Schönebeck l Rainer Wieland aus Schönebeck ist viel zu Fuß in der Stadt unterwegs. Da bleibt es nicht aus, dass ihm Dinge auffallen, die für manch anderen Bürger wohl noch lange im Verborgenen geblieben wären. Dem Hobby-Botaniker bereitet nun etwas zunehmend Sorgen: An einigen Stellen im Stadtbild wächst laut Wieland das Jakobs-Kreuzkraut.

Und das ist gefährlich, weiß Wieland. Er beruft sich auf einen Allgäuer Landwirt, der aktiv dagegen auf seinem Acker vorgehe und mit dem er im Urlaub über das Kraut gesprochen habe. Demnach könne das Jakobs-Kreuzkraut unabsichtlich ins Futtermittel geraten und bei Tieren „BSE-ähnliche Symptome“ hervorrufen, also zum Beispiel ein ausgesprochen ängstliches oder aggressives Stimmungsbild bei den Tieren hervorrufen. Seit ungefähr zwei Jahren stelle der Schönebecker nun vermehrt fest, wie sich die Pflanze auch in der Elbestadt einniste. „Die stehen teilweise sogar in dieser Zeit in der Blüte“, berichtet er und zeigt auf ein ausgewachsenes Exemplar nahe der Magdeburger Straße in Höhe der Einfahrt zur Straße der Jugend.

Oft an Böschungen

Problemlos sind auf den ersten Blick zunächst die typisch gelben Blüten erkennbar. Die Pflanze wächst mehrere Zentimeter hoch und sie ist an dieser Stelle kein Einzeltäter. Mehrere hundert Meter weiter Richtung Ortsausgang nach Magdeburg, auf der gegenüberliegenden Straßenseite nahe eines Garagenkomplexes, wachsen auch viele kleine Pflanzen mit einem ähnlichen Erscheinungsbild am Rande des Gehwegs – alles unweit landwirtschaftlicher Flächen. Und das macht Rainer Wieland Sorgen.

Eine typische Stelle, an der sich Jakobs-Kreuzkraut ansiedeln kann. „Es besiedelt vor allem Ruderalstandorte (Anm. d. Red.: Eine Fläche, die dauernd unter menschlichen Einfluss steht), wie zum Beispiel Böschungen entlang von Verkehrswegen, Wegerändern, und Stilllegungsflächen“, erklärt Stefanie Olsen, Fachdienstleiterin für Umwelt und Natur des Salzlandkreises, auf Nachfrage der Volksstimme. Das Jakobs-Kreuzkraut verbreite sich seit einigen Jahren in ganz Deutschland und könne durchaus auch im Salzlandkreis vorkommen, bestätigt Olsen. Allerdings gibt die Fachdienstleiterin vorerst Entwarnung: „Massenvorkommen innerhalb des Salzlandkreises sind bisher nicht bekannt, sodass eine Überprüfung der Bestände auch noch nicht erforderlich war“, erklärt sie. Relevante Bestände seien lediglich entlang der A14 und der Landesstraßen festzustellen, so Olsen weiter. Auch Hinweise der Landwirte auf eine Ausbreitung auf Grünland- und Wiesenflächen liegen demnach im Kreis nicht vor.

Und das wäre gefährlich, denn das Kraut bildet sogenannte Pyrrolizidin-Alkaloide, die wiederum für Tiere und Menschen giftig seien, erklärt Stefanie Olsen weiter. Weil sie unter anderem Schädigungen an der Leber auslösen könnten, seien sie in Futter- und Lebensmitteln natürlich nicht gern gesehen.

In Kräutertees und Honig

Menschen würden die Stoffe hauptsächlich durch Kräutertees und Honig aufnehmen – also nicht übermäßig. Anders sieht das aber bei Tieren aus. Die Pflanze bilde relativ viele Samen, die durch Wind und Verschleppung ausgebreitet werden, erklärt die Fachdienstleiterin weiter.

Gefährlich für Nutztiere, wie zum Beispiel Rinder, wird es aber dann, wenn die Pflanzen sich dadurch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausbreiten oder die Samen sich dort ansammeln und vermehren und zum Beispiel ins Getreide geraten. Damit können sie sich letztendlich im Raufutter, wie zum Beispiel Heu befinden, erklärt Michael Wunschik von der hiesigen Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu).

Nun sind die Landwirte und Futtermittelunternehmer in der Pflicht, denn sie seien darauf bedacht und dafür verantwortlich, sichere Futtermittel herzustellen, erklärt Marina Bradtke, Fachdienstleiterin und Amtstierärztin für Veterinärangelegenheiten und Gesundheitlichen Verbraucherschutz im Salzlandkreis. Regelmäßig würden dahingehend Kontrollen durchgeführt und Proben entnommen. „Die angesprochene Problematik bezüglich BSE-ähnlicher Symptome wird diskutiert“, heißt es von Marina Bradtke weiter. Erkrankungen seien im Landkreis aber bislang noch nicht beobachtet worden.

Eine Ursache der Zunahme von Jakobs-Kreuzkraut könne laut Bradtke allerdings eine mangelnde Pflege der betroffenen Fläche sein. Auf Nachfrage bei der Stadt zum Thema wird darauf verwiesen, dass die angesprochenen Flächen auf Stadtgebiet regelmäßig gemäht werden würden.

Ausbreitung eindämmen

Auch als Gegenmaßnahme, um eine mögliche Ausbreitung einer solchen Pflanzenart einzudämmen, erklärt Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz. Wie oft, hänge allerdings von der Witterung ab: „Wir sind bemüht, bevor die Pflanze in Samen geht“, schreibt Wannewitz weiter.

Trotzdessen die abgebildete Pflanze dem Jakobskreuzkraut ähnlich sehe, müsse aber zunächst herausgefunden werden, ob es sich tatsächlich um das Jakobs-Kreuzkraut oder doch eher um eine andere Kreuzkrautart handele, so Michael Wunschik.

Der Salzlandkreis kündigt eine Überprüfung durch den Fachdienst für Natur und Umwelt an, um zu klären, ob Handlungsbedarf besteht, so Sprecherin Alexandra Koch.