echte Pferde, reichen der Gardelegerin allerdings nicht einmal bis an die Hüfte.

Seit einigen Wochen erst wohnt Christina Dietmann in Gardelegen. Oder besser wieder. Fünf Jahre lang lebte die Tochter des Gardeleger Pfarrers Horst Dietmann nämlich in England. Genauer in der malerischen Grafschaft Devon, "da, wo immer die Rosamunde-Pilcher-Romane verfilmt werden", sagt sie lächelnd.

Dort in Südwest-England sind die beiden "Jüngsten" ihrer fünf Minipferdchen schließlich auch geboren. Neben Houdini und Blessing, die sie am Donnerstag zum Volksstimme-Fototermin dabei hat, waren auch der wunderschöne champagnerfarbene Hengst Cocoa, Stute Pearl und der zweijährigen schwarze Hengst Antonin mit in die Altmark gereist. Alle gehören zur Rasse der American Miniature Horses, amerikanische Minipferde. Drei ihrer fünf Lieblinge sind sogar noch echte Amerikaner.

Doch wie um alles in der Welt kommt eine Deutsche in England zu amerikanischen Pferden? Christina Dietmann lacht. "Eigentlich im Urlaub", verrät sie dann. Vor rund fünf Jahren nämlich bekommt sie ein Angebot für eine zehntägige Reise nach Devon.

Damals ist sie gerade mit ihrem Philosophiestudium fertig und arbeitet als freie Journalistin für die Volksstimme und "verschiedene Pferdezeitschriften" in Deutschland. Pferde sind ihre Leidenschaft, seit sie denken kann. "Reiten habe ich zum Beispiel als Kind bei Familie Teitge in Lüffingen gelernt. Meine erste Stute habe ich mir kurz nach dem Abi bei Dietmar Mewes in Estedt gekauft."

Neben den Vierbeinern steht Christina Dietmann allerdings auch noch auf ihren Fotoapparat. Und das weiß ihre Gesprächspartnerin am Telefon offensichtlich. Denn sie fragt nach, "ob ich nicht Lust hätte, mal für ein paar Tage nach Devon zu kommen, um ein bisschen Urlaub und Fotos von ihren Pferden zu machen", erzählt Christina Dietmann. "Sie würde mir auch den Flug zahlen."

Ganz klar: Ein solches Angebot kann die Pferde- und Fotonärrin natürlich auf gar keinen Fall ausschlagen. Und so sitzt sie bereits Tage später mit dem Fotoapparat bewaffnet im Flieger, lernt kurz darauf ihre Gastgeberin und deren wunderschöne Pferde kennen - die hauptsächlich zur Rasse der Paso Fino gehören -, macht hunderte tolle Fotos, kümmert sich gleich auch mal um die Website des Gestütes und verliebt sich während dieser Zeit in die winzigen Pferdchen, die da noch auf dem Hof lebten.

"Cimbelina ist ein echtes walisisches Windspiel."

"Einfach so zum Spaß", hatte die Gestütsbesitzerin nämlich mit "ein paar Falabellas", auch argentinische Minipferde angeschafft. Und die "fand ich so süß", erzählt Christina Dietmann. Allerdings habe sie sich damals noch gefragt, "was um alles in der Welt man eigentlich mit solchen Pferden anfangen kann?"

Um diese Frage zu beantworten, bekommt sie dann aber schließlich ausreichend Zeit. Denn aus den geplanten zehn Tagen werden zunächst vier Wochen und anschließend ganze fünf Jahre. Dem ersten Angebot der Gastgeberin, einer Deutschen, die sich in England niedergelassen hatte, folgt nämlich schon bald das zweite.

"Wir haben uns so gut verstanden", erzählt Christina Dietmann, "da hat sie mir einfach angeboten zu bleiben und mich um ihre Pferde und das Gestüt zu kümmern."

Und das tut Christina Dietmann dann natürlich mit Leidenschaft. Und sie lernt dabei dann auch den tollen Charakter der Minipferdchen kennen. Vor allem, als sie sich selbst den ersten Winzling anschafft. Ein amerikanisches diesmal. "Die Rasse gefiel mir noch besser als die Falabellas." Und so merkt sie schnell, dass "diese Pferde so sanft sind, so witzig und gutmütig", dass allein der Umgang mit ihnen "einfach gut tut". Und auch das Aussehen der Kleinen begeistert Christina Dietmann mehr und mehr. "Sie überspringen ihre eigene Kopfhöhe, bewegen sich so elegant wie große Pferde und sehen einfach toll vor der Kutsche aus." Recherchen im Internet zeigen ihr, dass die Tiere in Amerika auch mit großem Erfolg zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden.

Und das könnten ihre Lieblinge vielleicht in fernerer Zukunft auch hier leisten. Denn seit sie mit den fünf kleinen Pefrden sowie zwei weiteren größeren Pferden und zwei Hunden vor wenigen Wochen in Gardelegen angekommen ist - der Transport war ein Kraftakt -, hat Christina Dietmann schon viele Pläne geschmiedet. Einer davon ist eine Ausbildung zur Tiertherapeutin.

Wie unglaublich die kleinen Pferde gerade auf kranke Menschen wirken, hat sie vor kurzem wieder einmal selbst gespürt, als sie mit Houdini ihre Großmutter am Krankenbett besuchte. Die alte Dame genoss den Kontakt zu dem sanften Pferdchen nämlich sichtlich.

Und so steht für Christina Dietmann mittlerweile fest, dass sie sich und ein Therapiepferd demnächst in diese Richtung weiterbilden will.

Zwischenzeitlich gibt es für ihre Fünferbande - die bei der Familie Harald Rothermel am Isenschnibber Schloss ein ideales Pferde-Domizil und herzliche Aufnahme gefunden hat - aber auch noch andere Aufgaben. Zum einen sollen sie sich vermehren. Es gibt schließlich bereits Nachfragen von Altmärkern, die sich gern so ein Minipferdchen zulegen würden.

Zum anderen könnte sie sich auch vorstellen, dass Houdini oder seine vierbeinigen Freunde zum größten Spaß bei jedem Kindergeburtstag werden würde. Denn Kinder bis zu sieben Jahren dürfen auf den Pferdchen natürlich auch reiten, Kinder und Erwachsene sich sogar in der Kutsche ziehen lassen. Und Kuscheln ist natürlich ebenfalls absolut erwünscht. Denn die Minis sind einfach so lieb und zauberhaft, dass sie sich wohl auf Anhieb mit allen Lebewesen verstehen.

Der schönste Beweis dafür sind zwei andere Vierbeiner, die am Donnerstag beim Spaziergang am Schloss mit dabei sind. Jagdhundmischling Allegre und Cimbelina, ein echtes walisisches Windspiel, haben Frauchens Minipferde nämlich genauso ins Herz geschlossen wie sie selbst. Fröhlich toben die beiden Hunde um ihre großen Spielkameraden herum. Angst haben sie vor ihnen kein Stück, selbst die - für einen Hund ebenfalls winzige - Cimbelina lässt Hengst Cocoa ganz nah an sich schnuppern. Ein Bild, das wohl so manchen Pferdebesitzer erstaunen würde...

...genau so, wie jenes bezaubernde Bild, das Christina Dietmann abgibt, wenn sie mit ihren Pferdchen an der Leine spazieren geht. Aber das können die Gardeleger demnächst wohl öfter bewundern.