Schönebeck l Lärm aus Trillerpfeifen und von Sprechgesang hallt am Freitag durch Bad Salzelmen. „Wir sind laut, weil ihr uns die Kohle klaut!“, riefen die rund 130 Krankenschwestern der beiden Ameos-Kliniken in Schönebeck, die sich einem eintägigen Warnstreik angeschlossen haben, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat. Gestreikt wird an diesem Tag an fünf Standorten des Unternehmens in Schönebeck, Staßfurt, Bernburg Aschersleben und Haldensleben.

„Wir fordern, das der Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes für die Beschäftigt in den Ameos-Kliniken angewendet wird“, sagt Verdi-Sprecherin Manuela Hase. Mit dem Verkauf der Krankenhäuser durch den Salzlandkreis an den Konzern vor sieben Jahren wurden die Gehälter eingefroren. Gleichzeitig hat das Unternehmen seinen Mitarbeiterin das Weihnachtsgeld gestrichen und die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich auf 35 Stunden reduziert. Mittlerweile verdienen Krankenschwestern in Magdeburg 300 bis 600 Euro mehr als in den Ameos-Kliniken. Laut Tarif verdient das Krankenhauspersonal zwischen 2700 und 3400 Euro brutto. In den Häusern von Ameos ist es entsprechend weniger.

Ameos lehnt Gespräche mit Verdi ab

Die Fronten zwischen Gewerkschaft und dem Unternehmen sind verhärtet. „Wir haben Ameos seit dem Sommer viermal zu Tarifverhandlungen aufgefordert und haben nicht einmal eine Antwort erhalten“, so Manuela Hase.

Ameos-Regionalgeschäftsführer Lars Timm dementiert das: Ameos habe Verdi und dem Personal mitgeteilt, dass man sich ab 2020 „gehaltstechnisch bewegen“ und „individuelle Lösungen“ suchen werde. Ende des Jahres soll es Mitarbeitergespräche geben. „Wir werden Zukunftspakete anbieten, die Gehaltssteigerungen und den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen beinhalten“, sagte Timm. Aber eine Bezahlung, wie sie Verdi fordert, „bekommen wir nicht finanziert“. Bundesweit litten Krankenhäuser unter Verlusten. Zahle man nach Tarif, müsse man weitere Arbeitsplätze abbauen. „Außerdem arbeiten die Mitarbeiter nur 35 Wochenstunden.“

Die Krankenschwestern wollen in der Regel aber auch mehr arbeiten. Verdi fordert daher neben einer Einmalzahlung von 500 Euro die Rückkehr zu einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden, damit die Arbeiternehmer mehr verdienen können. Außerdem kritisiert die Verdi, dass der Konzern individuelle Verträge aushandeln will. „Da soll nach Nase entschieden werden. Wer nicht aufmuckt, kriegt mehr Geld“, sagte Annett Flachshaar, stellvertretende Geschäftsführerin von Verdi Sachsen-Anhalt. Notwendig sei daher ein allgemeingültiger Tarifvertrag.

Ameos weiß Vorwüfe zurück

Am Vortag des Streiks hatte Regionalgeschäftsführer Timm eine E-Mail an die Mitarbeiter geschickt. Unter der Überschrift „Ein Streik wird den Erhalt von Fachabteilungen und Ihrer Arbeitsplätze stark gefährden“ schrieb er: „Für Sie würde das erhebliche Veränderungen, unter anderem im Form von weiten Fahrtwegen zu einer anderen Arbeitsstätte bedeuten“. Bei einem Streik müsse Ameos „massive, betriebswirtschaftliche und nicht rücknehmbare, betriebsbedingte Entscheidungen“ treffen.

Für Verdi eine klare Drohung, unter anderem auch mit der Versetzung von Personal an andere Standorte. Zudem soll den Mitarbeitern einmalig 400 Euro angeboten worden sein, wenn sie sich nicht an dem Warnstreik beteiligten. Der Geschäftsführer wollte von einer Drohung hingegen nichts wissen: „Mir ging es nur darum, die Mitarbeiter sachlich auf die Auswirkungen eines Streiks hinzuweisen.“

Im Gespräch mit der Volksstimme berichteten mehrere Krankenschwestern, dass die ersten Kolleginnen das Unternehmen bereits wegen der schlechten Bezahlung verlassen hätten. Die meisten wollen allerdings nach Möglichkeit in Schönebeck weiterarbeiten. Unterdessen müssten die Schwestern immer mehr Aufgaben übernehmen, etwa während der Arbeit den Bereitschaftsdienst in anderen Stationen mit abdecken. Auch der Müll werde nur noch alle zwei Tage abgeholt und die Schwestern müssten die Reinigungsarbeiten unterstützen. Zu diesen Vorwürfen war Ameos nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Beim Streik-Café im Kurpark war auch Linken-Stadtrat Roland Claus. „Wir unterstützen die berechtigte Forderung nach einem Tariflohn“, sagte der. „Die Linke hat damals im Kreistag gegen die Privatisierung der Kliniken gekämpft, leider ohne Erfolgt.“ Wenn Konzerne Kliniken übernehmen und eine Rendite von 10 bis 15 Prozent fordern, gehe dies zu Lasten der Mitarbeiter.

Die Gewerkschafter waren mit der Beteiligung an dem Warnstreik in der Region zufrieden. Nach Angaben von Verdi waren in Schönebeck 130 Krankenschwestern im Ausstand. In Staßfurt waren es 40, in Bernburg 120, in Aschersleben 150 und in Haldensleben 75. Bei diesem Warnstreik soll es nicht bleiben. „Wir gehen nicht davon aus, dass Ameos jetzt mit uns verhandeln möchte“, sagte Verdi-Sprecherin Hase. Vier weitere Warnstreiks seien bereits in Vorbereitung. Noch in diesem Jahr soll der Arbeitskampf weitergehen.