Natur

Barby: Für die Umwelt - Elbe-Saale-Camper lassen nicht nach

„Vernetzen am Fluss“ lautet das Motto des 29. Elbe-Saale-Camp in Barby. Ab Sonntag werden die Umweltschützer ihre Zelte nahe der Fährstelle für eine Woche aufschlagen. Seit 1993 wird das Camp jedes Jahr von ehrenamtlichen Helfern organisiert.

Von Thomas Linßner
Ernst Paul Dörfler, der für sein Naturschutzengagement 2010 den EuroNatur-Preis bekam, wird auch in diesem Jahr durch die Elbauen führen.
Ernst Paul Dörfler, der für sein Naturschutzengagement 2010 den EuroNatur-Preis bekam, wird auch in diesem Jahr durch die Elbauen führen. Archivfoto: Thoralf Winkler

Barby - „Elbe vernetzt“ lautet das Motto des diesjährigen Elbe-Saale-Camp. Zum 29. Mal werden Flussaktive und Menschen, die gerne Natur erleben, vom 25. bis zum 31. Juli für eine Woche nahe der Saale-Mündung ihre Zelte aufschlagen. In diesem Jahr sind die Friedensreiter zu Gast.

Jutta Röseler, Sprecherin des Elbe-Saale-Aktionsbündnisses: „Das Camp eröffnet mit einer Exkursion zum Fischadler, die von Ernst Paul Dörfler geführt wird. Während der Woche wollen wir zu Fuß, per Boot und Rad unsere Flusslandschaft erkunden. Dazu haben wir Wissenschaftler und Experten eingeladen.“ Alle Programmpunkte seien für Familien mit Kindern geeignet. „Wir freuen uns besonders, dass die Friedensreiter mit ihren Pferden zu uns kommen“, ergänzt Röseler. Und es gibt noch einen originellen Programmpunkt: Die Aktivisten wollen am 29. Juli ein Theaterstück an der Barbyer Elbebrücke aufführen.

Ebenso interessant dürfte die Präsenz der sogenannten Wanderreiter werden. Bereits seit 1984 reiten und radeln sie jeden Sommer durchs Land und unterstützen mit Musik, Theater und Aktionen Initiativen für den Frieden. In diesem Jahr legen sie ihren Schwerpunkt auf Altkriegslasten in der Elbe. Und: Die Friedensreiter möchten Mut machen, mehr Verantwortung für das Zusammenleben auf dieser Erde zu übernehmen – über weltanschauliche und parteipolitische Grenzen hinweg.

Politische Kandidaten im Gespräch

Kurz vor der Bundestagswahl wollen die Elbe-Saale-Camper auch mit einigen politischen Kandidaten ins Gespräch kommen. Thoralf Winkler, der Sprecher des Elbe-Saale-Aktionsbündnisses: „Von den Politikern wollen wir wissen, wie sie in Zukunft mit der Elbe und ihrer Flusslandschaft umgehen werden. Uns beschäftigt die Frage, wie die Elbe bei steigenden Temperaturen und extremen Niedrigwassern ihre Aue mit Wasser versorgen kann.“

Jutta Röseler ist froh, dass in diesem Sommer „das Camp wieder als Camp“ stattfindet, wie sie sagt. „Vergangenes Jahr haben wir wegen der Corona-Lage kurzfristig umgeplant in ein Camp-on-tour. Wir hatten 2020 improvisiert.

Das hat aber ausgesprochen gut funktioniert.“ Vor allem die Radtour in die Auen sei dank der vielen unterschiedlichen und teils spontanen Beiträge der Experten begeistert aufgenommen worden. „Daran wollen wir dieses Jahr anknüpfen“, so die Camp-Aktivistin aus Glinde.

Das Elbe-Saale-Camp soll den Besuchern Möglichkeiten bieten, die Flüsse und ihre Landschaft direkt zu erleben und sich untereinander zu vernetzen, so wie auch die Elbe die Menschen „vernetzt“.

Naturschutzinitiative aus den frühen 1990ern

Die Gründung dieser Fluss- und Naturschutzinitiative geht in die frühen 90er Jahre zurück. 1992 wurde von der damaligen CDU-Bundesregierung ein Bundesverkehrswegeplan beschlossen, der unter anderem den Bau einer Staustufe in der Saale bei Klein Rosenburg und die Vertiefung der Fahrrinne der Elbe vorsah. Da diese Eingriffe massive Auswirkungen auf die typische Flusslandschaft erwarten ließen, gründeten Kritiker dieser Pläne das Elbe-Saale-Aktionsbündnis, mit dem Ziel, die noch relativ naturnahen Flussläufe und ihre Auenwälder zu erhalten.

Seit 1993 führt das Bündnis im Mündungsbereich der Saale ein mehrtägiges internationales Camp durch, um auf die unumkehrbaren Folgen der geplanten und zum Teil bereits realisierten Baumaßnahmen hinzuweisen. Das Aktionsbündnis zählt zu den Mitbegründern des Netzwerkes Flusslandschaften Elbe-Saale-Havel-Oder. Die Staustufe konnte durch das Engagement des Aktionsbündnisses verhindert werden. Der Ausbau der Flüsse geht aber weiter und auch der Saalekanal steht weiter auf dem Plan der Wasserstraßenbauer. Zu den Unterstützern des Aktionsbündnisses zählen der BUND Sachsen-Anhalt sowie verschiedene einheimische Firmen und die Stadt Barby.

Das Camp wird traditionell am Elbkilometer 292 nahe der Barbyer Fähre in Sichtweite der Elbe-Saale-Mündung aufgeschlagen. Es wird rein ehrenamtlich organisiert. Neben viel Platz auf der grünen Wiese gibt es zwei große Festzelte mit Sitzbänken, Zugang zu Trinkwasser und Strom, mobile Toiletten auf dem Gelände sowie moderne Duschen und Toiletten im 200 Meter entfernten Bootshaus. Ein Getränkewagen steht die ganze Woche zur Verfügung.

Die Aktionswoche wird laut der aktuellen Hygieneregeln durchgeführt.

Das ausführliche Programm und weitere Informationen findet man im hier.