Schönebeck/Schwerin l „Das Staatliche Museum Schwerin hat in seinen Gemäldesammlungen gleich zwei Werke der Schönebecker Expressionistin Annemarie Heise“, schreibt Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz in einer Mitteilung. Eine weitere namhafte Künstlerin aus der Elbestadt, die es zu überregionalem Ruhm gebracht hat?

Auf Nachfrage der Volksstimme beim Museum ist zu erfahren, dass die Werke sich in der Sammlung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommerns befinden, wie Kurator Gerhard Graulich erklärt. Und das bereits seit 1976. Die Vorgängerin des Kurators hatte sie aus dem Staatlichen Kunsthandel der DDR erworben und nach Schwerin gebracht. Wie Graulich erklärt, wurden die beiden Bilder zur Ergänzung der klassischen Moderne im Museum angekauft. Aktuell sind die Werke allerdings nicht zu sehen.

Um was genau geht es? Zum einen geht es um das „Stilleben mit Totem“ aus dem Jahr 1920. „Das Bild zeigt noch deutlich die Auseinandersetzung mit dem Kubismus und der frühen Brücken-Malerei“, erklärt Graulich. Der Kubismus ist eine Stilrichtung, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Dabei stehen geometrische Figuren, beispielsweise Kugel und Kegel im Mittelpunkt. Ein namhafter Vertreter ist zum Beispiel der gebürtige Spanier Pablo Picasso. Gleiches gilt auch für das zweite Gemälde, ein Porträt mit dem Titel „Männliches Bildnis“. Dieses entstand jedoch erst später, um 1932.

Bilder

Private Kunstschule

Annemarie Heise wurde am 31. Mai 1886 in Groß Salze als Tochter eines wohlhabenden Landwirts geboren, ist im Magdeburger Biographischen Lexikon der Otto-von-Guericke-Universität im Internet zu lesen. In Magdeburg erhielt sie demnach erste Malstunden und besuchte später mit ihrer jüngeren Schwester Katharina eine private Kunstschule in Dresden, die sie 1913 beendete. Auch reiste sie nach Paris und nahm dort Kunstunterricht. Sie soll dort so gute Fortschritte gemacht haben, dass man ihr sogar zu einer Ausstellung in Paris geraten habe.

Die Pläne nahmen mit beginn des Ersten Weltkrieges 1914 aber ein abruptes Ende. Sie zog zu ihrer Schwester nach Berlin und teilte sich mit ihr ein Atelier. Folgend nahm sie an Ausstellungen teil und machte sich einen Namen. Ihre schöpferische Schaffensphase kam mit Beginn der Nazi-Diktatur 1933 erneut zum Erliegen – mit den Machthabern habe sie keine Kompromisse eingehen wollen, sodass Ausstellungen ausblieben. 1936 kehrte sie nach Schönebeck zurück und erlag 1937 einem Krebsleiden.

Es war eine unruhige Zeit, in der die Künstlerin lebte. „Für mich ist Annemarie Heise eine bedeutende Künstlerin der sogenannten verschollenen Generationen, ist doch ihr späterer Lebensweg stark durch Anfeindungen des Nationalsozialismus beeinflusst worden“, so Gerhard Graulich. Nach dem Krieg hätten ihr zu Ehren zwar einige Ausstellungen stattgefunden, unter anderem in Halle, gleichwohl sei ihre besondere künstlerische Begabung bis heute nur bedingt kunstgeschichtlich und öffentlich gewürdigt worden.

Ähnlich äußert sich auch Petra Koch vom Salzlandmuseum auf Anfrage der Volksstimme. Das Museum ist im Besitz eines umfassenden Bestandes. Dieser reicht von Öl-Aquarellen bis hin zu Zeichnungen, Skizzen und Briefen der Schönebeckerin. Derzeit sei allerdings kein Werk in einer Ausstellung zu sehen. Zu ihrer jüngeren Schwester Katharina habe es dagegen schon Sonderausstellungen gegeben, erklärt Petra Koch. Grund genug, endlich eine eigene Ausstellung für Annemarie Heise zu planen. 2020 könnte es soweit sein, so Petra Koch. Das dürfte auch im Sinne von Kurator Gerhard Graulich sein: „Zweifelsohne ist sie eine Künstlerin, die es weiterhin noch zu entdecken gilt.“