Bedeutung der Mint-Bereiche

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist gefährdet durch den Mangel an Nachwuchs in den Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Um die Zahl qualifizierter Bewerber für Mint-Ausbildungsberufe und Mint-Studiengänge zu steigern müssen Unterricht und Lehre quantitativ und qualitativ verbessert werden.

Quelle: Mint Zukunft schaffen

Bernburg/Schönebeck/Staßfurt l Noch sind Alica Koch und ihre Kollegin Sarah Kossack zwei von verhältnismäßig wenigen jungen Frauen, die den Schritt gewagt haben und ihre Ausbildung in dualen Mint-Berufen machen. Mint ist die Abkürzung für die Themen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Im Salzlandkreis wurden im Jahr 2018 insgesamt 627 Ausbildungsverträge abgeschlossen, rund 300 davon im Mint-Bereich. Und gerade einmal 12,5 Prozent der neuen Ausbildungsverträge gingen in diesem Bereich an junge Frauen. Immerhin: Im Vergleich zum Jahr davor sind das 1,9 Prozent mehr. Damit liegt der Frauenanteil in dualen Mint-Berufen im Salzlandkreis jedoch immer noch über dem in ganz Sachsen-Anhalt (11,1 Prozent im Jahr 2018).

Hervorragende Qualifikation

„Viele Mädchen erwerben in ihrer Schulzeit eine hervorragende Qualifikation für technische und naturwissenschaftliche Berufe und wären ein wichtiges Potenzial für die zunehmende Zahl wissensintensiver Arbeitsplätze im Salzlandkreis“, sagt Anja Huth, Chefin der Agentur für Arbeit in Bernburg.

Ihre Ausbildungen absolvieren die beiden jungen Frauen bei Thyssenkrupp Presta in Schönebeck. Die 17-jährige Alica Koch ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Industriemechanikerin während die 19-jährige Sarah Kossack zur Zeit ihr drittes Lehrjahr zur Zerspanungsmechanikerin absolviert.

Andere Sichtweisen

Ihr Personalleiter Christian Schröder ist froh, die beiden Frauen zu haben. Er sagt: „Mädchen haben eine andere Sichtweise auf technische Herausforderungen und helfen ungemein, das Betriebsklima positiv zu beeinflussen.“

Dass deutlich weniger Mädchen als Jungen Mint-Berufe ergreifen erklärt Anja Huth so: „Leider orientieren sich Mädchen noch zu oft in tradierten Rollenbildern. Wir wollen Mädchen für Mint nicht nur vor dem Hintergrund des technologischen Wandels und des steigenden Fachkräftebedarfs begeistern. Es geht auch um Einkommen und damit später um die Rente oder auch um Karrieremöglichkeiten.“ Die Berufswünsche von jungen Mädchen sind aber seit Jahren stabil und bewegen sich zwischen Kauffrau, Hotelfachfrau, Friseurin oder Tiermedizinische Fachangestellte. „Dieses traditionelle Berufswahlverhalten wollen wir durchbrechen,“ sagt Anja Huth.

Praktikum in der Altenpflege

Alica Koch und Sarah Kossack sind das beste Beispiel dafür, wie es funktionieren kann. Zwar hatte es die 17-jährige Alica bei Schülerpraktika auch mal in der Altenpflege und der Kinderbetreuung probiert, doch sagt sie über ihre Ausbildung zur Industriemechanikerin: „Mich interessiert das, Technik macht mir Spaß.“ Ihr Entscheidung für einen technischen Beruf habe sie bereits in der achten Klasse gefällt. „Ich rate anderen Mädchen sich einfach auszuprobieren “, sagt die 17-Jährige.

Ähnlich erging es der angehenden Zerspanungsmechanikerin Sarah Kossack. Die 19-Jährige hat durch Praktika und einem freiwilligen sozialen Jahr Erfahrungen im sozialen Bereich gesammelt, sich dann aber für die technische Ausbildung entschieden. Ihre Empfehlung für Mädchen in ihrem Alter: „Lasst Euch begeistern, probiert Euch aus und nutzt alle Möglichkeiten der Berufsorientierung, vom Zukunftstag bis zu Tagen der offenen Tür bei Arbeitgebern.“ Für die beiden jungen Frauen steht fest, dass sie sich auch nach der Ausbildung weiter qualifizieren und vielleicht sogar einen Techniker machen wollen.

Fachkräfte gewinnen

„Ich hoffe, wir können noch mehr Mädchen für unsere Ausbildung begeistern, denn zur Gewinnung von Fachkräften ist das ein wichtiger Baustein“, sagt Personalleiter Schröder. Nur mit qualifizierten Fachkräften könne die technologische Entwicklung in Wissenschaft, Forschung und Technologie ausgebaut werden, ist Anja Huth überzeugt. Und dazu braucht es eben auch Frauen in Berufen, die noch immer oft als „Männerberufe“ gelten.