Schönebeck l Zirkusdirektor Klaus Köhler liegt in einer Hängematte im Affengehege und füttert den Schimpansen Robby mit Bananen. Im Gegenzug laust ihm der Affe das immer lichter werdende Haar. Dabei reißt Robby eine kleine Wunde an der Hand des Zirkusdirektors wieder auf. Mit dessen Pullover versucht der Affe, das Blut aufzuwischen. „Robby hält sich für einen Menschen“, sagt der Zirkusdirektor. „Er lebt schon seit mehr als 40 Jahren im Zirkus und kennt ja gar keine Artgenossen.“

Noch bis Sonntag gastiert der Circus Belly an der Welsleber Straße in Schönebeck. Bereits zum dritten Mal ist die 20 köpfige Zirkus-Truppe in Schönebeck. Mit dabei sind die sechs Kinder von Klaus Köhler, deren Familien und noch ein paar engagierte Künstler. Dazu reichlich Pferde, Kamele, Lamas, sogar ein Alligator. Doch der Star-Gast ist Robby. „Er hat seine eigenen Hunde, wie ein Mensch“, sagt Klaus Köhler.

Robby tritt mit Hunden auf.

Die lässt Robby durch einen Ring hüpfen. Sein Lieblingshund, der Labradoodle Teddy, verbringt viel Zeit in Robbys Affengehege und döst dort in der Sonne. „Wir kriegen bald neue junge Welpen für Robbys Hundenummer“, erzählt Zirkusdirektor Köhler. Gerade an kleinen Hunden hängt der Affe immer sehr. Mit seinen inzwischen 48 Jahren hat er schon so manchen seiner Hunde überlebt. „Robby nimmt die kleinen Hunde sogar mit in seine Schlafkoje und lässt sie bei sich übernachten. Aber das machen Menschen ja auch.“

Dass der Schimpanse so ungezwungen im Circus Belly leben kann, war in den vergangenen Jahren jedoch alles andere als selbstverständlich. Tierrechtsaktivisten hatten gegen die Zirkushaltung von Robby protestiert. Der Fall ging vor Gericht, wurde aber schließlich zugunste von Circus Belly entschieden. Eine Tierärztin hatte den Zirkus damals einen Monat lang begleitet, um die Umstände von Robbys Haltung zu untersuchen. Ihr Fazit lautete, dass es nach mehr als 40 Jahren im Zirkus nicht zumutbar für das Tier wäre, seine gewohnte Umgebung zu verlassen und in einer Auffangstation zu leben. Er kenne nur das Leben im Zirkus und wirke dabei relativ entspannt. Auch in Blutproben konnte keine erhöhte Konzentration von Stresshormonen gefunden werden.

„Robby geht es doch gut bei uns. Er könnte auch gar nicht woanders leben, weil er viel zu vermenschlicht ist“, sagt Zirkusdirektor Köhler. Der Affe bekommt drei Mal am Tag Obst und Gemüse, dazu Milch und gekochte Eier, da sich Schimpansen auch in der Natur nicht nur vegetarisch ernähren. Als Leckerli gibt es Datteln, die mag er besonders gern. Vier Stunden am Tag muss sich Köhler mit Robby beschäftigen und sogar Buch darüber führen. Vor einiger Zeit hat Robby sogar das Malen für sich entdeckt und malt seitdem mit Wasserfarben Bilder, die der Zirkus als Postkarten verkauft. Sehr abstrakte Kunst, versteht sich. Der Schimpanse würde auch verstehen, was um ihn herum geschieht. Wenn die Zirkusleute das Zelt aufbauen, würde er ihnen auch mal das Werkzeug reichen.

Robby war für Köhler immer wie ein weiteres Kind. Seine Söhne und Töchter sind zusammen mit Robby aufgewachsen. Früher hat das Tier viel Zeit im Wohnwagen der Familie verbracht. Doch dann wollte Robby immer den großen Bruder gegenüber den Kindern spielen und musste daher in sein eigenes Gehege umziehen.

Äger mit Aktivisten

Mit den Aktivisten steht Köhler bis heute auf Kriegsfuß und fühlt sich regelrecht von ihnen verfolgt. Immer noch schicken sie empörte Pressemitteilungen an die Medien in den Kommunen, in denen der Zirkus gastiert. Der Direktor vermutet, dass sie ihm in jedem Landkreis den Amtstierarzt auf den Hals hetzen. Das ärgert ihn unendlich, weil bei ihm alles in Ordnung sei und die Veterinäre nie etwas zu beanstanden hätten. Reine Zeitverschwendung sei das. Die Leute sollten sich lieber um die Massentierhaltung kümmern als um die paar Zirkustiere.

Der Sieg vor Gericht reicht ihm nicht mehr. Er hat sich einer Gruppe von Landwirten und Politikern angeschlossen, die gerichtlich gegen den Status der Gemeinnützigkeit der Atkivisten und damit die Befreiung von Steuern vorgehen wollen.

Mit seinen 48 Jahren ist Schimpanse Robby schon relativ alt. In der freien Wildbahn werden die Tiere vielleicht 20 bis 30 Jahre alt, in Gefangenschaft können es mitunter über 60 Jahre werden. Zirkusdirektor Köhler ist sich sicher, dass Robby auch ein solches Alter erreichen wird. Doch einen neuen Affen würde er sich nach dessen Tod wohl eher nicht zulegen. Die Gesetze für die Haltung von Wildtieren werden immer strenger und die Aktivisten sitzen dem Zirkus im Nacken. „Robby ist ein Auslaufmodell“, sagt Klaus Köhler.

 

Circus Belly. Welsleber Straße, Schönebeck. Vorstellungen: Donnerstag bis Sonnabend: 17 Uhr. Sonntag: 11 Uhr.