Schönebeck l Hunderte Pächter von Kleingartenanlagen und Wochenendhäusern in Schönebeck müssen mit unangenehmer Post rechnen. Zumindest, wenn sie auf ihren Grundstücken dezentrale Klärgruben vorhalten, in denen sie ihr Abwasser bis zur Abholung durch ein Entsorgungsunternehmen lagern. Denn das kommunale Unternehmen Abwasserentsorgung Schönebeck GmbH verschickt gerade die Gebührenbescheide für Klärgebühren. Und die fallen nach der neuen Gebührensatzung höher aus als bisher – und das sogar rückwirkend für das Jahr 2018.

Neue Satzung bedeutet höhere Gebühren

Inzwischen gingen die ersten Beschwerden beim Verband der Gartenfreunde Schönebeck und Umgebung von Mitgliedern ein, die ihre Abwasserrechnung nicht mehr verstehen. Beim Verband der Gartenfreunde reagierte man zunächst überrascht. „Wir sind überhaupt nicht über eine Preiserhöhung informiert worden“, sagte Fachberater Siegfried Kliematz der Volksstimme. Man müsse sich zunächst eine Meinung über den Vorgang bilden. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Ein Kleingärtner hatte dem Verband allerdings berichtet, dass die Gebühren von 70 Euro auf rund 100 Euro im Jahr gestiegen seien. „Das klingt vielleicht nicht nach besonders viel Geld. Aber gerade für manche Rentner ist das nicht wenig“, gibt Siegfried Kliematz zu bedenken.

Grundlage für die Preiserhöhung ist die neue Gebührensatzung, die der Stadtrat im August beschlossen hat. Darin ist eigentlich eine allgemeine Senkungen der Abwassergebühren fest geschrieben. Aber eben nur für zentrales Schmutzwasser, dass über die Kanalisation entsorgt wird. Die Preise für die Entsorgung von dezentralen Klärgruben hingegen wurden neu berechnet und vereinheitlicht – und dabei für viele Besitzer teurer. „Früher mussten die Kunden die Entsorgungsunternehmen bei der Abholung direkt bezahlen. Nun werden alle Gebühren zusammen schriftlich in Rechnung gestellt“, erklärt Christian Brauer von der Abwasser Schönebeck GmbH.

Beschlossen wurde die Erhöhung der Gebühren vom Schönebecker Stadtrat im August vergangenen Jahres. „Im Jahr 2018 mussten die Gebühren für die dezentrale Abwasserentsorgung kalkulationsbedingt erhöht und zusätzlich eine Grundgebühr eingeführt werden“, teilte Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz auf Nachfrage der Volksstimme mit.

Begründung: Die Gebühren werden regelmäßig für einen Zeitraum von drei Jahren neu berechnet. Da die Abwassermenge stark schwankt, variiert auch die Höhe der Gebühren. „Die mobile Entsorgung des Schmutzwassers aus dezentralen Anlagen wird zukünftig über eine einheimische Firma sichergestellt. Dem ging eine öffentliche Ausschreibung voraus“, teilte Stadtsprecher Wannewitz weiter mit.

Wütende Reaktionen im Internet

Konkret steigen die Gebühren von 1,40 Euro auf 1,74 Euro pro Kubikmeter Abwasser. Zudem wurde eine Grundgebühr von monatlich sechs Euro eingeführt. Wannewitz widersprach dem Vorwurf, dass die Verwaltung die Erhöhung nicht an die Kleingärtner kommuniziert hätte. „Es erfolgten Informationsschreiben an die Grundstückseigentümer und Pächter, die über dezentrale Abwasseranlagen auf Ihren Grundstücken verfügen“, versicherte der Sprecher der Schönebecker Stadtverwaltung.

Auch im Internet beschweren sich die ersten Kleingärtner bereits über das Thema. „Nun schröpft die Stadt alle Kleingärtner, welche der Forderung nachgekommen sind, eine Sammelgrube zu bauen“, schimpft ein Nutzer bei Facebook. „Frechheit, die Abzocke“, schreibt eine andere Nutzerin.

Die letzte Gebührenänderung für dezentrale Klärgruben in Schönebeck gab es 2015. Damals konnten die Gebühren allerdings von 2 Euro auf 1,40 Euro gesenkt werden.