Handwerk

Bau-Innung soll wachsen

Nico Hergert ist der neue Obermeister der Bau-Innung, die sich für Betriebe im Altkreis Schönebeck engagiert.

Von Kathleen Radunsky-Neumann

Schönebeck l Wenn sich ein „alter“ Ehrenamtlicher verabschiedet, kann das für Vereine und Verbände zu einer kritischen Situation führen. Denn dann bleibt die große Frage: Findet sich ein Nachfolger? Im Fall der Kreishandwerkerschaft Elbe-Börde gibt es die Positivmeldung: Nico Hergert, Geschäftsführer der Hergert Bau GmbH in Bad Salzelmen, tritt die Nachfolge als Obermeister der Bau-Innung von Hans-Joachim Franke, Bauunternehmer im Ruhestand, an. Franke, der seinen Betrieb mit Sitz in Frohse bereits an seinen Sohn Andreas Franke übergeben hat, wird nun auch sein Amt als Obermeister, das er 16 Jahre lang ausgeführt hat, abgeben.

„Sich in einer Innung zu engagieren, das gehört dazu, das ist ein Qualitätsmerkmal“, sagt Nico Hergert. Er hat seine GmbH 2008 gegründet, anfangs war er nur auf Fliesenbau spezialisiert. Inzwischen hat er den Hochbau als zweites Standbein in sein Unternehmen integriert. „Wenn die Kunden zum Beispiel ihre Tür gleich noch mit vergrößert haben wollten, dann musste ich sie an andere Firmen verweisen“, sagt er. Jetzt kann er diesen Auftrag direkt in einem Abwasch mit erledigen. Im gleichen Atemzug ist der Schönebecker von der Innung für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger zur Bau-Innung gewechselt.

In ihren Anfangsjahren gehörten 21 Firmen der Bau-Innung an. Über die Jahre wurden Betriebe geschlossen, manch einer trat aus. Das Ende vom Lied: Heute zählen sieben Firmen zu der Innung. „Wir müssen Werbung für uns machen“, sagt der im Dezember neu gewählte Obermeister. Am besten funktioniere das durch Mund-zu-Mund-Propaganda, sagt Giso Töpfer, Geschäftsführer des Baugewerbe-Verbandes Sachsen-Anhalt. Innung und Verband arbeiten Hand in Hand, sagt Giso Töpfer und begründet damit auch, weshalb es ihm wichtig ist, dass sich für Hans-Joachim Franke, der sich mit seinen 69 Jahren nicht nur aus dem Beruflichen zurückziehen möchte, ein würdiger Nachfolger gefunden wurde.

„Innungsmitglieder können andere Betriebe am besten davon überzeugen, welche Vorteile eine Mitgliedschaft bringt“, sagt der Verbandsgeschäftsführer. Und welche Vorteile sind das? Nico Hergert nennt ad hoc das Netzwerken der Fachmänner untereinander. Und dann wären da noch die Informationen aus erster Hand. „Sonst muss man sich bei Neuerungen mühevoll selbst informieren“, sagt er. Und das Mitgestalten von Rahmenbedingungen und und und. Als Obermeister hat Nico Hergert die Aufgabe, seine Innung gegenüber den oberen Instanzen zu vertreten. Er kann zwischen Mitgliedsunternehmen und Kunde schlichten. Versammlungen werden drei- bis viermal im Jahr abgehalten. Zuständig ist er für das Gebiet des Altkreises Schönebeck. Eng zusammenarbeiten wird er mit seinem Stellvertreter Zimmerermeister Stephan Schmidt und dem Kreishandwerksmeister Jürgen Brinkmann.

In die Zukunft der Innung blickt der 38-Jährige zuversichtlich. Denn in den vergangenen zwei Jahren haben die Kunden mehr und mehr in „Betongeld“ investiert. Qualität, so sein Eindruck, sei heute mehr gewünscht. So werden nicht mehr Billigfliesen bevorzugt. „Und alte Handwerkstechniken sind gefragt“, sagt er. Das alles sind Umstände, die sich auf das Handwerk im Allgemeinen positiv auswirken. Das versetze die Unternehmen einerseits in die wirtschaftliche Lage, sich eine Mitgliedschaft zu leisten, ergänzt Giso Töpfer. Und es bietet dem einen oder anderen die Möglichkeit, neben dem operativen Geschäft sich zusätzlich dem Ehrenamt zu widmen.