Versorgung

Blutspender in Schönebeck und Umgebung werden älter und weniger

Eine Meldung der Volksstimme führte zu Verwirrung bei mindestens zwei älteren Blutspendern in Großmühlingen. Wir klären auf, wer spenden darf und wie viele Menschen in Schönebeck und Umgebung auch wirklich spenden gehen.

Von Robert Gruhne 06.08.2021, 16:25
Nach dem Hoch im Jahr 2020 kommen seit Juni wieder weniger Menschen zur Blutspende.
Nach dem Hoch im Jahr 2020 kommen seit Juni wieder weniger Menschen zur Blutspende. imago images/photo2000

Großmühlingen/Schönebeck - rog

„Zwei unserer Spender sind zu Hause geblieben, weil in der Volksstimme stand, dass sie nicht spenden dürfen“, ärgert sich Margrit Kemp. Sie organisiert ehrenamtlich die Blutspendeaktionen in Großmühlingen und freut sich über jeden Spender. Und nun sollte die Zeitung zwei von ihnen davon abgehalten haben?

„Da stand, bei uns darf man bis 69 Jahre spenden, aber das geht bis zum 73. Geburtstag“, stellt Kemp klar. In der Meldung hieß es in der Woche zuvor nämlich, dass grundsätzlich nur gesunde Menschen zwischen 18 und 69 Jahren spenden dürfen. Die beiden Personen, die daraufhin nicht nach Großmühlingen kamen, waren aber schon Anfang 70.

Am 73. Geburtstag ist Schluss

Quelle für die Altersangabe in der Volksstimme war der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg und Bremen (kurz: Blutspendedienst NSTOB). Und tatsächlich heißt es dort: „Grundsätzlich darf jeder gesunde Mensch ab einem Alter von 18 Jahren (voll geschäftsfähig) bis zu seinem 69. Geburtstag beim DRK zur Blutspende gehen.“

Hinter dem Wort „grundsätzlich“ verstecken sich allerdings mehrere Ausnahmen, wie Markus Baulke, der Pressesprecher des Blutspendedienstes erklärt. „Wir trauen unseren Mehrfachspendern auch zu, bis zum 73. Geburtstag zu spenden“, erläutert er. Bis vor einigen Jahren habe es in Sachsen-Anhalt laut Baulke sogar gar keine Höchstgrenze gegeben. Die Entscheidung, ob jemand spenden darf, liegt aber letztlich immer im Ermessen des Arztes vor Ort.

Je älter die Menschen sind, desto öfter kommen sie Blut spenden

Markus Baulke

Dieser muss ebenfalls entscheiden, bis zu welchem Alter man zum ersten Mal spenden kann. Grundsätzlich ist das bis zum 61. Geburtstag möglich. Wenn der Arzt zustimmt, geht es theoretisch aber auch noch ein paar Jahre später.

Oft kommen solche „Späteinsteiger“ aber nicht vor. Die meisten Blutspender gehen zuverlässig und regelmäßig über viele Jahre auf die Liege. „Je älter die Menschen sind, desto öfter kommen sie Blut spenden“, beobachtet Markus Baulke. Männer dürfen sechs Mal im Jahr Blut spenden gehen, Frauen nur vier Mal pro Jahr.

Nur 23 Prozent der Blutspender in Schönebeck und Umgebung sind unter 40 Jahre alt.
Nur 23 Prozent der Blutspender in Schönebeck und Umgebung sind unter 40 Jahre alt.
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Baulke präsentiert noch eine überraschende Statistik: „Von März 2020 bis Juni 2021 gab es eine große Bereitschaft zur Blutspende“, sagt er. Demnach blieben die Spender während der Lockdowns nicht zu Hause. Man habe teilweise gar nicht genug Plätze mit dem vorgegebenen Abstand anbieten können, legt Baulke nach. Bis im Juni die meisten Beschränkungen aufgehoben wurden. „Seitdem ist es von einem Tag auf den anderen weniger geworden“, bedauert Baulke.

In Schönebeck und den umliegenden Kommunen Bördeland, Barby und Calbe ist man aktuell sogar sieben Prozent unter den Spenden im selben Zeitraum des Jahres 2019. Im Juni 2021 liegt der Blutspendedienst des DRK hier sogar weit unter dem benötigten Soll: Ganze 37 Prozent zu wenig weist die Statistik aus.

Klinikum in Schönebeck benötigt zehn bis 15 Konserven täglich

Die Blutkonserven werden in den Kliniken für verschiedene Behandlungen genutzt. „Im Ameos-Klinikum Schönebeck werden täglich zwischen zehn und 15 Blutkonserven für Operationen und Notfälle benötigt“, schreibt Pressesprecherin Kathrin Adam.

Auch wenn sich abzeichne, dass Blutkonserven knapp werden könnten, könne das Depot in Schönebeck aus einem anderen Laborstandort aufgefüllt werden, versichert Adam. So sei die Versorgung jederzeit sichergestellt.

Es gebe immer wieder Situationen, in denen Menschen auf Spenderblut angewiesen sind, teilt Adam weiter mit. „Eine Blutspende kann im Notfall Leben retten“, betont die Pressesprecherin und fährt fort: „Dank der Blutspenden aus der Bevölkerung kann so vielen Menschen geholfen werden.“

Die Spender werden in Sachsen-Anhalt aber immer älter – in Schönebeck und Umgebung ganz besonders. Der durchschnittliche Spender ist hier mittlerweile fast 50 Jahre alt. Unter 40 sind zur Zeit gerade mal 23 Prozent der Spender, landesweit immerhin 28,5.

Junge Menschen durch digitalen Service motivieren

Aber wie kann man jüngere Menschen zum Spenden motivieren? Für Markus Baulke vom DRK-Blutspendedienst spielt die Digitalisierung da eine wichtige Rolle: „Wir müssen die Blutspende auf die Handys der Menschen bekommen.“

Damit gemeint sind zum Beispiel digitale Angebote wie das Portal www.spenderservice.net. Dort finden Blutspender unter anderem ihre Historie oder können in bestimmten Orten schon Liegeplätze direkt vom Handy aus reservieren.

In Sachsen-Anhalt wird letzterer Service aber erst in den großen Städten wie Magdeburg oder Dessau angeboten. Auf dem Land werde ein solcher Service auch nicht so stark nachgefragt, weiß Baulke. Dennoch ist er sicher: „Die nachwachsende Generation wünscht sich dieses Selbstbestimmte.“

Man braucht keine Angst zu haben. Viele haben schon gesagt: Hätte ich vorher gewusst, dass das gar nicht so schlimm ist, dann wäre ich früher gekommen.

Anett Sinast

Anett Sinast ist Gebietsreferentin beim DRK-Blutspendedienst in Sachsen-Anhalt und würde sich ebenfalls mehr Beteiligung wünschen, besonders im Sommer. Sie macht Mut: „Man braucht keine Angst zu haben. Viele haben schon gesagt: Hätte ich vorher gewusst, dass das gar nicht so schlimm ist, dann wäre ich früher gekommen.“

Trotz des Missverständnisses in der Zeitung kamen in dieser Woche übrigens 37 Menschen zur Spende nach Großmühlingen. Auch wenn es sonst ein paar mehr sind, zieht die Ehrenamtliche Margrit Kemp ein positives Fazit: „Es lief schon gut, aber mehr könnte es immer sein.“

Außerdem war immerhin ein neues Gesicht dabei.

Wie läuft die Blutspende ab?

  • Vorbereitung: Nach der Anmeldung vor Ort müssen die Spender einen Fragebogen ausfüllen. Danach wird der Hämoglobinwert und die Körpertemperatur gemessen. Ein Arzt checkt Blutdruck und Puls.
  • Blutspende: Das Blutspenden selbst dauert nur fünf bis zehn Minuten. Nach einer kurzen Ruhepause auf der Liege ist es wichtig, noch eine Kleinigkeit zu essen und viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
  • Verarbeitung: Das gespendete Blut aus der Gemeinde Bördeland kommt ins Dessauer Institut des DRK-Blutspendedienstes. Dort wird es auf Krankheiten untersucht und über Nacht für die weitere Verwendung vorbereitet.
  • Auskunft: Alle Fragen zur Blutspende beantworten die Mitarbeiter des DRK-Blutspendedienstes auch per Telefon. Kostenlose Service-Nummer: 08001194911. Unter folgenden Links finden Interessierte weitere Infos des DRK-Blutspendedienstes: www.spenderservice.net und www.blutspende-leben.de