Kunst

Calbes Riesenstuhl fristet Dornröschendasein

Vor fast 15 Jahren wurde am Rande der Grünen Lunge in Calbe ein Riesenstuhl aufgestellt. Neun Meter ist die Plastik hoch.

Calbe l Der neun Meter große Stuhl hatte damals beste Chancen, einen Eintrag im Guinness­buch der Rekorde zu erhalten. Was einen Holzgestalter aus dem Rheinland ärgerte, der kurz zuvor den „größten Holzstuhl der Welt“ aufgestellt hatte. Der war aber nur wenig mehr als acht Meter groß – Henry Alex Freiluftmöbel wurde am Ende rund einen Meter größer.

Das Projekt hatte Alex schon einige Jahre im Kopf. Eine ganze Reihe Genehmigungen und Behördengänge waren im Vorfeld nötig, bis die ersten Hobelspäne fallen konnten.

„Er will sagen, dass man nicht nur sitzen, sondern auch mal aufstehen muss.“

Der gebürtige Nienburger wollte seiner Wahlheimat mit „Kunst im öffentlichen Raum“ zu einem Stück Identität verhelfen. Die Erschaffung des überdimensionalen Alltags-Sitzmöbels hatte einen provokant-philosophischen Hintergrund. Dem Stuhl fehlt bewusst die Sitzfläche. „Er will sagen, dass man nicht nur sitzen, sondern auch mal aufstehen muss“, hob der damals 34-jährige Alex hervor.

Der Calbenser Tischlermeister Torsten Franke, der das Projekt technisch unterstützte, hatte im Vorfeld so seine Bedenken: „Anfangs war ich skeptisch, dass einige Leute das mit dem Aufstehen falsch verstehen könnten, ich meine wegen der hohen Arbeitslosigkeit.“ Er hätte sich die Holzplastik auch gut als praktisch nutzbaren Aussichtspunkt vorstellen können. Doch diesen Nutzungs-Kompromiss wollte Henry Alex nicht eingehen.

20 mal 20 Zentimeter starke Leimholzbinder aus Fichtenholz bilden die tragenden Säulen. Die beiden längsten – für die Rückenlehne – sind neun Meter lang. Allein um einen Binder zu bewegen, waren mindestens vier Männer nötig.

Insgesamt wurden drei Kubikmeter Holz verbaut. Das tonnenschwere Open air-Möbelstück steht auf vier Betonfundamenten.

Heute fristet der Stuhl ein Dornröschendasein am Rande der Grünen Lunge. So richtig kommt er eingerahmt von viel Großgrün nicht zur Geltung. Der Vorschlag, ihn an einer exponierteren Stelle, wie dem „Eierberg“ zum Beispiel, zu installieren, ließ sich damals nicht umsetzten. Dennoch ist er ein bemerkenswertes Monument, an dem man nicht achtlos vorbei gehen sollte. Wenn man mal aufsteht und nicht nur sitzt ...