Schönebeck l Sie sind seine Leidenschaft, die Räder und Klaus Krüger meint damit historische Fahrräder. Davon hat er neun Stück, alle fahrbereit und bis in das kleinste Detail hergerichtet. In unzähligen Stunden in seiner kleinen Werkstatt im Keller wurden die Räder nach altem Glanz wieder hergestellt. Teile fand der in Pommern geborene Fahrradfreund auf Flohmärkten und bekam auch manches von Freunden geschenkt.

Liebe begann früh

Die Liebe zu den Rädern entwickelte sich früh. Der Vater war Kunstradfahrer und brachte ihm die Räder dadurch schon nahe. An ihnen herumzubasteln lernte der Junge früh. Sein erstes eigenes Fahrrad bekam er im Alter von sechs Jahren. Es war aus vielen Teilen zusammengebaut und ohne Beleuchtung, aber ein eigenes Rad. Mit acht Jahren hatte Klaus Krüger sein erstes Rad selbst eingespeicht. Die Jungs damals kuppelten mit Fahrradteilen, wie die Jugend heute mit Videospielen, erinnert sich der sympathische Mann. „Ein komplett neues Fahrrad habe ich nie bekommen oder mir angeschafft. Immer waren Veränderungen nötig und ich habe selbst Hand angelegt, damit es optimal zu mir passt oder bei den historischen Rädern originalgetreu wird.“

Klaus Krüger kam an seinem ersten Geburtstag, am 8. September 1945, nach Schönebeck, lernte hier Maurer im Kreisbaukombinat und widmete sich in seiner Freizeit dem Radsport. Er radelte zum Bezirksmeister und bekam mit 18 Jahren 1963 den Harzer Bergpreis. Der Siegerkranz hängt heute im Fahrradmuseum in Kleinmühlingen. Ein Unfall beendete seine aktive Radsportlaufbahn, aber nicht die Liebe zu Rädern und Radsport. Als Hobby wurde und wird der Sport immer weiter betrieben.

Bilder

Qualifizierungen zum Meister, Lehrmeister und Pädagogen brachten den jungen Mann mit seiner kleinen Familie nach Afrika. Dort bildete er viele junge Menschen zu Maurern aus.

Kaum Partner für große Touren

Als er nach sechseinhalb Jahren zurückkehrte war seine Dynamo-Radsportsektion leider eingeschlafen, obwohl sie sich nach seinem Aufbau zu einem guten Trainingszentrum entwickelt und einen guten Ruf erarbeitet hatte.

Das Radfahren und der Radsport ist für den Rentner auch heute noch wichtig. Vor zehn Jahren begann er das Radsportmuseum in Klein Mühlingen gemeinsam mit Horst Schäfer und einigen anderen Kollegen aufzubauen. In der Stammgruppe von zwölf Personen gab es immer viele schöne Erlebnisse mit Radsportfreunden, Radsportlern und vielen Kindern und Jugendlichen, Nachbarn und Neugierigen.

Radtouren durch ganz Deutschland wurden immer regelmäßig mit dem Rennrad gefahren. Krüger bedauert, dass sich kaum noch Partner für die größeren Touren finden lassen. So werden die Touren jetzt wohl etwas kleiner.

Suche nach Teilen

Die historischen Räder werden natürlich auch mal ausgeführt, aber nicht für solche großen Strecken, sondern zu Veranstaltungen, bis zum Fahrradmuseum und für eine kleine Rundfahrt.

Im vergangenen Jahr waren Krügers Räder in der Salzlandsparkasse ausgestellt. Da sind schon echte Raritäten dabei. Manchmal muss er lange suchen, um die passenden Teile zu finden. Viele Freunde helfen, weil sie die Leidenschaft von Klaus Krüger kennen und wissen, wie sie ihn glücklich machen können. So kam auch ein Simson aus Suhl von 1946 von einem Sportfreund zu ihm. Ein Gartenfreund brachte ein NSU Rad (eine 1973 gegründete Firma in Baden-Württemberg) von etwa 1930. So sind es immer mehr geworden und jetzt hängen die blanken Räder in der Garage, fahrtüchtig, versteht sich.

Im Keller herrscht Ordnung. Viele Teile (oft auf Flohmärkten erstanden) verschiedener Räder sind sortiert. Firmenschildchen von NSU, Weltrad und vielen anderen sind zu finden. Das Werkzeug ist aufgereiht und für gutes Licht ist auch gesorgt. Viele Stunden verbringt der Rentner hier und seine Frau bäckt inzwischen Kuchen.

„Meine Räder sind meine Freunde. Es ist wie ein Virus“, meint Krüger mit einem ganz besonderen Schmunzeln im Gesicht.