Groß Rosenburg l „Das Rosenburger Krippenspiel ist in Gefahr“, zitierte am Sonnabend die Volksstimme Pfarrer Ulf Rödiger. Der hatte mit seinem Schritt in die Öffentlichkeit versucht, noch ein paar Mitmacher hinter dem Ofen hervor zu locken. Sein Aufruf blieb nicht ungehört, es waren zur Probe ein paar mehr Leute da. Dennoch fehlen dem legendären Rosenburger Krippenspiel noch Hirten und Lichterträger. „Hirten haben wir bisher nur einen, Lichterträger sechs“, berichtet Pastorin Eva-Maria Wassersleben. Man habe ja noch die Hoffnung, dass zu Heiligabend spontan noch ein paar Akteure kommen. Was zwar schön, aber denen gegenüber ungerecht wäre, die auch zu den Proben im Vorfeld da sind.

Wie sich noch gar nicht allzu alte Rosenburger erinnern, war die Teilnahme am Krippenspiel früher eine Ehre. Es meldeten sich so viele Kinder und Erwachsene, dass nicht jeder berücksichtigt werden konnte. Heute spielten eine Veränderung von Interessen und Werten sowie wohl auch die Demografie eine Rolle, vermutet die Pastorin.

Dabei sucht die Aufführung weit und breit ihres Gleichen, was die Tradition betrifft.

Bis ins Detail geplant

„Verkündigungsengel und Lichtträgerinnen tragen Gewänder aus einem Bettlaken, mit weißem Band gehalten. Auf keinen Fall Nachthemden, Goldband, Sterne oder offene Haare.“ So liest man es in den Regieanweisungen für das Rosenburger Krippenspiel. Das Stück wurde 1933 von Else Richter geschrieben, deren Ehemann Pfarrer in der Gemeinde war. Auch „nackte Arme, dunkle oder bunte Sachen“ waren nicht gestattet. Else Richter überließ nichts dem Zufall. Engel und Lichterträger sollten schlicht bleiben und sich nicht durch Gold oder Sternenglimmer abheben. Auch die Aufstellung der Akteure legte sie vor 82 Jahren akribisch per Skizze fest: vor dem Altar links und rechts ein Christbaum, in der Mitte der Verkündigungsengel. Davor, auf einem Podium, Maria und Joseph mit der Krippe.

Wenn anderen Orts diese Rollen gerne mit Kindern oder Jugendlichen besetzt werden, braucht man in Rosenburg Leute, die gut singen können. Wobei das Alter unerheblich ist. Seit zehn Jahren sind es an dieser Stelle Ortsbürgermeister Michael Pietschker (50) und dessen Schwester Marita Körwitsch (57). Beide sind mit schönen Stimmen gesegnet und haben ihre Krippenspiel-Karriere bereits als Kinder begonnen. „Ich stand schon als Engel vor dem Altar“, erinnert sich Marita Körwitsch. Das liegt ein halbes Jahrhundert zurück. Damals war Pfarrer Wilhelm Richter noch im Amt, Ruth Oswald und Hänschen Seifert gaben Maria und Joseph.

Neuerung gescheitert

Michael Pietschker berichtet von Änderungsversuchen: „Es gab Pastoren, die Heiligabend unbedingt was Neues einführen wollten. Sie sind allesamt gescheitert.“ Die größte Pleite hätte ein Calbenser Pfarrer erlebt, der am 24. Dezember Dias an die Leinwand projizierte, anstelle Maria und Joseph singen zu lassen. „Die Leute fanden das unmöglich“, so Pietschker. Man quittierte es mit Fernbleiben.

Die nächste Krippenspielprobe beginnt heute um 17 Uhr und am Sonntag um 11 Uhr in der Kirche.