Gnadau l Joachim Gemsjäger hat ihn mit Hilfe der Gemeinde selbst gebaut. Es ist der vierte Superstern, den der 85-Jährige leimte. Die Inspiration und Anleitung dazu bekam er 1950 als Lehrling der Gnadauer Internatsschule.

Wenn schon sehr viel Fingerspitzengefühl beim Zusammenbau von handelsüblichen, also vorgefertigten Sternen aus dem Laden nötig ist, weiß man um die große Leistung der Gnadauer Bastler.

Zuerst wurde der kugelförmige Körper aus drei Millimeter starker Pappe geformt, in dem sich 110 fünf-, sechs- und achteckige Löcher befinden. Die exakte Beschaffenheit dieses Trägers ist Voraussetzung dafür, dass sich die Zacken genau ansetzen lassen. Allein diese „Kugel“ ist schon ein Wunderwerk der Bastelkunst.

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Die längsten Zacken sind 55 Zentimeter lang, so dass der Stern insgesamt einen Durchmesser von etwa 1,50 Meter hat. Sehr viel Fingerspitzengefühl brauchten die Sternenbauer beim Ankleben der Zacken an die Trägerkugel. Joachim Gemsjäger verwendete als Kleber wie vor einem halben Jahrhundert „Duosan“, ein DDR-Produkt, das es immer noch gibt.

Sommer-Kasten

Alle Gnadauer Superstern-Generationen werden außerhalb der Adventszeit in einem speziellen Kasten aus Spanplatten aufbewahrt. Denn diese zackigen Leuchtwunder sind ebenso schön wie zerbrechlich und nicht demontierbar. So warten sie zehn Monate im Jahr auf ihren großen Auftritt in einer sicheren Kiste, geschützt vor Stoß und Durchzug.

Konkret hängt der Stern vom Advent bis zum Ende der Epiphaniaszeit. Also bis zum Beginn der Fastenzeit, die am Aschermittwoch, 40 Tage vor Ostern beginnt.

Der Papier gewordene Weihnachtsstern stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachkommen der böhmischen Brüder, die den Ort Herrnhut 1722 (und 1767 auch Gnadau) gründeten, gelten als „Pioniere“ des Strahlensterns.

Erfinder

Über den Erfinder des Herrnhutersterns gab es in der Vergangenheit die unterschiedlichsten Mutmaßungen. Bei Recherchen im Archiv der Brüdergemeine in Bethlehem (Pennsylvania, USA) fand man durch Zufall Hinweise. Bisher war nur bekannt, dass im Januar 1821 im Hof der Unitätsknabenanstalt in Niesky erstmals ein selbst gebastelter Stern hing, der als Festdekoration diente. Jetzt steht fest, dass es diesen Stern schon zum Christfest 1820 im Nieskyer Brüderhaus gab, gebaut von dem Herrnhuter Handwerker Christian Madsen (1800 – 1879), der damals im Nieskyer Brüderhaus wohnte und in einer Schmiede nahe Niesky arbeitete.

Eine diesbezügliche Notiz findet sich in einem Tagebuch von Georg Friedrich Bahnsohn, das in Bethlehem (USA) aufbewahrt wird.

In Herrnhut in der Oberlausitz hat sich eine moderne Sternmanufaktur etabliert. Hier findet man die spitzen Leuchtwunder das ganze Jahr über. In einer Schauwerkstatt der Firma kann man geschickten Frauen über die Schulter schauen, die kleine und große Sterne zusammenleimen.

„Typenprojekt“

Seit über 160 Jahren werden unweit von Zittau und Görlitz die Herrnhuter Sterne aus Papier traditionell in Handarbeit gefertigt. Während der ursprünglich erste Stern in den Farben weiß/rot hergestellt wurde – weiß für die Reinheit und rot für das Blut Christi – gibt es heute eine weitaus größere Auswahl. Das Sortiment der Papiersterne umfasst fünf Größen zwischen 13 und 80 Zentimeter Durchmesser in sieben verschiedenen Farben.

Herrnhut ist Gründungsort der Herrnhuter Brüdergemeine, die durch ihre weltweite Missionsarbeit bekannt wurde. Die Brüdergemeine, heute in vier Kontinenten beheimatet, hat globale kirchen- und kulturgeschichtliche Bedeutung.

Vergleicht man Gebäude in Gnadau und Herrnhut, wird man verblüfft feststellen, wie sich die kirchlichen Bauwerke ähneln. Die Baumeister von damals hatten offenbar ein „Typenprojekt“ in der Schublade. In beiden Ortschaften gruppieren sich die Häuser um den Zinzendorfplatz.