Schönebeck l Auf der südlichen Magdeburger Straße ist es am Sonntagabend beschaulich. Die drückende Hitze lässt viele Menschen auf der Couch oder im Gartenstuhl versinken. Nur wenige Fußgänger sind auf der Straße zwischen Garbsener und Leipziger Straße zu sehen. Es ist kurz nach 17 Uhr, als eine gewaltige Explosion die fast dörfliche Ruhe durchbricht.

„Ich wusste sofort, dass es das Haus meines Nachbars ist“, berichtet Frank Regener. Der Inhaber einer Gärtnerei ist gerade zwischen den Beeten, als er den Knall hört und eine gewaltige Druckwelle spürt. Anschließend steigt eine schwarze Rauchsäule auf. „Ich bin sofort zum Haus gerannt, weil meine Familie noch darin war“, erinnert sich Frank Regener. Er holt sie heraus und bringt auch die beiden verstörten Hunde in Sicherheit.

Kameraden riskieren ihr Leben

Erst zu diesem Zeitpunkt sieht er, welches Ausmaß die Detonation am Nachbargebäude angerichtet hat: Das zweigeschossige Einfamilienhaus steht an einer Giebelseite frei. Alle drei freien Hausseiten sind weggeflogen und jetzt nicht mehr zu sehen. Überall auf der Straße und in den Gärten auf der Rückseite liegen Glassplitter und Mauerteile.

Bilder

Wenig später sind die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr zu Stelle und starten einen äußerst gefährlichen Rettungseinsatz: Der einzige Bewohner des Hauses, ein 52-jähriger Mann, liegt schwerverletzt in den Trümmern unter dem einsturzgefährdeten Haus, das nur noch auf einer Mittelwand zu stehen scheint. Die Kameraden entscheiden sich, den Mann unverzüglich zu retten und gefährden damit ihr eigenes Leben. Die Aktion gelingt, der Mann kann herausgeholt werden. „Das war eine wirklich gefährliche Situation“, macht Stadtwehrleiter Uwe Tandler deutlich. Der Mann wurde mit schweren Brandverletzungen in eine Spezialklinik nach Halle geflogen.

Explosion eines Wohnhauses in Schönebeck

Schönebeck (bd) l Zu der Explosion eines zweigeschossigen Einfamilienhauses kam es am Sonntag um kurz nach 17 Uhr in Schönebeck. Ein 52-jähriger Bewohner wurde dabei schwer verletzt. Als Grund für die Explosion wird eine Gasleitung vermutet.

  • Nach der Gasexplosion eines Wohnhauses in Schönebeck sind Polizei und Feuerwehr sieben Stunden lang im Einsatz. Foto: Tom Wunderlich

    Nach der Gasexplosion eines Wohnhauses in Schönebeck sind Polizei und Feuerwehr sieben Stund...

  • Ein 52-jähriger Mann erlitt bei der Gasexplosion eines Wohnhauses in Schönebeck schwere Verbrennungen und wurde in eine Spezialklinik nach Halle gebracht. Foto: Tom Wunderlich

    Ein 52-jähriger Mann erlitt bei der Gasexplosion eines Wohnhauses in Schönebeck schwere...

  • Die Feuerwehr löschte den Brand, der nach der Gasexplosion eines Wohnhauses in Schönebeck entstand. Foto: Tom Wunderlich

    Die Feuerwehr löschte den Brand, der nach der Gasexplosion eines Wohnhauses in Schönebe...

  • Nach der Gasexplosion in Schönebeck war der Gasabsperrhahn im Haus nicht mehr erreichbar. Foto: Tom Wunderlich

    Nach der Gasexplosion in Schönebeck war der Gasabsperrhahn im Haus nicht mehr erreichbar. Fo...

  • Der 52-jährige Eigentümer des explodierten Wohnhauses in Schönebeck kam mit schwersten Verbrennungen in eine Spezialklinik nach Halle. Foto: Tom Wunderlich

    Der 52-jährige Eigentümer des explodierten Wohnhauses in Schönebeck kam mit schwer...

  • Ein Wohnhaus in Schönebeck musste nach einer schweren Gasexplosion abgerissen werden. Foto: Tom Wunderlich

    Ein Wohnhaus in Schönebeck musste nach einer schweren Gasexplosion abgerissen werden. Foto: ...

  • Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren nach der Gasexplosion in Schönebeck bis 2 Uhr am Montagmorgen im Einsatz. Foto: Tom Wunderlich

    Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren nach der Gasexplosion in Schönebeck bis 2 Uhr am M...

  • 77 Mieter mussten ihre Häuser um die Unfallstelle in Schönebeck verlassen. Foto: Tom Wunderlich

    77 Mieter mussten ihre Häuser um die Unfallstelle in Schönebeck verlassen. Foto: Tom Wu...

  •  Ein Feuerwehrmann betrachtet schockiert das Ausmaß der Zerstörung nach der Explosion eines Wohnhauses in Schönebeck. Foto: Tom Wunderlich

    Ein Feuerwehrmann betrachtet schockiert das Ausmaß der Zerstörung nach der Explosion e...

  • Glassplitter bohrten sich nach der Gasexplosion in Schönebeck sogar in Hauswände. Foto: Tom Wunderlich

    Glassplitter bohrten sich nach der Gasexplosion in Schönebeck sogar in Hauswände. Foto:...

  • Retter von THW und Feuerwehr waren der Gasexplosion in Schönebeck sieben Stunden im Einsatz. Foto: Tom Wunderlich

    Retter von THW und Feuerwehr waren der Gasexplosion in Schönebeck sieben Stunden im Einsatz....

  • Retter von THW und Feuerwehr waren der Gasexplosion in Schönebeck sieben Stunden im Einsatz. Foto: Tom Wunderlich

    Retter von THW und Feuerwehr waren der Gasexplosion in Schönebeck sieben Stunden im Einsatz....

  • Noch in der Nacht zum Montag riss eine Spzialfirma, die dafür ihre Technik aus Gardelegen nach Schönebeck verlegte, das durch eine Gasexplosion zerstörte Haus ab. Foto: Tom Wunderlich

    Noch in der Nacht zum Montag riss eine Spzialfirma, die dafür ihre Technik aus Gardelegen na...

  • Retter von THW und Feuerwehr waren der Gasexplosion in Schönebeck sieben Stunden im Einsatz. Foto: Tom Wunderlich

    Retter von THW und Feuerwehr waren der Gasexplosion in Schönebeck sieben Stunden im Einsatz....

  • Sieben Stunden waren die Einsatzkräfte nach einer Explosion eines Einfamilienhauses in Schönebeck vo Ort. Foto: Tom Wunderlich

    Sieben Stunden waren die Einsatzkräfte nach einer Explosion eines Einfamilienhauses in Sch&#...

Mit der vorangegangenen Explosion fliegen die Glassplitter wie Rasierklingen über die Straße und knallen an die Jalousien des gegenüberliegenden Geschäftshauses. Dort sind die Einschläge des Glases deutlich zu erkennen. Allein dem Umstand, dass an diesem sommerlichen Sonntagabend dort keine Fußgänger und Radfahrer unterwegs waren, ist es verdanken, dass keine weitere Personen verletzt werden.

Gas wird kontrolliert abgefackelt

In einer ersten Stellungnahme vermutet Stadtwehrleiter Uwe Tandler am Sonntagabend, dass eine Gasleitung im Haus explodiert ist. Die Polizei bestätigte am Montag in einer Mitteilung, dass sich ausströmendes Gas im Gebäude entzündet hat. An einer offenen Stelle auf dem Grundstück strömte zudem noch Gas aus. „Wir lassen das ausströmende Gas kontrolliert abfackeln, bis die Gasleitung abgeriegelt ist“, so Tandler am Sonntag. Aus diesem Grund sperrt die Feuerwehr das Gebiet weiträumig ab. Alle 77 Anwohner des Gefährdungsraumes werden evakuiert, weil eine Folgeexplosion nicht ausgeschlossen werden kann.

Das Abriegeln der Gasleitung gestaltet sich schwierig. Zwar wissen die alarmierten Fachmänner Bescheid, doch der Schacht mit dem Gashahn ist von einem Schuttberg überdeckt. Es muss erst ein Bagger geordert werden, der Baufreiheit schafft.

Zahreiche Retter im Einsatz

Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und THW waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Allein kurz nach der Detonation sind es 46 Feuerwehrkameraden, zwei THW-Gruppen (aus Calbe und Staßfurt), ein Rettungshubschrauber und zahlreiche Polizisten. „Erschwerend kommt im Moment hinzu, dass viele Einsatzkräfte in Wittenberg beim Kirchentag sind“, so Uwe Tandler.

Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch zeigt sich am Abend erschüttert. Er ist vor Ort, um dringend notwendige Entscheidungen zu treffen, die die Evakuierung, mögliche Unterbringungen von Personen, den Abriss des Hauses und die Sperrung der Straße betreffen. „Das ist für Schönebeck wirklich eine Katastrophe“, so der Oberbürgermeister.

Abrissarbeiten dauern an

Laut Angaben der Polizei wurde bereits in der Nacht zum Montag mit den Abrissarbeiten des akut einsturzgefährdeten Gebäudes begonnen. Die Einsatzkräfte waren bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. Während der Abrissarbeiten durch eine Spezialfirma bleibt die Magdeburger Straße vorerst im betroffenden Bereich gesperrt, teite die Polizei am Montag mit.