Schönebeck l Großer Bahnhof am Donnerstagnachmittag in der Edelmannstraße 22. Die Gesellschaft, die sich hier zusammen findet, möchte einen ganz Großen ehren: Christof Grüger. Der Künstler ist vor zwei Jahren gestorben. Es ist sein zweiter Todestag. Gelebt und gearbeitet hat der gebürtige Schlesier in der Edelmannstraße 22. In diesem Haus lebten und arbeiteten vor Jahren auch die Geschwister Katharina und Annemarie Heise. Die Bedeutung ihrer künstlerischen Arbeit kann nicht genug gewürdigt werden. Das steht außer Frage und wird auch bei diesem Termin eine Rolle spielen. Am Haus erinnerte seit Mitte der 1990er Jahre eine Gedenktafel an das Wirken der Heise-Schwestern. Diese Tafel ist nun abgenommen und durch eine neue ersetzt worden: Sie beinhaltet auch den Namen Christof Grüger.

Die Idee dafür hatten Freunde des Künstlers wie Dorothea von Pock und der Heimatforscher Hans-Joachim Geffert. Dieser Freundeskreis sammelte Geld ein - auch die Stadtwerke unterstützten das Projekt - und konnte so (Kostenpunkt rund 1500 Euro) die Tafel finanzieren. Gestaltet hat sie der Steinmetz Michael Schulz.

Die Laudatio hält der Magdeburger Arzt Paul Franke. Der Freund und Förderer der schönen Künste kannte Katharina Heise persönlich. „Ich habe 1961 als Student dieses Haus erstmals betreten. Diese Jahre waren eine prägende Zeit für mich“, macht Paul Franke auf die Wirkung aufmerksam, die Katharina Heise auf ihn und andere hatte. „Wir ehren uns, indem wir sie ehren“, betont er.

Bilder

Mit Pfund mehr wuchern

Eine Spitze lässt er in Richtung der Stadt los. „Weiß sie mit diesem Pfund zu wuchern“, fragt er mit Blickrichtung auf die großen Künstler mit Schönebecker Wurzeln, zu denen auch Werner Tübke gehört. Franke spricht in die Runde der Gästeschar: „Denken Sie einmal daran, wie viel die Stadt Aschersleben aus ihrem Neo Rauch macht!“ Und fügt hinzu: „Da hätten wir doch allemal mehr zu bieten. Schönebeck ist nicht nur die Stadt des Salzbergbaus, der Traktoren oder des Elbebibers. Es könnte auch eine Stadt der Kunst sein und Salzelmen das Montmartre Schönebecks.“ Gemeint ist das an Sehenswürdigkeiten reiche Pariser Stadtviertel, in dem viele Künstler leben. Beifall der Anwesenden.

Auch Oberbürgermeister Bert Knoblauch spricht ein Grußwort. Er bezieht sich auf Grüger und sagt: „Dieser großartige Künstler und Mensch, der unsere Stadt so reich beschenkt hat, wird unvergessen bleiben.“ Christof Grüger habe weit über Schönebeck hinaus in ganz Deutschland „seine tiefen künstlerischen Spuren hinterlassen, die den Menschen nicht nur Respekt, sondern Bewunderung abverlangen. Christof Grüger war in 54 Städten Deutschlands tätig, und überall ist man ihm dankbar dafür.“ Knoblauch zieht symbolisch seinen Hut und fährt fort: „Welch ein umfangreiches Schaffen von Tiefe, Humanität, Sensibilität und Ausstrahlung, meine Damen und Herren! Dies ist ein Tag zu Ehren Christof Grügers, es ist ein Tag für die Kunst und die Kultur unserer Stadt. Und er macht sie wieder ein kleines Stück schöner und reicher.“

Petra Koch, die Leiterin des Salzlandmuseums, will sich, wie sie sagt, die Jacke nicht anziehen, die Paul Franke hinhält. Das Museum habe seit 1990 drei Ausstellungen zu den Heise-Schwestern realisiert.