Schönebeck l Warum bewirbt sich jemand für das Amt des Oberbürgermeisters, der noch überhaupt keine kommunalpolitischen Erfahrungen hat? Das ist eine Frage, die man dem parteilosen Bewerber Felix Leue eigentlich immer wieder stellen möchte. Eine seiner Antworten geht so: Sein inzwischen verstorbener Großvater hatte die Idee. Helmut Backhaus, Frohser Urgestein und ehemaliger Ortswehrleiter, soll ihm bei der letzten Wahl gesagt haben: „Felix, du wärst doch ein toller Oberbürgermeister.“ Damals hatte Leue das noch nicht ernst genommen, wie er sagt. Aber inzwischen ist bei ihm die Überzeugung gereift, dass es an der Zeit ist.

Mehr für junge Leute machen

„Wieder Schönebeck werden“ lautet einer seiner Slogans. Da ist dieses Gefühl bei dem mit 38 Jahren eigentlich immer noch recht jungen Mann, dass früher in Schönebeck einiges schöner war. Das Freibad, die Skaterbahn, die alte Wall-of-Fame für Sprayer, das sind die Dinge, die er aus seiner Jugend kennt und für die nächste Generation vermisst. „Wir müssen mehr für die jungen Leute machen, sonst schrumpft die Stadt“, so der Vater von drei Kinder.

Leue ist in seinem bisherigen Leben ganz schön rumgekommen. Aufgewachsen in Schönebeck und mit einem Abschluss an der Lerchenfeldschule, hat er zunächst eine Ausbildung als Maurer absolviert. Zwei Jahre war er bei der Bundeswehr. Auf der Suche nach einer Stelle in derselben Stadt wie seine Frau zog es ihn nach Süddeutschland und Berlin. Nach zahlreichen Weiterbildungen wurde er Planungsingenieur bei der Deutschen Bahn in Magdeburg, so dass sie nach Schönebeck zurückkehrten, ein altes Haus kauften und eine Familie gründeten. Seitdem nehmen die Familie, die Sanierung des Hauses und der Garten einen Großteil von Leues Freizeit in Anspruch.

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"Alles hängt am Geld"

„Ich bin zufrieden“, sagt er, und doch ist da noch etwas, was er erreichen möchte. „Schönebeck kann einfach mehr. Da ist noch viel Luft nach oben“, sagt er. Immer wieder höre er von den Leuten in der Stadt, dass in den vergangenen sieben Jahre nicht viel passiert sei. Das will er ändern. Er weiß aber: „Alles hängt am Geld.“

Eine Stadt müsse daher geführt werden wie ein Dienstleistungsunternehmen, muss attraktiv werden für die Bürger, Unternehmen und Besucher. Dann würden auch die Einnahmen steigen. „Ich kenne Unternehmer, die sind nach Gommern gezogen, weil die Hebesätze dort niedriger sind“, sagt Leue. Daran sollte sich Schönebeck ein Beispiel nehmen. Andere Bekannte hätte ihm von ihren Kämpfen mit der Verwaltung berichtet. Auch in Sachen Bürokratieabbau müsse sich daher etwas tun. „Stadt gestalten statt verwalten“ lautet ein weiterer von Leues Slogans. Eine andere Geschichte zu seine Kandidatur geht so: Seine Bekannten, von denen er einige zu haben scheint, haben ihn darum gebeten, nachdem man mal wieder die Probleme in der Stadt besprochen hatte. Schließlich habe er sich überzeugen lassen.

Leue zeigt sich selbstbewusst

65 Wahlplakate mit seinem Konterfei hat er drucken lassen, dazu noch einmal 25.000 Werbebroschüren. Der Mann meint es offensichtlich ernst, auch wenn er bisher noch nicht sehr bekannt ist in Schönebeck. Auf die Frage, wie er seine Chancen sieht, antwortet er ohne zu zögern: „Gut!“ Selbstbewusstsein braucht man wohl auch für einen Wahlkampf, gerade wenn es der erste ist, den man führt.

Seine Außenseiterrolle und seine Parteilosigkeit sieht er als Stärke an. Er möchte unabhängig und frei von Parteizwängen sein. Parteipolitisch möchte er sich auch nicht so richtig einordnen. Insgesamt klingt es ein bisschen sozial und ansonsten ziemlich liberal.

Innenstadt großes Thema

Sein drittes großes Thema ist die Innenstadt. Die Verkehrsberuhigung auf dem Markt würde er am liebsten auf die gesamte Salzer Straße ausweiten, um die Innenstadt attraktiver zu gestalten. Trotzdem sollten dort Autos wie auf dem Markt noch fahren dürfen, zumindest, um zu den Geschäften zu gelangen. Davon haben ihn Bekannte überzeugt, die selbst Geschäfte an der Salzer Straße haben.

Drei Fragen, drei Antworten - das Video-Kurzinterview mit OB-Wahl-Kandidat Felix Leue können Sie hier ansehen.