Schönebeck/Staßfurt l Das Vorspiel ist vorbei, jetzt geht es beim Arbeitskampf der Ameosbeschäftigten zur Sache: An vier Klinikstandorten haben Montagfrüh die unbefristeten Streiks begonnen. Insgesamt legten rund 600 Ameos-Angestellte in Schönebeck, Bernburg, Aschersleben, Staßfurt und Haldensleben ihre Arbeit nieder. In Schönebeck beteiligten sich etwa 80 Personen am Streik.

Gegen 10.30 Uhr setzte sich die Kolonne in Bewegung. Pfeifend und trommelnd marschierten die Klinikangestellten vom Hotel „Domicil“ zum Marktplatz, um vor dem Rathaus ihre Forderungen kundzutun. Die Angestellten bei Ameos fühlen sich „abgehängt“ und „ungerecht behandelt“. Sie fordern eine Bezahlung nach Tarif und bessere Arbeitsbedingungen. Der unbefristete Streik soll nun den Druck auf Ameos erhöhen.

Zuspruch durch Bürger

Die Streikenden sind motiviert. Eine Angestellte des Schönebecker Klinikums sagt: „Jetzt fängt es erst richtig an. Wir hoffen, dass sich endlich etwas verändert.“ Eine andere Beschäftigte sagt: „Im Internet erhalten wir schon viel Zuspruch und Verständnis. Ich hoffe, dass sich auch die Bürger auf den Straßen in den nächsten Tagen solidarisch zeigen. Sie können mit uns gehen, sich zu uns stellen.“

Bei der Kundgebung auf dem Marktplatz sind allerdings nur wenige Bürger vor Ort. Vereinzelte führen die Streikenden Gespräche mit den Passanten, während Gewerkschaftssekretärin Manuela Hase in das Megafon spricht. Hase betont, dass es den Streikenden bei Weitem nicht nur ums Geld geht. „Die Leute wollen schließlich hier bleiben, hier arbeiten – aber unter vernünftigen Bedingungen.“

15 Wochen Streik

Der Streik könnte durchaus einen längeren Zeitraum andauern. Auf rund 15 Wochen Streik sei die Gewerkschaft vorbereitet. Und erst wenn sich Ameos mit Verdi an einen Tisch setzt, würden die Angestellten wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Übrigens gab es für die Streikenden schon am ersten Tag des unbefristeten Streiks direkt Gesprächsstoff: Die Beurlaubung des Regionalgeschäftsführers Lars Timm war in aller Munde. „Die Beurlaubung des Geschäftsführers ist eine erste Reaktion der Konzernspitze auf dessen Äußerungen und die umgesetzten Kündigungen in den vergangenen Wochen“, schätzt der Landesbezirksfachbereichsleiter der Gewerkschaft Verdi, Bernd Becker.

Kampf um Tarifvertrag

„Aus unserer Sicht hat sich die Situation allerdings nicht verändert, wir werden weiterhin um einen Tarifvertrag kämpfen“, so Becker.

So sieht das auch Manuela Hase. „Das ist zwar ein kleiner Teilerfolg, doch noch haben wir keine Angebote oder Signale von Ameos erhalten. Das heißt, es geht weiter. Wir lassen nicht nach“, so die Gewerkschaftssekretärin.

Termine verschieben

Und obwohl sich das Klinikpersonal im Streik befindet, so ist die Notfallversorgung dennoch sichergestellt. Es kann jedoch vorkommen, dass der eine oder andere OP-Termin verschoben werden muss.

Auch am Dienstag, 28. Januar, werden die Klinik-Mitarbeiter wieder streiken. Wie den Tag zuvor treffen sie sich an den beiden Standorten in Schönebeck (Ameos Klinik an der Köthener-Straße und Innere Klinik am Gradierwerk) zwischen 6 und 8 Uhr, um dann zum Streiklokal Hotel „Domicil“ zu marschieren. Von dort geht es um 10.30 Uhr auf den Marktplatz zu einer weiteren Kundgebung. „Wir hoffen, dass wir mehr Menschen erreichen. Dass uns mehr Bürger den Rücken stärken“, sagt Manuela Hase.