Salzwedel l Ein weiteres Wolfsrudel durchstreift Norddeutschland. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg, im Naturschutzgebiet „Lucie“, konnte eine weitere Ansiedelung von mindestens sechs Tieren über ein intensives Monitoring nachgewiesen werden. Dies bestätigte Ende Juli die Landesjägerschaft Niedersachsen.

Es ist gut möglich, dass diese Tiere auch die nördliche Altmark besuchen. „Telemetrieergebnisse und genetische Analysen zeigten, dass ein Wolfsrudel in Mitteleuropa in etwa eine Fläche von 180 bis 250 Quadratkilometer beansprucht“, berichtet ein Sprecher des Wolfskompetenzzentrums in Iden (WZI) auf Nachfrage der Volksstimme.

Steigende Vorkommen

Im WZI werden derzeit die Ergebnisse des Wolfsmonitorings für den Zeitraum vom 1. Mai 2017 bis 30. April 2018 ausgewertet. Das Landesumweltamt (LAU) gab in dieser Woche bereits bekannt, dass in Sachsen-Anhalt derzeit 95 Wölfe leben, darunter 47 Welpen. Nachgewiesen sind 11 Rudel. Damit ist klar, dass die Anzahl der Tiere stetig steigt. Im vorhergehenden Zähljahr 2016/17 wurden 70 Tiere, darunter 43 Welpen registriert. 2015/16 waren es noch 65 Wölfe mit 41 Jungtieren.

Die Größe eines Rudels hängt vom Nahrungsangebot und der Verfügbarkeit von Rückzugsorten ab, erklärt das WZI. „Ein Wolfsrudel besteht aus den beiden Eltern und ihren Welpen. Oft sind noch Welpen des Vorjahres (Jährlinge) dabei, so dass etwa sechs bis acht Tiere zum Rudel gehören können“, erläutern die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums in Iden.

Vier Rudel bekannt

Bis zum Vorjahr waren in beiden Altmarkkreisen vier Rudel nachgewiesen – der grenzübergreifende Familienverbund bei Gartow-Arendsee, das Rudel im Zichtauer und Klötzer Forst sowie die Ansiedlungen in der Klietzer- und in der Colbitz-Letzlinger Heide. „Für weitere Gebiete in Sachsen-Anhalt, so auch in den Altmarkreisen deuten vorliegende Wolfsnachweise auf weitere Ansiedlungen hin“, heißt es in diesem Jahr aus dem WZI. Allerdings ist derzeit noch unklar, ob es sich dabei um Einzelwölfe, Paare oder Rudel handelt. Eine Analyse genetischer Proben ist derzeit in Arbeit. Die Ergebnisse sollen eine konkrete Bewertung der Vorkommen von Canis Lupus in der Altmark möglich machen.

Vor allem während Abwanderungszeit der Jungwölfe im Winterhalbjahr häufen sich die Sichtungen in der Region. Dies erschwert die Einordnung der Tiere in bestimmte Territorien, da die Jungwölfe sich auf unbekanntem Gelände bewegen. Wenn also ein junger Wolf gesehen wird, bedeutet das nicht, dass sich das Tier dort niedergelassen hat. „Eher versuchen die Tiere, den Inhabern der etablierten Territorien auszuweichen, um Konfliktsituationen und ernsthafte Verletzungen, die durchaus bis zum Tod führen können, zu vermeiden“, beschreibt das WZI die Situation. Die WZI-Mitarbeiter raten deshalb zum flächigen Herdenschutz bei der Haltung von Nutztieren, denn die sogenannten Abwanderer streifen weit umher und tauchen an Orten auf, „wo sie nicht unmittelbar erwartet werden - zum Beispiel außerhalb von Wäldern“.

Vier Kälber bei Salzwedel gerissen

Mit der Zahl der Wölfe steigt auch die Anzahl der Übergriffe auf Nutztiere. In Sachsen-Anhalt wurden 2016 insgesamt 44 Angriffe gezählt, bei denen der Wolf als Verursacher bestätigt ist oder bisher nicht ausgeschlossen werden konnte. 2017 lag diese Zahl bei 72. Vorläufig gibt das WZI auf seiner Internetseite für das erste Halbjahr 2018 bisher 34 Übergriffe an. Bestätigt werden dabei unter anderem vier gerissen Kälber im April bei Salzwedel. Ein DNA-Test ergab in diesen Fällen Klarheit. Bei weiteren Übergriffen in Gardelegen, Bismark und Schollene ist der Wolf als Verursacher nicht auszuschließen.

Aufgrund der größeren Population kommt es vereinzelt zu Unfällen mit Wölfen im Straßenverkehr. Auf der B 189 im Bereich der Colbitz-Letzlinger Heide starb 2016 und 2017 jeweils ein Tier bei Verkehrsunfällen. Ein weitere Unfall bei dem ein Wolf zu Tode kam ereignete sich 2017 an der B 71. Im Jahr 2018 liegt bislang keine Meldung dieser Art vor.

Vor zwei Jahren wurde zudem ein Wolf bei Klietz an der Elbe illegal erschossen. Bisher der einzig bekannte Fall.