Schönebeck l „Ich bin sehr beeindruckt. Für einen Tierpark ist es beachtlich, dass er sich auf Kleinsäuger spezialisiert hat, die man nicht so leicht zu sehen bekommt. Ein Alleinstellungsmerkmal. Aber auch ganz schön mutig.“ Nach seinem Premierenbesuch auf dem Bierer Berg ist Joachim Hinz begeistert vom Heimattiergarten. Die Anlage sei der schön, das Team sehr freundlich.

Der Natur- und Tierfilmer ist kürzlich in Schönebeck gewesen, um Szenen für einen 15-minütigen Unterrichtsfilm zu drehen. Er wird den Titel „Tiere im Erdreich – Von Maulwurf, Wühlmaus, Regenwurm & Co.“ tragen und im Heimat- und Sachkundeunterricht in der Grundschule gezeigt werden. Die Schermaus zählt zu den Wühlmäusen. Und das Schönebecker Exemplar wird in einer Szene die Hauptrolle spielen.

Mit dem Dreh war Joachim Hinz mehr als zufrieden. „Sie hat sich sehr gut gezeigt. Gut, da gibt es auch Tricks, wie man dies fördern kann“, sagt er schmunzelnd und erzählt von Tonröhren, die von innen mit Erde bestrichen und mit Wurzeln und Löchern versehen sind und somit einem Erdgang ähneln. Ist die Röhre in der Erde, beginnt das Warten, das die Maus durchläuft. Dazu noch etwas animierendes Futter ... Und schon sind im Idealfall die Aufnahmen im Kasten.

Fertig im Mai

Der besagte Film ist derzeit in der Endfertigung. Der Rohschnitt sei durch. Geräusche, Text und Hintergrundmusik kommen noch dazu. Ebenso ein Unterrichtsblatt zum Film. „Im September habe ich mit dem Dreh angefangen, im Mai wird der Film wahrscheinlich fertig sein“, erzählt der Natur- und Tierfilmer aus Aukrug (Schleswig-Holstein), der für ARD und ZDF im Bereich Naturdokumentation tätig ist und für das Institut für Weltkunde in Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBF) Lehrfilme für den Schulunterricht dreht. Der Film „Tiere im Erdreich“ wird sich da einreihen. Als er dafür eine Schermaus suchte, sei er seiner Kleinsäuger-Recherche über das Max-Planck-Institut Plön auf den Schönebecker Heimattiergarten aufmerksam geworden. Und sein Angebot steht: „Mit diesem und einem anderen Film gestalte ich gern in Schönebeck einen Vortrag, vielleicht in Verbindung mit einem Treffen für Kleinsäuger-Experten oder einem Kongress.“

Das Angebot werden Matthias Willberg und Uwe Schlöcker sicherlich nicht ausschlagen. Denn dass es auf dem Bierer Berg so viele Kleinsäuger gibt, ist den beiden Tierpflegern zu verdanken. Sie haben ein Faible für Nagetiere. Und somit gehen sie ihrem Beruf nicht nur mit viel Herzblut nach, sondern können auch ihrem Hobby frönen. „Auf der Welt gibt es etwa 5.000 Säugetierarten. Davon sind 3.000 kleiner als eine Hauskatze. Und somit Kleinsäuger“, beschreibt Matthias Willberg anschaulich. Er ist auch Mitglied in der Bundesarbeitsgruppe Kleinsäuger.

Die beiden haben sich schon immer mehr für die kleinen Tiere interessiert. Da spielt ihnen der Heimattiergarten von seiner Auslegung her in die Karten. „Zum einen haben wir hier nicht die Möglichkeit, große Tiere zu halten. Zum anderen gibt es im Umkreis große Zoos. Da stimmt man sich ab, wer was vorhält. Es wollen ja alle Zoos besucht werden“, erklärt Uwe Schlöcker. Auf dem Bierer Berg seien drei Richtungen vereint: Heimattiere, Haustiere und Kleinsäuger. Und bei den Nagetieren habe man einiges Exotisches zu bieten. Matthias Willberg zählt Beispiele auf: Buschhörnchen werden nur zweimal in Deutschland gehalten und nur in Schönebeck gezüchtet. Bergviscacha gibt es nur einmal außerhalb Südamerikas – und zwar in Schönebeck. Goldhamster aus dem Ursprungsgebiet in Syrien/Türkei sind eine Rarität und nur in Schönebeck zu finden. Und der Kleine Mara ist ein selten gehaltener Kleinsäuger, den es ebenfalls auf dem Bierer Berg gibt.

Faszination hält an

„Früher gab es in den Lehrbüchern zu vielen Kleinsäugern keine Bilder, sondern nur Zeichnungen – weil sie so selten waren und es so viele unbekannte Arten gab. Das war für uns Anreiz, uns diesen Tieren zu widmen. Und heute? Heute pflegen und züchten wir sie hier“, ist Matthias Willberg immer noch fasziniert.

Das, was der Heimattiergarten zu bieten hat, zieht an – und zwar Experten aus nah und fern. So besuchten im vergangenen Sommer 60 Zoologen und Mitglieder der Bundesarbeitsgruppe Kleinsäuger das Kleinod. Experten und Interessenten aus Deutschland und der Schweiz, darunter Zoodirektoren und Biologen. Fachgruppen aus ganz Europa, Amerika, China, Russland kommen immer wieder zum Erfahrungsaustausch in die Elbestadt. In vielen Fachzeitschriften, zum Beispiel in England, wird der Heimattiergarten Schönebeck erwähnt, wenn es um besondere Kleinsäuger geht. Viele Filme sind schon gedreht worden.

Der Bierer Berg ist eine Adresse für Kundige auf diesem Gebiet, weil sich der kleine Zoo dank dem Engagement der Tierpfleger auf Nagetiere spezialisiert hat. Und das ist nicht nur in Deutschland bekannt. „Wir sind europaweit vernetzt“, sagt Uwe Schlöcker. „Sehr viele Tiere, die mittlerweile in den Zoos der Welt daheim sind, haben Schönebecker Wurzeln.“