Erneuerung

Abschied und Sanierung in Welsleben: Zwölf Alte Herren gehen, ein moderner Sportplatz kommt

Der MTV Welsleben hatte am Freitag gleich zwei Gründe zum Feiern. Der Verein würdigte zwölf Alte Herren, die ihre aktive Vereinszeit beenden, und stieß auf die kommende Neugestaltung der Sportstätten an.

Von Robert Gruhne
Eine erfolgreiche Zeit im Verein liegt hinter ihnen: zwölf Alte Herren des MTV Welsleben. Vordere Reihe von links: Mirko Knespel, Bernhard Wenzke, Joachim Germer. Hintere Reihe von links: Ulli Groß, Michael Sievert, Ulf Ernst, Harald Roder, Frank Tellge, Frank Duchstein, Dieter Kopietzki. Nicht auf dem Foto: Reinhard Rink  und Dittmar Opitz.
Eine erfolgreiche Zeit im Verein liegt hinter ihnen: zwölf Alte Herren des MTV Welsleben. Vordere Reihe von links: Mirko Knespel, Bernhard Wenzke, Joachim Germer. Hintere Reihe von links: Ulli Groß, Michael Sievert, Ulf Ernst, Harald Roder, Frank Tellge, Frank Duchstein, Dieter Kopietzki. Nicht auf dem Foto: Reinhard Rink und Dittmar Opitz. Foto: MTV Welsleben

Welsleben - Einen emotionalen Abschied bereitete der MTV Welsleben am vergangenen Freitag zwölf Spielern der Alten Herren. 120 Sportler und Unterstützer kamen auf dem Beetzenberg zusammen, um die Spiel- und Vereinstätigkeit der Alten Herren zu würdigen, die nun ihre aktive Zeit beenden.

„Die Mitglieder haben sich 30 bis 40 Jahre für den Verein verdient gemacht“, sagt der Leiter der Fußballabteilung Andre Kanemeier. Neben der sportlichen Leistung gehörte dazu auch die ehrenamtliche Arbeit als Vorstand oder Jugendtrainer.

Verein hat Mitgliederzuwachs

In einem letzten Spiel gegen die erste Herrenmannschaft des Vereins konnten die Sportler noch einmal alles geben. In der Halbzeitpause trat die Stepgruppe des Vereins auf. Jeder der verabschiedeten Spieler erhielt schließlich noch ein T-Shirt und einen Gedenkteller vom Verein.

Um das Bestehen seiner Alte-Herren-Mannschaft muss sich der Verein aber keine Sorgen machen. „Eine neue Generation rückt jetzt nach“, weiß MTV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Korn. Die erste Herrenmannschaft ist mit einem Durchschnittsalter von Anfang 20 gut aufgestellt, einige Spieler rücken nun zu den Alten Herren auf. Die dort ausgeschiedenen Sportler sind im Schnitt um die 60 Jahre alt.

Der Verein nutzte die Gelegenheit, um erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder in großer Runde zusammen zu kommen. Sportler aus allen Abteilungen wurden zusammen getrommelt und feierten einen geselligen Abend. „Wir haben gesehen, wie wichtig das war, nach zwei Jahren wieder zusammen zu kommen“, sagt Korn. Der Abend wurde dementsprechend lang.

Die Bauarbeiten können losgehen!

Hans-Jürgen Korn

Dass den Mitgliedern Sport und Vereinsleben wichtig sind, zeigt sich auch an den gesteigerten Mitgliederzahlen des Vereins. Dieser hat aktuell 179 Mitglieder, was rund zehn Prozent mehr als vor der Pandemie sind. Nur zwei Austritte habe es im letzten Jahr gegeben, freut sich der Vereinsvorsitzende Frank Thäle.

Und noch einen zweiten Grund zum Feiern hatte der Sportverein. Hans-Jürgen Korn nutzte die Gelegenheit, um zu verkünden, dass der Sportplatz saniert werden kann. „Der Förderbescheid ist da, die Bauarbeiten können losgehen“, sagt Korn. Seit September hatte der Verein darauf gewartet, vor vier Wochen kam das Dokument.

Abschied nehmen heißt es nun also auch vom großen Sportplatz – wenn auch nur temporär. Für ein halbes Jahr ist der Platz für die Umbauarbeiten gesperrt. Entstehen werden hier eine neue Beregnungsanlage und Ballfangvorrichtungen auf beiden Seiten des Spielfelds.

Hans-Jürgen Korn, Frank Thäle und Andre Kanemeier sind froh, dass das alte Gefährt zur Beregnung bald ausgedient hat.
Hans-Jürgen Korn, Frank Thäle und Andre Kanemeier sind froh, dass das alte Gefährt zur Beregnung bald ausgedient hat.
Robert Gruhne

Besonders auf die moderne Beregnungsanlage im Boden freut sich der Vorstand. Der Welsleber Sportplatz liegt hoch und ist sehr trocken. „Wir müssen unendlich viel beregnen“, meint Korn. Bisher musste der alte fahrbare Beregner drei Mal am Tag umgestellt werden, damit der ganze Platz ordentlich bewässert wird.

Für den Sportbetrieb bedeutet der Umbau bis zum Frühjahr Einschränkungen. „Wir spielen die komplette Hinrunde der neuen Saison auswärts“, sagt Kanemeier. Die gegnerischen Teams seien sofort einverstanden gewesen. Das Training findet auf dem kleinen Platz auf dem Beetzenberg und in Eickendorf statt.

Soccer Court wird neues „Glanzstück“

Neben den Modernisierungen am Sportplatz wird auch ein sogenannter „Soccer Court“ gebaut – das „Glanzstück“, wie es Korn nennt. Ein „Soccer Court“ ist ein festes Kleinfeld mit Bande und umlaufenden Schutznetzen, das die Sportler nicht nur zum Fußball, sondern auch für Volleyball und Basketball nutzen können.

Der Soccer Court soll dort installiert werden, wo momentan noch der Bolzplatz ist. Damit auch alles passt, ist der Vereinsvorstand extra nach Klosterhäseler im Burgenlandkreis gefahren, um eine ähnliche Anlage zu besichtigen.

„Dort hat man uns darauf hingewiesen, dass ordentliche Fundamente wichtig sind“, sagt Korn, denn der Hersteller des Soccer Courts liefert und baut nur die Anlage an sich. Die Kosten für die Bodenarbeiten hat der Verein nun extra eingeplant. Auch eine Beleuchtungsanlage will der MTV am Soccer Court installieren.

Ein halbes Jahr ist der große Sportplatz gesperrt. Die Spiele finden auswärts statt, Training auf dem kleinen Platz.
Ein halbes Jahr ist der große Sportplatz gesperrt. Die Spiele finden auswärts statt, Training auf dem kleinen Platz.
Fotos (2): Robert Gruhne

Deutlich wird, wie viel Eigeninitiative die Welsleber in die Modernisierung ihrer Anlagen stecken. Andre Kanemeier hebt besonders das Engagement des Geschäftsführers Korn hervor. Aber auch andere Mitglieder des Vereins beteiligen sich rege an den Arbeiten. „Die Planung hat der Verein komplett selber übernommen. Wir haben einen Bauingenieur im Verein und jemanden, der die Abrechnung macht. Den Zaun haben wir auch schon selbst weggenommen“, sagt Korn. Eine neue Einzäunung ist als weitere Baumaßnahme geplant.

Einzäunung, Beregnungsanlage, Soccer Court und Ballfanganlage sollen insgesamt 100000 Euro kosten, davon allein 40000 Euro für den Soccer Court. 90 Prozent der Gesamtsumme erhält der Verein von der Europäischen Union über das Leader-Programm. Den Eigenanteil von zehn Prozent steuert die Gemeinde bei. Aber auch der Verein hat über 10000 Euro Spenden in Welsleben gesammelt.

„Herzenssache“ des ganzen Dorfes

„Der Sportplatz ist deshalb eine Herzenssache des ganzen Dorfes geworden“, beschreibt Korn. Der Verein sei allen Spendern zutiefst dankbar und garantiere, dass alles Geld ins Projekt fließe, auch wenn das ursprüngliche Bauvolumen damit überschritten sei.

Denn wie teuer die Baumaßnahmen am Ende werden, ist noch nicht klar. „Unsere größte Herausforderung ist jetzt zu schauen, wo die Kosten hinsteuern“, schildert Korn die Schwierigkeiten aktueller Bauprojekte. Die Firmen seien mehr als ausgebucht, und die Materialpreise stiegen stetig an. Außerdem könne man mit mehr Geld auch noch weitere kleinere Maßnahmen wie Pflasterwege zum Soccer Court oder einen Unterstand finanzieren.

Die ersten Arbeiten hat der Verein nun schon beauftragt. Zuerst sollen die 16 Beregnungsdüsen in das Spielfeld eingebracht werden, parallel entsteht die Ballfanganlage hinter den Toren. Noch im August soll es mit den Bautätigkeiten losgehen.

Wir machen das für die Kinder.

Andre Kanemeier

Im Mai 2022 muss der Verein fertig sein, denn dann muss das Fördergeld abgerechnet werden. Das sei „gut realisierbar“, findet Korn. Pünktlich zum 135-jährigen Bestehen will der Verein sich mit der modernisierten Sportstätte ein Geburtstagsgeschenk machen.

Warum die Vereinsmitglieder so viel Initiative zeigen und sich um ihren Platz bemühen, stellt Andre Kanemeier klar: „Wir machen das für die Kinder. Am schlimmsten an den letzten zwei Jahren war eigentlich, dass die Kinder keinen Sport machen konnten.“ Die Bewegung habe allen gefehlt. Kanemeier ist froh, dass die Bedingungen auf dem Welsleber Berg sich mit den neuen Anlagen weiter verbessern.