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Jubiläum222 Jahre: Schönebeck feiert sein Soleheilbad

2024 soll wieder gefeiert werden: Das Soleheilbad zelebriert seinen 222. Geburtstag, der Kunsthof, das Solequell und das Lindenbad den 25. Was alles geplant ist.

Von Olaf Koch 08.02.2024, 15:59
Dr. Johann Wilhelm Tolberg nebst Gattin: Waldemar Liedicke und Andrea Silber stellen die Figuren zum Umzug des Statdfestes dar.
Dr. Johann Wilhelm Tolberg nebst Gattin: Waldemar Liedicke und Andrea Silber stellen die Figuren zum Umzug des Statdfestes dar. Foto: Olaf Koch

Bad Salzelmen. - Kreativ sind die Mitarbeiter im Solepark. Machte die Corona-Pandemie den hellen Köpfen in der kleinen, grünen Lunge einen Strich durch die Rechnung, das 220-jährige Bestehen des ältesten Soleheilbades Deutschlands groß zu feiern, dann wird das eben jetzt nachgeholt. Zum 222. Jubiläum. Die Zahl sieht auch viel besser aus. Und so dreht sich in diesem Jahr alles um 222. Doch dazu später mehr.

Es war im Jahr 1802, als der Traum von Dr. Johann Wilhelm Tolberg (1762 bis 1831) in Erfüllung ging, er zum Badearzt ernannt wurde und der Badebetrieb in Elmen begann. Dem vorausgegangen war eine Zufallsentdeckung – wie so oft in der Weltgeschichte.

Die ehemaligen Pfänner und die Arbeiter der staatlichen Saline litten oft unter Rheumatismus und Gicht. Die Kinder hatten Skrofulose, eine tuberkulöse Haut- und Lymphdrüsen-Erkrankung. Dr. Tolberg sollte diese Krankheiten behandeln. Er wusste, dass ein Aufenthalt am Meer die Leiden lindern konnte. So kam er auf die Idee, die in Schönebeck geförderte Sole für Heilzwecke zu verwenden.

Ein günstiger Umstand

Ein günstiger Umstand kam dann zu Hilfe, wie der Hobbyhistoriker Georg Brandes recherchierte: Im Jahre 1800 lernte Tolberg unter den Kranken einen Arbeiter kennen, der seine Füße in Sole gebadet hatte. Dadurch wurde eine Flechte geheilt. Auch andere Salzarbeiterfamilien nutzten die Sole als Heilmittel.

Am 17. Dezember 1801 bat Tolberg den Geheimen Etatsminister Karl August von Struensee, dem das Salzdepartment zu Berlin unterstand, um die Erlaubnis, zwei bis drei Badekabinette einrichten zu dürfen. Der Minister zeigte sich dem Ansinnen nicht abgeneigt. So füllte man in Elmen einige Flaschen mit Sole, ließ sie analysieren und schickte das Salzwasser samt Analyse nach Berlin. Das schreibt Britta Meldau aus dem Stadtarchiv in der Chronik zu „800 Jahre Schönebeck“ sehr ausführlich.

Dr. Tolberg war demnach so frei, noch einen Bericht über die Ähnlichkeit des Seewassers von Doberan an der Ostsee mit der Sole von Elmen beizufügen. Er wollte damit deutlich machen, dass der Ort des Salzwassers egal, sondern nur der Salzgehalt wichtig ist. Das Ober-Medizinal-Kollegium in Berlin war für die Belange des Gesundheitswesens zuständig, hatte unter anderem mit Personalsachen und Gutachten zu tun.

Das Gutachten zur heilenden Wirkung der Sole fiel sehr günstig aus, schreibt die Chronik. So erging ein Spezialbefehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., den der Minister Struensee am 21. September 1802 verfasste. Darin erlaubte der König die Einrichtung der Badekabinette. Dieser Brief ist die Geburtsurkunde des Bades Elmen, des ersten deutschen Solbades. Dr. Tolberg wurde zum Badearzt ernannt. Der Badebetrieb im Binnenland ohne Meerwasser begann.

Welche der Quellen Johann Wilhelm Tolberg damals „anzapfte“, kann auch die heutige Soleparkchefin Sibylle Schulz nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen. „Fest steht aber, dass die Sole immer noch ihre heilende Kraft hat“, sagt sie. Nach wie vor wird die Sole heute gefördert und kommt unter anderem in der Therapie zur Anwendung, in der Reha-Klinik und nicht zuletzt auch im Gesundheits- und Erholungsbad Solequell.

Geschichte erlebbar machen

Die Geschichte um Tolberg und die Sole erlebbar zu halten, hat sich der Solepark auf die Fahnen geschrieben. Deshalb soll nun das ganze Jahr über gefeiert werden. Dabei wird die 222 im Mittelpunkt stehen und immer wieder auftauchen. „Wir wollen mit unseren Einwohnern und Gästen dieses Ereignis teilen, im Kunsthof, im Solequell, im Kurpark“, so Sibylle Schulz. Deshalb soll bis Dezember gefeiert werden (siehe Infokasten oben).

Vor allem ist es der Kunsthof Bad Salzelmen, der einen die Salzgeschichte fühlen lässt: zum Riechen, zum Schmecken, zum Anfassen. Seit der Eröffnung im Jahr 1999 kamen inzwischen 172.000 Besucher. Rund 4.500 habe ihr Salzsiede-Diplom abgelegt.

Bestimmt nicht alle Schönebecker kennen die Alleinstellungsmerkmale rund um die Sole. Nicht nur, dass das Soleheilbad das älteste Deutschlands ist. Das Solequell ist das einzige Bad Sachsen-Anhalts, das sein eigens Heilmittel verwendet. Und im Kunsthof ist die kleinste produzierende Saline in ganz Deutschland zu sehen.

Was ist geplant?

Gratulation für den 222. Besucher im Solequell und im Kunsthof.

Am 222. Tag in diesem Jahr finden die kulinarischen Tage statt. In diesem Jahr am 9. und

10. August über zwei Tage als Event mit Kochshow und einigen anderen Neuerungen.

Weitere Termine im 222. Jahr sind das Lichterfest am 3. Mai, der Geburtstag des Solequells am 1. Juni, zu dem am 31. Mai reingefeiert wird, und damit verbunden ein Solequell-Erlebnistag, das Serenadenkonzert am 12. Juli, der Tag der offenen Tür am 28. Juli im Lindenbad und Kunsthof, ein Bürger- und Familienpicknick im Kurpark und zum Abschluss des Jahres wieder ein Adventsmarkt.

Geplant ist in diesem Jahr außerdem noch ein Fotowettbewerb, zu dem alle Einwohner und Bürger aufgerufen sind. Die technischen Vorbereitungen dafür laufen bereits.